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August Hermann Francke studierte Theologie und wurde 1684 als Professor für
die hebräische Sprache nach Leipzig
gerufen. Philipp Jakob
Speners Schrift Pia desideria
veranlasste ihn, mit Freunden ein Kolleg für
Bibellektüre zu gründen. Sein zunehmendes Engagement für den Pietismus
schaffte ihm Feinde, er musste Leipzig verlassen, ging nach Erfurt
und wurde auch hier aus der Stadt verwiesen. Auf Einladung Speners kam er 1692
als Pastor nach Glaucha,
- heute ein Stadtteil von Halle -, wo er sich um Waisen und um verwahrloste
Familien mit ihren unversorgten Kindern kümmerte. 1695 gründete er mit 7 Gulden,
die eine begüterte Frau gespendet hatte, eine Armenschule in einem Pfarrhaus, in
der ein armer Student die Kinder unterrichtete. Noch im selben Jahr legte er den
Grundstein für ein Waisenhaus, indem er Waisen bei sich selbst aufnahm und
unterrichtete; als sich herausstellte, dass einige dieser Kinder sehr begabt
waren, unterrichtete er sie in Sprachen und Wissenschaften und legte so die
Wurzel seiner Lateinschule.
Franckes Arbeit fand schnell Anklang und Zulauf auch im Bürgertum,
christlich-pietistische Gönner gasben ihm weitere Mittel, so dass er zwei Häuser
kaufen konnte. Es entstanden in kurzer Zeit ein Internat, eine Lateinschule, ein
Lehrerseminar und weitere Einrichtungen in Halle:
die Francke'schen Anstalten
. 1698 wurde mit dem Bau der neuen Anstalt, den
späteren Franckeschen Stiftungen
begonnen; neben den Schulanstalten entstanden
eine Buchdruckerei und eine Buchhandlung sowie eine Apotheke, die viel Geld
einbrachten, das wiederum in die Stiftungen floss. 1702 gründete er die
ostindische Mission, die 1705 Bartholomäus
Ziegenbalg als ersten Missionar aussandte. Das von ihm gegründete Collegium
orientale theologicum
sollte eine Brücke zu den orientalischen Kirchen schlagen.
Auch die Canstein'sche Bibelanstalt zur Verbeitung preisgünstiger Bibeln ist
sein Werk.
Dreißig Jahren nach der Gründung der Anstalten wurden dort 2200 Kinder von 167 Lehrern unterichtet, 154 Waisenkinder versorgt, 250 Studenten ein Freitisch gewährt. Nach fast 250 Jahren hob die damalige Provinz Sachsen 1946 die Selbstständigkeit der Anstalten auf, die Gebäude verfielen. Erst 1992, nach der Wende in der DDR, konnten die Stiftungen wiedergegründet werden.
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon
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