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Filippino Lippi: Maria mit Antonius und
einem Franziskanerbruder (Ausschnitt), vor 1480, Museum der Schönen Künste
in Budapest

Fernando Martim de Bulhões e Taveira Azevedo wurde als Sohn einer begüterten Adelsfamilie geboren. Mit 15 Jahren wurde er Augustiner-Chorherr im Kloster São Vicente de Fora in Lissabon, studierte in Lissabon und nach zwei Jahren dann in Coimbra, erhielt eine gründliche wissenschaftliche Bildung und wurde dann zum Priester geweiht. Erschüttert durch das Erlebnis der Bestattung der Gebeine der fünf marokkanischen Märtyrer reifte sein Entschluss, sich den Franziskanern anzuschließen; 1220 trat er in Coimbra ins Kloster Santo Antonio Olivares ein und nahm den Ordensnamen Antonius an.
1220 ging Antonius selbst nach Marokko, wurde aber durch Krankheit zur Heimkehr gezwungen, wobei ein Sturm ihn nach Sizilien verschlug. Er ging nach Assisi und lebte dann längere Zeit in der Einsiedelei auf dem Monte Paulo bei Forlì. 1221 nahm er am Generalkapitel seines Ordens teil und erlebte die Versammlung mit 3000 Ordensbrüdern und Franziskus persönlich; dabei wurde seine Begabung als Redner entdeckt. Gratian, der Ordensprovinzial der Romagna, beauftragte ihn 1222 bis 1224 in Rimini und Mailand mit dem Kampf gegen die Katharer Als eindrücklicher Bußprediger wirkte er in Oberitalien und Südfrankreich, die letzten Jahre seines Lebens in Padua. Seine franziskanische Armut verlieh seinen Reden Glaubwürdigkeit, seine enorme Bibelvertrautheit verschaffte ihm Bewunderung.
Sebastiano Conca (1680 - 1764): Antonius predigt den Fischen, in der Basilika Santa Cristina in Bolsena

Die Legende berichtet von Antonius' ans Wunderbare grenzender Begabung, sich
fremden Völkern bei einem Konzil in Rom
nur durch den Schwung seiner Rede verständlich zu machen. Zu den bekanntesten
seiner Legenden gehört die Predigt am Ufer von Rimini:
die Einwohner wollten ihn nicht hören, aber die Fische versammelten sich und
streckten ihre Köpfe aus dem Wasser; dieses Wunder habe fast die ganze
Bevölkerung der Stadt bekehrt. Als jemand - in mancher Überlieferung ein
Katharer - die Gegenwart Christi
im Sakrament der EucharistieEucharistie - von griechisch „ευχαριστειν, Dank sagen” - vergegenwärtigt das heilvolle Sterben Jesu Christi.
Die Römisch-Katholische, die Orthodoxe und die Anglikanische Kirche nennen diese Mahlfeier im Anschluss an 1. Korintherbrief 11, 24 Eucharistie, die Evangelischen Kirchen sprechen von „Abendmahl” im Anschluss an Markusevangelium 14, 17 und 1. Korintherbrief 11, 23.
bezweifelte, ließ Antonius einen Maulesel bringen, der drei Tage nichts zu
Fressen bekommen hatte; das Tier fiel, ohne das gereichte Futter zu
berühren, vor Antonius nieder, weil der ihm mit der Hostie entgegentrat.
Papst Gregor IX. nannte ihn, als er ihm zuhörte, Schatztruhe der
Heiligen Schrift
.
Von Oberitalien führte Antonius' Weg in die zweite Hochburg der von der
katholischen Kirche Abtrünnigen, nach Südfrankreich. Er stand den
Ordensgemeinschaften der Franziskaner in
Le
Puy und Limoges
als Guardian vor. Auch hier wirkte seine Predigt und die Kraft seines Wortes in
den Jahren 1224 bis 1227 im Kampf gegen die Albigenser
und die Waldenser so überzeugend, dass
man ihn den Hammer der Ketzer
nannte.
Jan Oldrich Mayer: Statue auf der Karlsbrücke in Prag, 1707
1227 bis 1230 war Antonius wieder als Bußprediger in Oberitalien tätig, zugleich wurde er Ordensprovinzial in der Romagna mit Sitz in Padua. Franziskus ernannte ihn zum Lektor der Theologie für die Minderen Brüder des Ordens an der Universität in Bologna, Antonius führte nun die Theologie von Augustinus in den Franziskanerorden ein. Seine Fastenpredigten in Padua 1231 hatten sensationellen Erfolg, keine Kirche war groß genug, er musste ins Freie ausweichen, die Überlieferung berichtet von bis zu 30.000 Zuhörern. Die ganze Region schien wie umgewandelt: Schulden wurden erlassen, zerstrittene Familien versöhnten sich, Diebe gaben das gestohlene Gut zurück, Dirnen kehrten ins ehrbare Leben zurück, unrechtmäßige und überhöhte Zinsen wurden den Schuldnern zurückerstattet. Ein junger Mann aus Padua, der seiner eigenen Mutter einen Fußtritt verpasst hatte, war der Überlieferung nach von Antonius' Predigt so ergriffen, dass er sich zur Buße sein Bein mit einem Beil abhackte; Antonius aber fühgte es wundersamerweise wieder an. 1230 legte er, entkräftet von den anstrengenden Reisen, seine Ämter nieder, und lebte auf einem Nussbaum auf dem Landgut Camposampiero bei Padua. In seiner letzten Lebensphase wurde er von den Klarissen im Kloster Arcella in Padua gepflegt, wo er starb.
