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Lukas Cranach der Ältere:
Martyrium der Heiligen Barbara, 1510-15, im Metropolitan Museum of Art in New
York ![]()
Barbara war vielleicht Märtyrerin unter Galerius Valerius Maximinus, genannt Daja. Sie ist aber eine historisch eher unwahrscheinliche Figur, dennoch eine der bekanntesten christlichen Heiligen.
Ausführlich berichten die Legenden von Barbaras Schönheit und ihrem scharfen Verstand. Eines Tages habe sie ihre Eltern gefragt, ob die Götter Menschen gewesen seien und warum man diese und nicht eine unsterbliche Gottheit anbete. Sie richtete in einem Brief ihre Fragen an Origines, der ihr als der gelehrteste Weise von Alexandria genannt war. Durch den Priester Valentinus schickte er ihr die Antwort. Barbara bezeichnete den Besucher als Arzt, damit ihr Vater den Besuch zuließ; Valentinus belehrte und taufte sie.
Nach anderen Fassungen der Legende wurde Barbara von ihrem heidnischen Vater, dem reichen Dioskuros von Nikomedia - dem heutigen Ízmit in der Türkei -, in einen Turm geschlossen, weil er auf seine bildschöne und verführerisch junge Tochter eifersüchtig war und sie am Heiraten hindern wollte. Während der Vater auf Reisen war, ließ Barbara sich taufen: vom Heiligen Geist erleuchtet, sei sie in ein heidnisches Opferbecken gestiegen und habe die Taufe durch Johannes den Täufer, der ihr erschien, erhalten.
Noch anders wird erzählt und teilweise dargestellt, dass Barbara den Vater um den Bau eines Bades gebeten habe. Nachdem sie nicht die vom Vater angeordneten zwei Fenster, sondern drei als Zeichen der Dreieinigkeit habe anbringen lassen, ein Kreuz mit der Hand in den noch feuchten Putz gedrückt und ein kostbares Kreuz auf den Sockel eines gestürzten Götterbildes gestellt habe, empfing sie im Bad ihres luxuriös eingerichteten Turmes die Taufe. Als ihr Vater von einer Reise zurückkehrte, stellte er sie - empört über den veränderten Bau - zur Rede; sie offenbarte sich ihm nun als Christin. Der Vater wollte sie deswegen erschlagen lassen, aber auf wunderbare Weise fand sie einen Weg aus dem Turm, floh und fand Unterschlupf bei einem Hirten. Der verriet den nach Barbara suchenden Häschern ihren Aufenthaltsort in einer Höhle und wurde dafür zur Strafe von Gott in einen Mistkäfer verwandelt - nach anderer Überlieferung wurde er zu Stein und seine Schafe zu Heuschrecken.
Jan van Eyck: Heilige Barbara, 1437, im Musée Royal des Beaux-Arts in Antwerpen
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Barbara wurde von ihrem Vater dem römischen Statthalter Marcianus ausgeliefert,
doch auch ihm gelang es nicht, sie zur Entsagung ihres Glaubens zu bewegen,
obwohl er sie geißeln ließ; Barbara sprach von den Geißeln als ob es
Pfauenfedern gewesen seien
; nachts erschien ihr dann Christus
im Gefängnis, um ihre Wunden zu heilen. Der erbitterte Statthalter ließ Barbara
mit Keulen schlagen, ihr die Brüste abschneiden, sie mit Fackeln brennen.
Dann wurde sie vor Gericht gestellt und verurteilt, sich nackt auf dem Markt den
Blicken der Leute preiszugeben; auf ihr Gebet hin wurde sie aber mit Wolken und
Nebel bedeckt. Daraufhin sollte sie enthauptet werden; der rachsüchtige Vater
selbst hat das Urteil vollstreckt, gleich darauf traf ihn ein Blitzschlag und er
verbrannte.
