Ökumenisches Heiligenlexikon

Altmann von Passau

Gedenktag katholisch: 8. August
gebotener Gedenktag im Bistum Passau
und im Orden der Augustiner-Chorherren: 9. August
nicht gebotener Gedenktag im Bistum Wien, Linz und St. Pölten: 7. August

Name bedeutet: edler Mann (althochdt.)

Bischof von Passau
* um 1015 in Westfalen in Nordrhein-Westfalen
† 8. August 1091 in Zeiselmauer, heute Teilort von Zeiselmauer-Wolfpassing bei Wien in Österreich

Kartenskizze Kartenskizze Kartenskizze

Altmann stammte aus einem Adelsgeschlecht, war Schüler in Paderborn, studierte in Paris und an anderen europäischen Universitäten und wurde Lehrer an der Domschule in Paderborn. Um 1051 wurde er Stiftspropst in Aachen, dann Hofkaplan bei Kaiser Heinrich III. in Goslar. Nach dessen Tod 1056 begleitete er die Witwe Agnes nach Passau. 1064 nahm er an der großen deutschen Wallfahrt ins Heilige Land teil. 1065 wurde er auf Wunsch der Kaiserin Agnes Bischof von Passau. Als einer von wenigen deutschen Bischöfe unterstützte er die Reformen von Papst Gregor VII. zur Abschaffung der Laieninvestitur und - unter teilweise tumultuartigem Widerspruch des Klerus - zur Durchsetzung des Zölibats.

Nachdem Altmann 1077 im Investiturstreit die Absetzung von Kaiser Heinrich IV. unterstützt hatte, zerbrach sein zunächst gutes Verhältnis zum Kaiser. Altmann blieb schon der Wormser Versammlung von 1076 fern und nahm als päpstlicher Legat an den Verhandlungen der Fürstenopposition in Ulm und Tribur - dem heutigen Trebur bei Groß-Gerau - teil; 1077 befand er sich im Gefolge des Gegenkönigs Rudolf von Schwaben. Anfang 1078 wurde Passau von Heinrich IV. besetzt, Altmann musste fliehen und fand Zuflucht in dem von ihm 1070 gestifteten Kloster Göttweig im österreichischen Teil der Diözese Passau. Er trat 1079 auf der Fastensynode in Rom gegen Heinrich auf, blieb anscheinend ein Jahr lang in Rom und wurde auf der Fastensynode 1080 von Gregor VII. zum ständigen päpstlichen Vikar in Deutschland bestellt; dabei wirkte er mit Wilhelm von Hirsau im Sinne der Reformen von HirsauDie Reformen von Hirsau gingen im 11. / 12. Jahrhundert aus vom Benediktinerkloster Hirsau im Schwarzwald. Sie nahmen die Reformen von Cluny auf, ohne aber deren Orientierung auf das zentrale Mutterkloster zu übernehmen. Das Ziel der von Abt Wilhelm verfassten „Consuetudines Hirsaugienses” war die strenge Lebensweise der Mönche wie in Cluny im Hinlick auf Tagesablauf und Liturgie sowie die Organisation der Klostergemeinschaft. Die Rechte der Bischöfe und Vögte wurden - entgegen den ursprünglichen Zielen - nicht eingeschränkt. zusammen und versuchte 1080 - vergeblich - in Konstanz einen Gegenbischof einzusetzen.

Stift Göttweig heute

Stift Göttweig heute

Altmann kehrte 1081 nach Passau zurück, sein Einfluss blieb aber auf den Ostteil seiner Diözese beschränkt, wo ihn Markgraf Leopold II. von Österreich unterstützte. Im selben Jahr wirkte er mit bei der Wahl des Gegenkönigs Hermann von Luxemburg. 1085 setzten die kaisertreuen Bischöfe ihn formell als Bischof ab, er musste Gegenbischof Hermann von Eppenstein weichen, beharrte aber auf seinem Anspruch und amtierte bis zu seinem Tod in Göttweig. Hier weihte er 1083 das Augustinerchorherrenstift, wo er dann auch bestattet wurde. Sein Reformwerk kam nur im von Herzog Welf I. von Bayern gegründeten, ab 1085 von Mönchen aus St. Nikola in Passau und aus St. Pölten besiedelten Kloster Rottenbuch in Bayern zu stetiger Entfaltung. Weiheakte in Lambach 1089 und in Salzburg 1090 sind die letzten Nachrichten.

Kanonisation: Altmann wurde schon bald als Heiliger verehrt, jedoch nicht kanonisiert. Die Billigung des Kultes erfolgte 1300 durch Papst Bonifatius VIII. und 1496 durch Papst Alexander VI.. Das Martyrologium Romanum von 2001/2004 nennt ihn heilig.

Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon


Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Erhard Gorys: Lexikon der Heiligen. dtv, München, 1997
• Hiltgard L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Reclam, Ditzingen 1984
• Charlotte Bretscher-Gisinger, Thomas Meier (Hg.): Lexikon des Mittelalters. CD-ROM-Ausgabe. J.B. Metzler, Stuttgart/Weimar 2000
• Friedrich Wilhelm Bautz. In: Friedrich-Wilhelm Bautz (Hg.): Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon, Bd. I, Hamm 1990
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