Ökumenisches Heiligenlexikon

Agnes von Rom
orthodox: Anna

Gedenktag katholisch: 21. Januar
     gebotener Gedenktag
     bedacht im EucharistischenEucharistie - von griechisch „ευχαριστειν, Dank sagen” - vergegenwärtigt das heilvolle Sterben Jesu Christi. Die Römisch-Katholische, die Orthodoxe und die Anglikanische Kirche nennen diese Mahlfeier im Anschluss an 1. Korintherbrief 11, 24 Eucharistie, die Evangelischen Kirchen sprechen von „Abendmahl” im Anschluss an Markusevangelium 14, 17 und 1. Korintherbrief 11, 23. Hochgebet I
       und im Ambrosianischen Hochgebet I
     nicht gebotenes Fest im weiblichen Zweig des Trappistenordens
     Fest im Trinitarierorden: 28. Januar
     in Utrecht: Übertragung der Gebeine: 2. September
Gedenktag anglikanisch: 21. Januar
Gedenktag evangelisch: 21. Januar (ELCA)
Gedenktag orthodox: 21. Januar
Gedenktag armenisch: 9. Juli
Name bedeutet: die Reine (griech.)
Märtyrerin
* in Rom
† 258/259 oder 304 (?) daselbst

Keine der jungfräulichen Märtyrerinnen genoss schon früh solche Verehrung wie Agnes. Schon der Märtyrerkalender von 354 und Ambrosius von Mailand berichteten erste Züge ihrer Legende.

Diese betont die Schönheit und Glaubenssicherheit der zwölfjährigen Agnes. Der Werbung des Sohnes des Stadtpräfekten trat die vornehme Römerin ablehnend gegenüber mit der Begründung, sie sei schon verlobt. Mehrfache Nachfrage des Jünglings beantwortete sie schließlich damit, ihr Verlobter sei Jesus Christus. Agnes wurde nun vor Gericht gestellt, aber alle Vorstellungen, Bitten und Drohungen des Richters konnten ihre Standhaftigkeit nicht erschüttern. Da befahl er, sie nackt auszuziehen und zur Prostitution zu zwingen. Aber ihre langen Locken umhüllten sie wie ein dichter Mantel, ein Engel brachte ihr ein Lichtgewand, von dem das ganze Haus durchstrahlt wurde.

Der Sohn des Präfekten suchte sie dann mit seinen Gesellen im Bordell auf, geblendet wichen sie zurück; er selbst fiel, vom bösen Geist erwürgt, tot um, als er Agnes berühren wollte. Durch ihr Gebet ins Leben zurückgerufen, ließ er sie als Zauberin denunzieren. Der Präfekt wagte weder, sie zu retten, noch sie zu verurteilen, ging außer Landes und überließ sie einem anderen Richter. Dieser ließ sie im Stadion des Domitian in ein großes Feuer werfen, aber die Flammen wichen vor ihr zurück. Da befahl er, dass man ein Schwert durch ihre Kehle stoße. Sie wurde also getötet, wie dies mit Lämmern geschah; deshalb wird sie zusammen mit einem Lamm dargestellt, dem Symbol des Opfertodes Christi. Tatsächlich stammt der Zusammenhang von Agnes und dem Lamm wohl aus der Verballhornung ihres Namens: Agna bedeutet lateinisch Lamm. Als Ort des Martyriums gilt der Circus Agonalis, das Stadion von Kaiser Domitian. Über dieser Stätte erhebt sich heute die Basilika Sant' Agnese in Agone an der Piazza Navona.

Eltern und Freunde begruben Agnes in einer heute nach ihr benannten Katakombe an der Via Nomentana und hielten die Totenwacht. In der achten Nacht sahen sie einen Reigen schöner Jungfrauen, in ihrer Mitte Agnes in goldenem Kleid, den Ring ihres Verlöbnisses mit Christus am Finger, ein weißes Lamm zu ihrer Rechten, das Lamm, auf das Johannes der Täufer und die Apokalypse hinwiesen.

Basilica di Sant' Agnese fuori le mura

Basilika Sant' Agnese fuori le mura

Agnes wird schon seit dem 4. Jahrhundert als Märtyrerin verehrt. Um 350 wurde über ihrem Grab eine von Konstantia gestiftete Kirche erbaut; sie stand unmittelbar neben dem Mausoleum der Kaisertochter. Die heutige Kirche Sant' Agnese fuori le mura an etwas anderer Stelle geht auf einen Bau zurück, der im 7. Jahrhundert von Papst Honorius erneuert wurde und seitdem unverändert ist. Dort werden auf ihrem Altar jedes Jahr an ihrem Festtag zwei Schafe geweiht, aus deren Wolle das Pallium hergestellt und vom Papst an die Erzbischöfe als Insignie ihrer Rechtsprechung überreicht wird.

Attribute: Lamm, langes Haar, Schwert
Patronin der Jungfrauen, Verlobten, Kinder, Blumenbinder und Gärtner; der Keuschheit
Bauernregeln: Scheint zu Agnes die Sonne / wird später die Ernte zur Wonne!
Die Agnessonne / hat weder Kraft noch Wonne.
Sonnenschein am Agnestag, / die Frucht wurmstichig werden mag.
Zieh'n Wolken am Agnestag über den Grund, / bleibt die Ernte stets gesund.
Wenn St. Agnes gekommen, / wird neuer Saft im Baum vernommen.

Catholic Encyclopedia


Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München, 2001
• Hiltgard L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Reclam, Ditzingen 1984
• Otto Wimmer, Hartmann Melzer: Lexikon der Namen und Heiligen, bearb. u. erg. von Josef Gelmi. Tyrolia, Innsbruck, 1988
• CD Microsoft Encarta Enzyklopädie 1998
• http://www.newadvent.org/cathen/01214a.htm
• Prof. Helmut Bouzek aus Wien XIII, E-Mail vom 28. Februar 2005
• http://www.bauernregeln.net/januar.html
• http://www.kath.net/detail.php?id=29823
• Friedrich-Wilhelm Bautz. In: Friedrich-Wilhelm Bautz (Hg.): Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon, Bd. I, Hamm 1990
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