Die Barbara-Legende entstand wohl im 7. Jahrhundert im byzantinischen Ram. Das früheste Zeugnis für ihre Verehrung im Abendland bilden der Eintrag im Martyrologium Romanum um 700 und ein Pfeilerfresko von 705/706 in der Kirche S. Maria Antiqua in Rom. Reliquien kamen angeblich um 1000 nach Venedig und von dort auf die Insel Torcello, eine Beinreliquie auch nach Vodnjan in Kroatien. Als Patronin und Grubenname im Bergbau taucht Barbara in Sachsen, Schlesien und Böhmen sowie Tirol seit dem frühen 14. Jahrhundert auf; die weitere Verehrung im Alpenraum stammt aus dem 17. / 18 Jahrhundert.
Aufgrund des Blitzschlag gegen ihren Vater wurde Barbara mit dem Blitz in Verbindung gebracht, bei Stürmen werden Gebete an sie gerichtet. Aus demselben Grund ist sie die Schutzheilige der Artillerie. Ihr Bildnis wurde früher häufig auf Waffenlagern und Pulvermagazinen aufgestellt; der Pulverlagerraum eines französischen Kriegsschiffes wird noch heute als Sainte-Barbe bezeichnet. Als Vaterstadt wird auch Catania auf Sizilien genannt; auch Barbara soll - wie Agatha - einen Ätna-Ausbruch von der Stadt abgewendet haben; sie wird deshalb auch dort besonders verehrt.
Als eine der 14 Nothelfer
wird Barbara besonders zum Schutz vor jähem Tod und als Beistand der Sterbenden
angerufen, ihr Gebet um Sündenvergebung für alle Christen sei ihr durch eine
Stimme vom Himmel bestätigt worden. In Deutschland ist sie eines der drei
Heiligen Madl'n oder - auch
zusammen mit Dorothea - der Virgines
capitales
, der vorzüglichen Jungfrauen
.
Zahlreiche Volksbräuche zeigen ihre Beliebtheit: Zweige werden an ihrem
Gedenktag als Barbarazweige
von Apfel- oder Kirschbäumen abgeschnitten und ins
Wasser gestellt; blühen sie am Weihnachtsfest, dann wird das als gutes Zeichen
für die Zukunft gewertet. Dieses Brauchtum soll auf Barbaras Gefangenschaft
zurückgehen: sie habe einen verdorrten Kirschbaumzweig mit Tropfen aus ihrem
Trinknapf benetzt; in den letzten Tagen ihres Lebens, schon im im Bewusstsein
ihres Todesurteils, fand sie Trost darin, dass der Zweig in ihrer Zelle blühte.
Tatsächlich sind die Zweige ein alter Orakelbrauch: wenn man vor Wintereinbruch
das Vieh von den Weiden in die Stallungen trieb, nahm man solche Zweige von den
Bäumen mit, zu Weihnachten schloss man aus der Anzahl der Blüten auf die
Fruchtbarkeit des darauffolgenden Jahres. Allgemein verheißen Blüten Glück, der
trockene Zweig hingegen Unglück. Wenn Frauen den Namen ihres Angebeteten in
einen Zweig ritzen, bedeutet das Erblühen, dass der Mann auch sie liebt oder
dass im folgenden Jahr eine Hochzeit ansteht. In Wien
und Niederösterreich
wird gleich ein ganzer Familien-Strauß, in dem jeder Zweig mit einem Namen
gekennzeichnet ist, genau beobachtet: Wessen Zweig als erster blüht, der
wird der Glücklichste.
Symbolisch stehen die aufgeblühten Zweige für Christus,
den Spross aus der Wurzel Jesse
:
Wenn die Knospe die enge Hülle sprengt, erwacht der Gläubige durch die Geburt des
Erlösers zu neuem Leben.
In Altbayern, Schwaben
und im protestantischen Franken waren Babarazweige
Vorläufer des Weihnachtsbaums; eine fränkische Chronik von 1795 berichtet: Die
Gewohnheit, am Barbaratage Bäume in die Stube zustellen,um solche am
Weihnachtsabend, zur Freude der Kinder, als ein Christgeschenk, mit allerlei
Zuckerwaren und anderem zu behängen, oder nach allgemeiner Sprache zu putzen,ist
meines Wissens noch in ganz Franken gebräuchlich. Die gewöhnliche Art der Bäume
zu diesem Gebrauche sind Weichsel und wilde Kirschbäume, auch jungen Tannen- und
Fichtenbäume bei geringen Leuten, die sich solche selbst holen
- der Tannenbaum
ist demnach also ein Arme-Leute-Baum! Im Allgäu hat sich Bärbeletreiben
als
Tradition entwickelt: am Barbaratag verkleiden sich junge, unverheiratete Frauen
als alte Weiber und ziehen mit lauten Glocken und Reisig-Ruten durch die Dörfer,
um das Schmutzige und Unanständige zu vertreiben.