Antonius' Patronat für verlorene Sachen geht zurück auf die Überlieferung,
dass ein junger Mönch den Psalter des Antonius ohne dessen Erlaubnis mitnahm.
Daraufhin wurde er von Erscheinungen heimgesucht, so dass er das Buch
schleunigst zurückbrachte. Das Attribut Jesuskind
geht auf eine Legende zurück,
nach der ein Graf - nach spätere Überlieferung sein Förder Graf Tiso von
Camposampiero - als Gastgeber des Heiligen, diesen nachts aufsuchte, um sich nach
seinem Befinden zu erkundigen. Aus der Kammer des Heiligen drang ein so heller
Lichtschein, dass der Graf einen Brand vermutete und erschrocken die Tür aufriss.
Er fand Antonius lächelnd vor, in seinen Armen das strahlende Jesuskind haltend.
Der Augenzeuge durfte erst nach dem Tode des Heiligen von diesem Geschehnis
berichten.
Brüder von Limburg: Antonius stillt einen Sturm. Buchmalerei Belles Heures de
Duc du Berry
,
1408/09, im Metropolitan Museum of Art in New
York 
Antonius wurde zunächst in S. Maria Maggiore in Padua beigesetzt. 1263 wurden seine Gebeine in Anwesenheit von Johannes Bonaventura erhoben und in die zu seinen Ehren neu gebaute und ihm geweihte Basilika in Padua übertragen. Nach Deutschland kamen Reliquien 1330 nach München in die Franziskanerkirche und 1350 nach Erfurt in die Kirche St. Peter.
1732 sei Antonius den Türken, die 1708 die Stadt Oran in Algerien von den Spaniern erobert hatten, erschienen in der Uniform eines Admirals, woraufhin diese die Flucht vor den anrückenden Spaniern ergriffen. Oran blieb nun 60 Jahre in spanischem Besitz, Antonius ist Patron auch in Kriegsnöten.
Antonius ist wohl der im katholischen Kirchenvolk bekannteste und beliebteste
Heilige, er übertraf ab dem 16. Jahrhundert seinen Ordensvater Franziskus
und seinen Namenspatron Antonius in der
Verehrung des Volkes. An seinem Grab ereigneten sich so viele Wunder, dass Bonaventura
meinte: Suchst du Wundertaten, gehe zu Antonius!
Die Basilika in Padua
ist eine der meistbesuchten Wallfahrtsstätten.
Es gibt aber auch sonst kaum eine römisch-katholische Kirche auf der Welt, die
nicht einen Altar, ein Gemälde, ein Fresko oder eine Statue besitzt, die dem
Heiligen geweiht ist. Verbreitet ist im deutschsprachigen Raum das Gebet im Hinblick
auf Antonius' Patronat als Helfer zum Wiederfinden verlorener Sachen: Heiliger
Antonius, du kreuzbraver Mann, führ mich dahin, wo (..., z.B.
. Ab dem 16. Jahrhundert erlebten mein Schlüssel
)
sein kann!Antoniusbruderschaften
ihre Blüte. Allein in Österreich sind Antonius mindestens 115 Kirchen und Kapellen
geweiht.
Bartolomé Esteban Murillo:
Antonius mit dem Jesuskind
(Ausschnitt), 1670, in der Gemäldegalerie in Berlin 
Antonius wurde an einem Dienstag bestattet, dabei seien die ersten Wunder geschahen.
Deshalb sind seit dem 17. Jahrhundert die Antonius-Dienstage
beliebt, es
werden Andachten abgehalten. Bitten, die an neun Dienstagen hintereinander vorgetragen
werden, sollen größere Aussicht auf Erfolg haben; der Brauch geht auf die Legende
zurück, nach der eine kinderlos gebliebene Adelige sich in Bologna
an Antonius wandte, indem sie vor seinem Bild betete. In der folgenden Nacht erschien
er ihr im Traum und sagte: Besuche an neun Dienstagen mein Bild in der
Franziskanerkirche, dann findest du Erhörung.
Nach den neun Dienstagen war die Frau schwanger, gebar aber schließlich ein
völlig missgestaltetes Kind. Enttäuscht legte sie es auf den Antonius-Altar.
Und während sie den Heiligen anflehte, verwandelte es sich in ein liebliches Baby.
