Ă–kumenisches Heiligenlexikon

Agapitus von Praeneste

Gedenktag katholisch: 18. August
     in Besançon: Auffindung seines Kopfes: 20. April
Name bedeutet: der Geliebte (griech.)
Märtyrer
* in Praeneste, heute Palestrina in Italien
† 18. August 274 (?) daselbst
Kartenskizze

Agapitus, der aus der Adelsfamilie der Anicia stammte, wurde der Überlieferung nach als 15-jähriger wegen seiner glühenden Liebe zu Christus in den Verfolgungen unter Kaiser Aurelian mit Geißelhieben misshandelt, dann unter dem Präfekten Antiochus gequält; Löwen sollten ihn zerfleischen, doch sie liebkosten ihn. Daraufhin wurde er enthauptet.

In der Nacht nach seiner Enthauptung wurde sein Leichnam der Überlieferung nach auf einem nahen Feld namens Quadrelle bestattet und über seinem Grab außerhalb von Palestrina im 4. Jahrhundert eine Basilika errichtet; diese geht archäologisch auf ein Gebäude eines Heiligtums der Göttin Fortuna Primigenia - Glück den Erstgeborenen - zurück. Aus dieser Zeit stammt auch eine wiedergefundene Inschrift. Anfang des 9. Jahrhunderts wurde diese Kirche restauriert, die 1864 wiederentdeckt wurde. Wohl Ende des 9. Jahrhunderts wurden seine Gebeine in die Stadt überführt und ihm dort eine Kirche geweiht. 1117 wurde diese Kirche in Palestrina erneuert, der Altar mit Agapitus' Reliquien - und denen der Heiligen Callistus, Papst Martin I., Valentinus, Tiburtius, Secundus, Agatha von Catania und Silvester - von Papst Paschalis II. geweiht.

Das Gedenken an Agapitus kannte schon das Martyrologium des Hieronymus. Die legendäre Leidensgeschichte über Agapitus entstand im 6. / 7. Jahrhundert.

Carlo Saraceni (1580 - 1620): Das Martyrium des Agapitus

Carlo Saraceni (1580 - 1620): Das Martyrium des Agapitus   

Unter Papst Felix III. wurde Agapitus in Rom eine Kirche erbaut, was die weite Verbreitung der Verehrung erweist. Der größte Teil seiner Reliquien kam nach einer Überlieferung aus dem 11. Jahrhundert nach Rom und von dort 893 als Geschenk des Königs Arnulf von Kärnten nach Kremsmünster in Oberösterreich. Sein Kopf kam im 11. Jahrhundert nach Besançon. Weitere mutmaßliche Reliquien liegen in Bologna.

Patron der schwangeren Frauen und kranken Kinder; gegen Leibschmerzen und Koliken

Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon


Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München, 2001
• Otto Wimmer, Hartmann Melzer: Lexikon der Namen und Heiligen, bearb. u. erg. von Josef Gelmi. Tyrolia, Innsbruck, 1988
• Ekkart Sauser. In: Friedrich-Wilhelm Bautz †, Traugott Bautz (Hg.): Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon, Bd. XVI, Herzberg 1999
• Prof. Helmut Bouzek, E-Mail vom 26. April 2005
© www.heiligenlexikon.de