niederländisches Gemälde: Barbara und Katharina
von Alexandria, wohl zwischen 1500 und 1550, im Louvre in Paris
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Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Barbara-Tag vor allem im Rheinland zum
Tag der Geschenke; am Vorabend stellten sie einen Schuh auf, der dann mit
Schokolade, Gebäck, Äpfeln und anderen Naschereien gefüllt war. Mit diesem
Geschenktag, der bis in die 1960er Jahre vor allem im Köln-Bonner Raum und am
Niederrhein
bekannt war, begann die weihnachtliche Geschenke-Zeit, die mit dem
Nikolaus eine Steigerung und
dem Heiligen Abend ihren Höhepunkt
erreichte. In manchen Gegenden des Rheinlandes wurde Barbara auch zur
Begleiterin des Nikolaus und gilt von daher als Gabenbringerin
.
Die Knappen im Bergwerk erhielten am Barbaratag das vor Unheil schützende
Barbaralicht
. An Bergbauorten findet noch heute am Barbaratag oder dem Sonntag
danach oft eine Parade der Bergleute in alten Trachten statt. Bei den meisten
Geologischen Landesämtern und in Geologischen
Instituten wird Anfang Dezember eine Barbarafeier abgehalten. Im Rheinland
ist Barbara die Begleiterin des Nikolaus
und beschert die Kinder. Der Tag von Barbara war ab 1969 wie andere Gedenktage
von rein legendarischen Gestalten nicht mehr im Festkalender der katholischen
Kirche aufgeführt, wurde aber 1972 wegen ihrer verbreiteten Verehrung in den
Regionalkalender für das deutsche Sprachgebiet und 2001 wieder ins Martyrologium
Romanum aufgenommen.
Barbara-GedichtSo beteten und sangen die Kinder, während die Väter unter Tage Kohle und Bodenschätze aus der Tiefe holten oder einen Tunnel durch das Gestein wühlten: Lieber Gott, ich fleh zu dir,
Sankt Barbara, bei Tag und Nacht,
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russische Ikone aus Tver,
15. Jahrhundert ![]()
Attribute:
Turm mit drei Fenstern, Kelch und Hostie, Kanonenrohr, Fackel
Patronin
des Bergbaus, der Türme, Festungsbauten und der Artillerie; der Bergleute,
Geologen, Architekten, Maurer, Steinhauer, Zimmerleute, Dachdecker, Elektriker,
Bauern, Metzger, Köche, Glöckner, Glockengießer, Feuerwehrleute, Totengräber,
Hutmacher, Artilleristen und Waffenschmiede; der Mädchen
, Gefangenen, Sterbenden;
für eine gute Todesstunde; gegen Gewitter, Feuersgefahren, Fieber, Pest und
jähen Tod
Bauernregeln:
Nach Barbara geht's frosten an, / kommt's früher, ist nicht wohlgetan.
Geht Barbara im Klee, / kommt's Christkind
im Schnee.
Geht St. Barbara in Grün, / kommt's Christkindel
in Weiß.
St. Barbara mit Schnee, / im nächsten Jahr viel Klee.
Barbara im weißen Kleid, / verkündet gute Sommerzeit.
Sankt Barbara kalt und mit Schnee / verspricht viel Korn auf jeder Höh'.
Knospen an St. Barbara, sind zum Christfest
Blüten da.
Zweige schneiden zu St. Barbara, / Blüten sind bis Weihnachten da.
Auf Barbara die Sonne weicht, / auf Lucia
sie wiederum herschleicht.
- So vor der gregorianischen
Kalenderreform, als der Luciatag der kürzeste des Jahres war; aktualisiert:
Auf Barbara die Sonne weicht, / auf Agatha
sie wiederum herschleicht.
Martyrologium Romanum Flori-Legium
Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon
Biographisch- Bibliographisches Kirchenlexikon