Ökumenisches Heiligenlexikon

Bartholomäus de Las Casas
spanischer Name: Bartolomé

Gedenktag evangelisch: 31. Juli (EKD)
                                                 17. Juli (ELCA)
Gedenktag anglikanisch: 20. Juli
Name bedeutet: Sohn des Furchenziehers (hebr.)
Bischof von Chiapas, Ordensmann
* 1474 in Sevilla in Spanien
† 31 (oder 17.) Juli 1566 in Madrid in Spanien
Kartenskizze
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Kartenskizze
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Der in Salamanca auf der Lateinschule ausgebildete Bartolomé de Las Casas kam 1502 in die südamerikanischen Kolonien; schon sein Vater, ein Kaufmann, hatte an der zweiten Amerikafahrt von Kolumbus teilgenommen. Auf der Westindischen Insel Hispaniola - der heutigen Dominikanischen Republik - wurde er als Berater des Gouverneurs tätig und bekam nach der Teilnahme an mehreren Feldzügen gegen die einheimischen eine eigene Encomienda zugeteilt. Las Casas behandelte seine Indios als Menschen, obwohl auch er sie als seine Sklaven betrachtete. 1510 ließ er sich bei den Dominikanern in Santo Domingo - nach anderen Angaben schon 1506 in Rom - zum Priester weihen und wurde so der erste in der Neuen Welt geweihte Priester.

1511 begleitete Las Casas eine Expedition nach Kuba. Dort wurde der Indianerhäuptling Hatuey wegen seines Widerstandes gegen die Kolonisatoren zum Tod verurteilt; Las Casas wollte ihn vor dem Gang zum Scharfrichter noch zum Christentum bekehren, was Hatuey ablehnte, weil Las Casas ihm auf seine Frage antworten musste, dass es auch im Himmel Weiße gebe. Dieses Erlebnis machte ihm kar, wie das Walten der Kolonisatoren auf die Einheimischen wirkte; er erkannte, dass seine Aufgabe die Rettung und Befreiung der Indios sei. 1514 hatte er an Pfingsten die Predigt zu halten; beeindruckt von der Bibelstelle Jesus Sirach 34, 24 - 27 - den Nächsten mordet, wer ihm den Unterhalt nimmt, Blut vergießt, wer dem Arbeiter den Lohn vorenthält) und unter dem Einfluss der Dominikaner, die die Behandlung der Indio-Sklaven kritisierten, prangerte er die Kolonialpraxis der Spanier als großes Unrecht und schwere Sünde an. Er entließ die Sklaven auf seinem Besitz und forderte mit seiner Predigt auf, seinem Beispiel zu folgen.

1515 fuhr Las Casas nach Spanien, dort erreichte er nach dem Tod von König Ferdinand beim Regenten, dem Erzbischof von Toledo, eine Reform der Gesetze über die Indianer. Las Casas wurde zum Prokurator der Indios in Westindien ernannt mit der Aufgabe, zwischen den Interessen der Kolonisatoren und der Indios zu vermitteln und Vorschläge für neue Gesetze auszuarbeiten. 1520 erhielt er die Erlaubnis, eine modellhafte Kolonie nach seinen Vorstellungen in Venezuela einzurichten, was aber wegen der Eroberung durch eine andere Expedition 1522 scheiterte. Er trat 1523 in den Dominikanerorden ein und wirkte als Priester auch in Mexico, Nicaragua, Peru and Guatemala. Ab 1524 verfasste er seine dreibändige Geschichte der Indianer - erstmals erst 1875, aber seitdem immer wieder veröffentlicht - und den Bericht über die Kolonisation mit dem Titel Die Tränen der Indianer. In langen Briefen nach Spanien klagte er ab 1531 die Praxis der Kolonisatoren an. Papst Paul III. anerkannte 1537 in seiner Bulle Sublimis Deus das volle Menschsein der Indianer.

Im heutigen Costa Rica betrieb Las Casas im Zusammenwirken mit anderen Dominikanern Missionsarbeit nach seinen Vorstellungen. 1539 wurde er wegen Hochverrats angeklagt, weil nach seiner Predigt die meisten Soldaten sich geweigert hatten, an einer Versklavungsaktion gegen Indios mitzuwirken. Er musste nach Spanien zurückkehren; hier verfasste er 1541 den berühmt gewordenen kurzgefassten Bericht von der Verwüstung der westindischen Länder - das Buch war noch im 20. Jahrhundert unter General Franco in Spanien verboten.

Titel der 1552 in Sevilla gedruckten Ausgabe des 'kurzgefassten berichts von der verwüstung westindischen länder', in der Bibliothek der Universidad Iberoamericana in Mexico-City

Titel der 1552 in Sevilla gedruckten Ausgabe des kurzgefassten Berichts von der Verwüstung der westindischen Länder, in der Bibliothek der Universidad Iberoamericana in Mexico-City   

1542 wurde unter Kaiser Karl V. ein gesetzlicher Schutz der Indianer in allen neu eroberten Gebieten zum Gesetz, sie wurden zu freien Untertanen erklärt. 1544 - mit 70 Jahren - wurde Las Casas Bischof von Chiapas, in seiner Diözese setzte er die neuen Schutzgesetze mit aller Strenge durch. Die spanischen Landbesitzer verleumdeten ihn deshalb in Madrid, aber Las Casas behielt zunächst das Vertrauen des Kaisers. 1545 widerrief Kaiser Karl V. aber die neuen Gesetze, der Widerstand gegen Las Casas wuchs; ein Rat von Bischöfen sollte ihn nun unterstützen, wurde aber mehr und mehr zur Opposition gegen den Indiofreund. 1547 kehrte er nach Spanien zurück und lebte im Dominikanerkloster Santa María de Atocha in Madrid; bei der Regierung machte er sich immer wieder für die Rechte der Indianer stark, mit weiteren Schriften warb Las Casas weiter für die Belange der Indios.

Las Casas' Einsatz für die Rechte der Indianer wirkt bis heute nach; er wird deshalb auch als Vater der Befreiungstheologie bezeichnet.

Catholic Encyclopedia

Unter dem Titel Der Verteidiger der Indianer - Bartolomé de Las Casas hat Dr. Hans-Theo Weyhofen,Studiendirektor für kath. Religion und Wirtschaftsinformatik an der BOS-Wirtschaft München, eine Biografie mit ausführlichen Zitaten aus Las Casas' Schriften ins Netzt gestellt.

Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon





Quellen:


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