Flaccus
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Medaillon aus der Bamberger
Bibel, 9. Jahrhundert, in der Bibliothèque Nationale de France in Paris

Alkuin, Sohn einer Adelsfamilie, wurde an der Domschule in York unter den Erzbischöfen Egbert und Ælbert erzogen. Er war dann selbst dort Lehrer und wurde 767 Ælberts Nachfolger als Schulleiter der damals berühmtesten Bildungsstätte Englands; die Bibliothek in York war wohl die umfangreichste des Abendlandes. Während einer Romreise traf er 781 in Parma mit Karl dem Großen zusammen, der ihn nach Aachen holte als Leiter der Hofschule, für die er die reiche angelsächsische christlich-lateinische Bildung fruchtbar machen sollte. Alkuin wurde der Mittelpunkt einer Schar bedeutender Gelehrter und Dichter am Hof und Berater des Königs insbesondere in Fragen der Eingliederung unterworfener Völker in sein Reich und deren Christianisierung. Von Aachen aus wirkte er als Lehrer und Gelehrter im ganzen Reich, an der Hofschule gehörten zu seinen Schülern Angilibert, Adalhard, Hrabanus Maurus und Einhard.
Alkuin erzog als Lehrer die geistliche Führungsschicht des Frankenreiches,
darunter seinen Lieblingsschüler Hrabanus
Maurus. Er reformierte durch die Einführung von Schriftschulen
sowie
mit zahlreichen grammatischen, dialektischen und theologischen Texten das
klösterliche Bildungswesen im Frankenreich und wurde so Vater der
Karolingischen Renaissance
. Unter seiner Anleitung verbesserten die Schreiber
der Hofschule alte christliche Schriften und Texte antiker Autoren, die durch
das Abschreiben in den Klöstern fehlerhaft geworden waren. Eine Reihe moderner
Editionen klassischer Texte beruhen noch heute auf diesen Abschriften. Wichtig
wurde darunter die Alkuin-Bibel, eine Bereinigung der Vulgata des Hieronymus;
diese korrigierte Fassung blieb das ganze Mittelalter hindurch der verbindliche
Bibeltext.
Seite aus der Züricher Alkuinbibel, um 800, aus der Dia-Sammlung von Fritz
Milkau, Institut für Bibliothekswissenschaft an der Humboldt Universität in
Berlin

Nach Aufenthalten in England im Jahr 786 sowie von 789 bis 793 wurde Alkuin 796 - obwohl selbst kein Mönch, sondern nur mit der Weihe eines Diakons versehen - Abt der Benediktinerabtei von St. Martin in Tours. Alkuin belebte das mönchische Leben und führte insbesondere die Klosterschule zu weltweiten Ruf.
Alkuin verfasste liturgische Schriften, Heiligenviten, ein Epos über die
Heiligen der Kirche von York
und überarbeitete die Lebensgeschichten von Vedastus
und Richarius von
Centula. Aus seiner Feder stammen außerdem didaktische Schriften wie eine
Grammatik in Form eines Lehrdialogs, Lehrbücher der Dialektik und Rhetorik, dazu
Bibelkommentare und zahlreiche Briefe. Unter seinem Namen sind 383 Gedichte
erhalten, darunter viele Briefgedichte, die die starke menschliche
Bindungsfähigkeit des Alkuins offenbaren, und eine Versfassung der
Lebensgeschichte von Willibrord.
Aus seinem Briefwechsel mit Karl
dem Großen sind 232 Briefe erhalten, die eine der wichtigsten
Quellen für die Geschichte jener Zeit darstellen. Möglich ist, dass Alkuin
auch der Verfasser einer anonymen Sammlung mathematischer Aufgaben aus
Arithmetik und Geometrie ist; die Propositiones ad acuendos iuvenes
sind die älteste mathematische Aufgabensammlung in lateinischer Sprache.
Unter Alkuins Leitung entstand die neue Schrift, genannt karolingische
Minuskel
, mit vielen Elementen lateinischer Handschrift, vom 9. bis zum 12.
Jahrhundert die meistverwendete Buch- und Urkundenschrift im westlichen Europa
und Vorläuferin unserer heutigen Kleinbuchstaben. Wichtiges Zeugnis hierfür ist
die Alkuinbibel
, die er Karl dem
Großen anlässlich von dessen Kaiserkrönung 800 in Rom
übergab.
Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon