Ökumenisches Heiligenlexikon

Antonius von Padua

Gedenktag katholisch: 13. Juni
     geb. Gedenktag
     Fest in Portugal
     Fest im Franziskaner- und im Kapuzinerorden
     Übertragung der Gebeine: 15. Februar
Name bedeutet: der vorne Stehende (latein.: aus dem Geschlecht der Antonier)
Mönch, Kirchenlehrer
* um 1195 in Lissabon in Portugal
† 13. Juni 1231 in Padua in Italien
Kartenskizze

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Kartenskizze

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Fernando Martim de Bulhões e Taveira Azevedo wurde in Lissabon als Sohn einer begüterten Adelsfamilie geboren. Mit 16 Jahren wurde er Augustiner-Chorherr im Kloster St. Vinzenz nahe Lissabon, studierte in Lissabon und später in Coimbra und wurde dann zum Priester geweiht. Erschüttert durch das Erlebnis der Bestattung der Gebeine der fünf marokkanischen Märtyrer reifte sein Entschluss, sich den Franziskanern anzuschließen; 1220 trat er ins Kloster der Minderbrüder des Ordens, San Antonius Olivares in Coimbra, ein und nahm den Namen Antonius an.

1220 ging Antonius selbst nach Marokko, wurde aber durch Krankheit zur Heimkehr gezwungen, wobei ein Sturm ihn nach Sizilien verschlug. So nahm er 1221 in Assisi am Generalkapitel seines Ordens teil, dabei wurde seine Begabung als Redner entdeckt. Gratian, der Ordensprovinzial der Romagna, beauftragte ihn 1222 bis 1224 in Rimini und Mailand mit dem Kampf gegen die Katharer und dann in Südrankreich gegen die Albigenser. Seine franziskanische Armut verlieh seinen Reden Glaubwürdigkeit, seine enorme Bibelvertrautheit verschaffte ihm Bewunderung.

Sebastiano Conca (1680 - 1764): Antonius predigt den Fischen, in der Basilika Santa Cristina in Bolsena

Sebastiano Conca (1680 - 1764): Antonius predigt den Fischen, in der Basilika Santa Cristina in Bolsena   

Die Legende berichtet von Antonius' ans Wunderbare grenzenden Begabung, sich fremden Völkern bei einem Konzil in Rom nur durch den Schwung seiner Rede verständlich zu machen. Zu den bekanntesten seiner Legenden gehört die Predigt am Ufer von Rimini: die Einwohner wollten ihn nicht hören, aber die Fische versammelten sich und streckten ihre Köpfe aus dem Wasser; dieses Wunder habe fast die ganze Bevölkerung der Stadt bekehrt. Als jemand die Gegenwart Christi im Sakrament der EucharistieEucharistie - von griechisch ευχαριστειν, "Dank sagen" - vergegenwärtigt das heilvolle Sterben Jesu Christi. Die Römisch-Katholische, die Orthodoxe und die Anglikanische Kirche nennen die Mahlfeier im Anschluss an 1. Kor 11, 24 Eucharistie, die Evangelischen Kirchen sprechen von "Abendmahl" im Anschluss an Mark 14, 17 und 1. Kor 11, 23. bezweifelte, ließ Antonius einen Maulesel bringen, der drei Tage nichts zu Fressen bekommen hatte; das Tier fiel, ohne das gereichte Futter zu berühren, vor Antonius nieder, weil der ihm mit der Hostie entgegentrat. Papst Gregor IX. nannte ihn, als er ihm zuhörte, Schatztruhe der Heiligen Schrift.

Von Oberitalien führte Antonius' Weg in die zweite Hochburg der von der katholischen Kirche Abtrünnigen, nach Südfrankreich. Er stand den Ordensgemeinschaften der Franziskaner in Le Puy und Limoges als Guardian vor. Auch hier wirkte seine Predigt und die Kraft seines Wortes in den Jahren 1224 bis 1227 im Kampf gegen die Albigenser und die Waldenser so überzeugend, dass man ihn den Hammer der Ketzer nannte.

1227 bis 1230 war Antonius wieder als Bußprediger in Oberitalien tätig, zugleich wurde er Ordensprovinzial in der Emilia Romagna mit Sitz in Padua. Franziskus ernannte ihn zum Lektor der Theologie für die Minderen Brüder des Ordens an der Universität in Bologna, Antonius führte nun die Theologie von Augustinus in den Franziskanerorden ein. 1230 legte er, entkräftet von den anstrengenden Reisen, seine Ämter nieder, und lebte auf einem Nussbaum auf dem Landgut Camposampiero bei Padua. Seine Fastenpredigten in Padua 1231 hatten sensationellen Erfolg, keine Kirche war groß genug, er musste ins Freie ausweichen. Die ganze Region schien wie umgewandelt: Schulden wurden erlassen, zerstrittene Familien versöhnten sich, Diebe gaben das gestohlene Gut zurück, Dirnen kehrten ins ehrbare Leben zurück, unrechtmäßige und überhöhte Zinsen wurden den Schuldnern zurückerstattet.

Antonius' Patronat für verlorene Sachen geht zurück auf die Überlieferung, dass ein junger Mönch den Psalter des Antonius ohne dessen Erlaubnis mitnahm. Daraufhin wurde er von Erscheinungen heimgesucht, so dass er das Buch schleunigst zurückbrachte. Das Attribut Jesuskind geht auf eine Legende zurück, nach der ein Graf, Gastgeber des Heiligen, diesen nachts aufsuchte, um sich nach seinem Befinden zu erkundigen. Aus der Kammer des Heiligen drang ein so heller Lichtschein, dass der Graf einen Brand vermutete und erschrocken die Tür aufriss. Er fand Antonius lächelnd vor, in seinen Armen das strahlende Jesuskind haltend. Der Augenzeuge durfte erst nach dem Tode des Heiligen von diesem Geschehnis berichten.

Antonius starb 1231 bei den Klosterfrauen von Arcella in Padua Er wurde zunächst in S. Maria Maggiore in Padua beigesetzt. 1263 wurden seine Gebeine in Anwesenheit von Johannes Bonaventura erhoben und in die neue, ihm geweihte Basilika in Padua übertragen. Nach Deutschland kamen Reliquien 1330 nach München in die Franziskanerkirche und 1350 nach Erfurt in die Kirche St. Peter.

Antonius ist wohl der im katholischen Kirchenvolk bekannteste und beliebteste Heilige. In Padua wurde Antonius zu Ehren die Basilika S. Antonio als Grabkirche errichtet, seine Gebeine wurden 1236 hierher überführt. An seinem Grab ereigneten sich in der Folge so viele Wunder, dass Bonaventura meinte: Suchst du Wundertaten, gehe zu Antonius! Die Basilika in Padua ist eine der meistbesuchten Wallfahrtsstätten. Es gibt aber auch sonst kaum eine römisch-katholische Kirche auf der Welt, die nicht einen Altar, ein Gemälde, ein Fresko oder eine Statue besitzt, die dem Heiligen geweiht ist. Verbreitet ist im deutschsprachigen Raum das Gebet im Hinblick auf Antonius' Patronat als Helfer zum Wiederfinden verlorener Sachen: Heiliger Antonius, du kreuzbraver Mann, führ mich dahin, wo (die verlorene Sache, z.B. 'mein Schlüssel') sein kann!

Marchas Populares im Jahr 2003

Marchas Populares im Jahr 2003

Am Fest des Heiligen Antonius steht besonders seine Heimatstadt Lissabon Kopf. Am Vorabend des 13. Juni gibt es die feierliche Trauung von 16 Paaren in der Kathedrale Sé, in der Antonius 1195 getauft worden sein soll. Die Stadtverwaltung richtet die Hochzeit aus, spendiert alles vom Lippenstift über den Brautstrauß bis zur Familienfeier; um in den Genuss der subventionierten Hochzeit zu kommen, müssen sich die Paare einer strengen Prüfung unterziehen. Wenig später ist dann in allen Stadtvierteln Feierstimmung angesagt. Auf der Avenida da Liberdade, dem breiten Prachtboulevard der Stadt, ertönt ab 20 Uhr Trommelwirbel und es beginnt ein Feuerwerk der Fantasie: in einem endlosen Strom ziehen Fußgruppen, Sänger, Tänzer, Fahnenschwenker, Trommler und Bläser an Tribünen vorbei mit einer Parade - als Marchas Populares bekannt -, die ein Wettstreit der Stadtteile ist, für den jedes Viertel eine eigene Formation stellt mit selbst entworfenen Kostümen, eigenen Tänzen eigenen Liedern - Ähnlich dem Karneval in Rio. Ausgetragen wurden die Marchas Populares in Lissabon erstmals 1932, als Juden, zugewanderte Marokkaner und Schwarzafrikaner noch eigene Stadtteile bewohnten und am Tag des Heiligen Antonius ihre kulturelle Vielfalt demonstrierten, es gibt sie inzwischen auch in vielen anderen Städten in Portugal.

Kanonisation: Bereits elf Monate nach seinem Tod sprach Gregor IX. nach dem bis dahin kürzesten Kanonisie­rungsprozess der Kir­chengeschichte Anto­nius in Spoleto heilig. 1946 wurde er von Papst Pius XII. zum Kirchenlehrer ernannt, obwohl er nur einige Predigtmanuskripte hinterließ.
Attribute: mit dem Jesuskind, mit Fischen, mit Esel, Flamme in seiner Hand
Patron von Padua, Lissabon, Paderborn, Hildesheim; der Armen und Sozialarbeiter, der Liebenden und der Ehe, der Frauen und Kinder, der Bäcker, Bergleute, Schweinehirten und Reisenden, der Pferde und Esel; gegen Unfruchtbarkeit, teuflische Mächte, Fieber, Pest und Viehkrankheiten; bei Schiffbruch und in Kriegsnöten; für Wiederauffinden verlorener Gegenstände, gute Entbindung und eine gute Ernte
Bauernregel: Wenn an Anton gut Wetter lacht / St. Peter viel Wasser macht.
Antoni, / vergiss den Lein nie!

Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon

Das schöne, leicht frivole Gedicht Der heilige Antonius - letzte Versuchung von Wilhelm Busch gibt es einschließlich der Zeichnungen bei gutenberg.de, ebenso Der heilige Antonius - Die Wallfahrt.

Biographisch- Bibliographisches Kirchenlexikon


Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Erhard Gorys: Lexikon der Heiligen. dtv, München 1997
• Hiltgard L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Reclam, Ditzingen 1984
• Microsoft Encarta 98 Enzyklopädie
• http://www.bauernregeln.net/juni.html
• Charlotte Bretscher-Gisinger, Thomas Meier (Hg.): Lexikon des Mittelalters. CD-ROM-Ausgabe J.B. Metzler, Stuttgart/Weimar 2000
• http://www.gemeinden-in-berlin.de/public_html/gemeinden/vgh/2002/rubriken/hdm/heiliger0602_vgh.html
• http://www.abendblatt.de/daten/2008/05/24/885305.html?s=2
• C. S., Brief vom 22. Juni 2008
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