Ökumenisches Heiligenlexikon

Alfred der Große
angelsächsischer Name: Ælfred

Gedenktag katholisch: 26. Oktober

Gedenktag anglikanisch: 26. Oktober

Name bedeutet: von Elfen/Naturgeistern beraten (altenglisch/althochdt.)

König der (West-)Angelsachsen
* um 848 in Wantage in der Grafschaft Berkshire in England
† 26. Oktober 899 in Winchester (?) in England

Kartenskizze

Ælfred, fünfter Sohn des Königs Æthelwulf von Wessex und seiner ersten Frau Osburg, wurde schon als Fünfjähriger von Papst Leo IV. in Rom zum König gesalbt. Zwei Jahre später kam er mit seinem Vater wieder nach Rom. Den Thron als König von Wessex bestieg er nach dem Tod seines Vaters und seines Bruders Ethelred im Jahr 871. Wessex war das mächtigste der vier englischen Königreiche, er konnte sein Reich Wessex verteidigen und Teile Merciens unter seine Oherhoheit zu bringen. Verzweifelt kämpfte er gegen die andrängenden Dänen und Normannen, die die Hälfte der Dörfer und Städte, der Kirchen und Klöster schon in Schutt und Asche gelegt hatten. 878 zwang ihn ein überraschender Angriff der Dänen zur Flucht nach Athelney.

Ælfred sammelte nun Truppen und besiegte die Dänen bei Edington. Sein unterlegener Gegner, der dänische König Guthrum, ließ sich taufen und zog sich nach Ostanglien zurück. Ælfred ließ nun Befestigungswerke anlegen und richtete die erste englische Flotte ein, womit er 885 eine normannische Flotte, die Rochester angriff, zurückschlagen konnte; er gilt deshalb als Vater der englischen Marine. 886 entriss er den Dänen 886 den wichtigen Handelsplatz London. In einem Vertrag mit Guthrum um 886 trat Ælfred auf als Führer des ganzen englischen Volkes, auch als Schirmherr der Engländer unter dänischer Herrschaft; mit diesem Vertrag wurden die Grenzen seines Herrschaftsgebietes festgelegt. Æthelred, der Fürst von Mercien, wurde sein Schwiegersohn und Stellvertreter und übernahm nach der Besetzung Londons dort die Herrschaft. Auch 893 - 896 konnte er sich zusammen mit westsächsischen und mercischen Truppen erfolgreich gegen die Dänen verteidigen, 896/97 die Normannen endgültig besiegen.

Die alte angelsächsische Kultur und Kirche verdanken Ælfred ihre Entfaltung. Er verbesserte die wirtschaftlichen Verhältnisse des Landes, gründete Schulen, baute die zerstörten Kirchen, Klöster und Städte wieder auf und war ein Förderer von Wissenschaft und Bildung, indem er lateinische Schriften übersetzen ließ und auch selbst übersetzte. In Athelney und Winchester gründete er neue Klöster. Er rief Gelehrte aus dem Frankenreich, so den Benediktiner Grimbald von St-Bertin an die Schule von Oxford und seinen späteren Biographen, den Benediktiner Asser von St David's in Wales, an seinen Hof; auf seine Initiative hin gründete er die Hofschule.

Ælfred selbst übersetzte die Regula pastoralis curae, ein Lehrbuch für Prediger von Gregor dem Großen, dazu das erste Buch der Soliloquia, der Vorgängerschrift zu den Confessiones von Augustinus und die Consolatio Philosophiae von Boethius. Lange wurden auch die Spruchsammlung Proverbs of Ælfred und die Übersetzung der Historia ecclesiastica gentis Anglorum, der angelsächsischen Kirchengeschichte des Beda Venerabilis, ihm zugeschrieben. Das domboc, die bekannteste angelsächsische Gesetzessammlung, in der er die Gesetze von Kent, Mercien und Wessex sammelte und neue hinzufügte, wurde von ihm angeregt - aus ihr wuchs das spätere Common Law.

Schon bald nach seinem Tod wurde Ælfred verehrt; den Beinamen der Große bekam er wohl erst im 16. Jahrhundert verliehen - nach seinem Vorbild, Kaiser Karl dem Großen.

Kanonisation: Ælfred wurde nie offiziell kanonisiert, er wird in England aber als einer der größten Heiligen verehrt.

Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon

Catholic Encyclopedia


Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München, 2001
• Erhard Gorys: Lexikon der Heiligen. dtv, München, 1997
• Otto Wimmer, Hartmann Melzer: Lexikon der Namen und Heiligen, bearb. u. erg. von Josef Gelmi. Tyrolia, Innsbruck, 1988
• Charlotte Bretscher-Gisinger, Thomas Meier (Hg.): Lexikon des Mittelalters. CD-ROM-Ausgabe. J.B. Metzler, Stuttgart/Weimar 2000
• John Lentzsch, E-Mail vom 3. Mai 2007
• Friedrich-Wilhelm Bautz. In: Friedrich-Wilhelm Bautz (Hg.): Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon, Bd. I, Hamm 1990
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