Zunächst wurde Antonius als Franziskaner mit einem Buch dargestellt, das Buch soll auf seine Bibelkenntnis und sein Predigtamt hinweisen. Ab der Mitte des 14. Jahrhunderts kam eine Flamme dazu, Zeichen seiner flammenden Gottesliebe, ab Mitte des 15. Jahrhunderts ein flammendes Herz; dieses ersetzte die Lilie, das Symbol der Reinheit. Seit dem 16. Jahrhundert wird Antonius mit dem Jesuskind dargestellt. Der spanische Maler Murillo bevorzugte dieses Motiv, das dann ab dem 17. Jahrhundert auch außerhalb Italiens Verbreitung fand und seitdem das charakteristische Attribut darstellt. Manchmal steht der Jesusknabe auf einer Bibel, die von Antonius gehalten wird, als Symbol für das geschriebene und fleischgewordene Wort Gottes.
Marchas Populares in Lissabon im Jahr 2003
Am Fest des Heiligen Antonius steht besonders seine Heimatstadt Lissabon
Kopf. Am Vorabend des 13. Juni gibt es die feierliche Trauung von 16 Paaren in
der Kathedrale Sé, in der Antonius 1195 getauft worden sein soll. Die
Stadtverwaltung richtet die Hochzeit aus, spendiert alles vom Lippenstift über
den Brautstrauß bis zur Familienfeier; um in den Genuss der subventionierten
Hochzeit zu kommen, müssen sich die Paare einer strengen Prüfung unterziehen.
Wenig später ist dann in allen Stadtvierteln Feierstimmung angesagt. Auf der
Avenida da Liberdade, dem breiten Prachtboulevard der Stadt, ertönt ab 20 Uhr
Trommelwirbel und es beginnt ein Feuerwerk der Fantasie: in einem endlosen Strom
ziehen Fußgruppen, Sänger, Tänzer, Fahnenschwenker, Trommler und Bläser an
Tribünen vorbei mit einer Parade - als Marchas Populares
bekannt -, die ein
Wettstreit der Stadtteile ist, für den jedes Viertel eine eigene Formation
stellt mit selbst entworfenen Kostümen, eigenen Tänzen eigenen Liedern - Ähnlich
dem Karneval in Rio. Ausgetragen wurden die Marchas Populares in Lissabon
erstmals 1932, als Juden, zugewanderte Marokkaner und Schwarzafrikaner noch
eigene Stadtteile bewohnten und am Tag des Heiligen Antonius ihre kulturelle
Vielfalt demonstrierten, es gibt sie inzwischen auch in vielen anderen Städten
in Portugal.
Antonius' Grab in der nach ihm benannten Basilika in Padua
Kanonisation:
Bereits elf Monate nach seinem Tod sprach Gregor IX. Antonius - aufgrund des stürmischen
Verlangens des Volkes, das ihn gleich nach seinem Tod als großen Wundertäter
verehrte -, nach dem bis dahin und bis heute kürzesten Kanonisierungsprozess
der Kirchengeschichte am 30. Mai 1232 in Spoleto
heilig, nachdem zuvor schon 47 Wunder dokumentiert wurden. 1946 wurde er von
Papst Pius XII. zum Kirchenlehrer
ernannt, obwohl er nur einige Predigtmanuskripte hinterließ.
Attribute:
mit dem Jesuskind, mit Fischen, mit Esel, Flamme in seiner Hand, Hostie, MonstranzEine Monstranz ist ein in der katholischen Kirche benütztes, meist kostbar mit Gold und Edelsteinen gestaltetes Schaustück, in dem eine geweihte Hostie gezeigt wird. Monstranzen gibt es seit dem 13. Jahrhundert, die Hostie in ihr wird verehrt und oft bei Prozessionen vorangetragen.
Verlustist hier nicht auf Gegenstände bezogen, sondern auf die Geschäftsbilanz. Eine - angeblich historisch verbürgte - Geschichte aus dem 17. Jahrhundert:
Einem Wunder der Welt / Außbund der Tugend /
Schutzherrn der Stadt Padua; Lehrern deß Welschlands /
Trost deß Heils / Schrecken der Teufel;
Einem Herrn und Erfindern der verlohrnen Dingen;
Seinem vilmögenden Liebreichen / Allergnädigsten Patron,
und Fürsprecher bey GOTT Sich und die Seinigen befileht /
aufopffert / und widmet zu ewigen Zeiten
Johannes Kauffmann.
Patron
von Padua,
Lissabon,
Paderborn,
Hildesheim;
der Armen und Sozialarbeiter, der Liebenden und der Ehe, der Frauen und Kinder,
der Bäcker, Bergleute, Schweinehirten und Reisenden, der Pferde und Esel; gegen
Unfruchtbarkeit, teuflische Mächte, Fieber, Pest und Viehkrankheiten; bei
Schiffbruch und in Kriegsnöten; für Wiederauffinden verlorener Gegenstände, gute
Entbindung und eine gute Ernte
Bauernregel:
Wenn an Anton gut Wetter lacht / St. Peter
viel Wasser macht.
Antoni, / vergiss den Lein nie!
Andachtsbild aus Einsiedeln, um 1890
Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon
Das
schöne, leicht frivole Gedicht Der
heilige Antonius - letzte Versuchung
von Wilhelm Busch gibt es einschließlich
der Zeichnungen bei gutenberg.de, ebenso Der
heilige Antonius - Die Wallfahrt
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