Ökumenisches Heiligenlexikon

Benedikt (Benedetto) von Nursia

Gedenktag katholisch: 11. Juli
     geb. Gedenktag
     Fest in Europa
     Hochfest im Benediktiner-, Trappisten- und Zisterzienserorden
     Todestag: 21. März - Benediktiner- und Zisterzienserorden,
     geb. Gedenktag im Trappistenorden
     Widmung des Klosters Montecassino: 1. Oktober
Gedenktag evangelisch: 11. Juli
Gedenktag anglikanisch: 11. Juli
Gedenktag orthodox: 14. März
Gedenktag armenisch: 21. März
Gedenktag malabrisch: 21. März
Name bedeutet: der Gesegnete (latein.)
Ordensgründer, Abt auf dem Montecassino
Vater des abendländischen Mönchtums

* um 480 in Nursia, dem heutigen Norcia in Italien
† 21. März 547 (oder gegen 560 [?]) auf Kloster Montecassino in Italien
Kartenskizze

Benedetto wurde mit seiner Zwillingsschwester Scholastika als Sohn einer vornehmen Familie geboren und schon als Knabe mit seiner Amme nach Rom zur Ausbildung geschickt, wo er auch studierte. Aus der an Legenden reichen Lebensbeschreibung von Gregor I. stammt die Erzählung, dass der Amme das Mehlsieb zerbrach, als sie ihm in eine Stätte innerer Besinnung gefolgt war; sein Gebet trug dazu bei, dass sie es wieder zusammensetzen konnte.

Entsetzt vom Leben in der Stadt, das von Verfall gekennzeichnet war - der Kaiserhof war bereits nach Konstantinopel umgezogen, kirchlich, politisch, wirtschaftlich, kulturell und auch moralisch lag Rom darnieder - schloss Benedetto sich einer asketischen Gemeinschaft in Enfide - dem heutigen Affile - in den Sabiner Bergen nahe Rom an, dann zog er sich in eine unbewohnte Gegend im Aniotal nahe Subiaco zurück. Hier lebte er drei Jahre völlig einsam in einer Höhle, die später Heilige Grotte genannt wurde. Täglich ließ ihm der Mönch Romanus aus einem benachbarten Kloster Vicovaro an einem Seil ein Brot herab, eine Glocke am Seil gab dazu das Zeichen. Auf diese warf der Teufel eines Tages einen Stein, worauf sie zerbrach. Benedetto bestand auch die weiteren Versuchungen und Plagen des Bösen, der ihm als schwarzer Vogel und als schöne Jungfrau erschien, indem er sich in Dornen wälzte.

Benedettos Ruf als Heiliger wuchs, viele Menschen kamen, um ihn zu sehen. Die Mönche von Vicovaro bei Tivoli luden ihn ein und wählten ihn zum Abt ihrer Gemeinschaft. Als sich die Mönche nicht mit seinen Regeln einverstanden erklärten, versuchten sie ihn zu vergiften. Doch das Gift entwich nach der Legende als Schlange aus dem Kelch, den sie ihm reichten, und das Gefäß zerbrach, als er das Kreuzzeichen darüber machte.

Benedetto verließ die Gruppe und kehrte ins Aniotal als Vorsteher in einer Eremitengemeinschaft in Subiaco zurück. Er führte eine Ordnung nach den Vorschriften von Pachomius ein: in rund einem Dutzend kleiner Klöster lebten je zwölf Mönche - die Monasteri di S. Benedetto und di S. Scholastica gibt es noch heute. Wieder, so berichtet die Überlieferung, sollte er durch vergiftetes Brot beseitigt werden, aber sein Rabe trug es fort. Nach einem Besuch bei seiner Schwester Scholastika schaute er ihren Tod und, wie ihre Seele als Taube gen Himmel fliegt.

Kloster Montecassino

Kloster Montecassino   

Mit einigen der Mönche zog er - der Überlieferung nach im Jahr 529 - nach Subiaco und fand auf einem Berg über Casinum, auf dem noch eine heidnische Kultstätte bestand, - dem heutigen Montecassino - neue Unterkunft. Sein Ruf und die Unsicherheit in den Tälern infolge durchziehender Barbarenhorden brachte der Gemeinschaft großen Zulauf. Er verfasste nun - um 540 - seine berühmte, bis heutige gültige Regula Benedicti, die grundlegende Regel aller sich von da aus über das ganze Abendland ausbreitenden Klöster des Benediktinerordens mit dem Wahlspruch Ora et labora, bete und arbeite. Sie macht auch seine persönlichen Wesenszüge kenntlich: Streben nach Ordnung, Gottes- und Nächstenliebe, Bereitsein zu Nachsicht mit den Schwachen und pastorale Sorge. Der Überlieferung nach besuchte ihn 542 oder 546 Gotenkönig Totila, dem er seinen Tod vorausgesagt habe; Totila fiel tatsächlich 552 bei Tagina. Benedettos Gebet bewirkte, dass Bruder Maurus trockenen Fußes über Wasser gehen konnte, um den ertrinkenden Placidus zu retten.

Benedettos Klosterregeln stellen in den Mittelpunkt: das Leben in der Gemeinschaft und körperliche Arbeit. Diese Regeln haben das gesamte abendländische Klosterleben organisiert und belebt. Den Mönchen ist jeglicher Besitz untersagt, die Mahlzeiten werden gemeinsam eingenommen, unnötige Gespräche vermieden. Gebet und Arbeit - ora et lobora, dazu der Gehorsam: das waren und das sind bis heute im von ihm gegründeten Benediktinerorden die tragenden Säulen des Zusammenlebens. Durch die Verbindung von meditativem, kontemplativem Anliegen mit aktiven, produktiven Elementen hat Benedetto eine der abendländischen Mentalität gemäße Form mönchischer Frömmigkeit gefunden.

Benedikt als Gesetzgeber für den Orden. Federzeichnung aus dem Ottobeurer Codex der Benediktiner aus dem 12. Jahrhundert, heute in der Württembergischen Landesbibliothek

Benedikt als Gesetzgeber für den Orden. Federzeichnung aus dem Ottobeurer Codex der Benediktiner aus dem 12. Jahrhundert, heute in der Württembergischen Landesbibliothek in Stuttgart   

Benedettos Ordensregeln waren auch eine Antwort auf die sich auflösende spätantike Gesellschaft: in die Unruhe und Auflösungstendenzen jener Zeit brachte er ein Prinzip ein, das dem Zeitgeist widersprach und das gerade deshalb dauerhaft wurde: die Beständigkeit, ein Innehalten in der Zeit der Völkerwanderungen. Dazu kam, dass in den Köstern alle Menschen aufgenommen wurden und als gleich galten; der Unterschied zwischen zivilisierten Römern und barbarischen Germanen war aufgehoben. Benedetto war Pragmatiker, aber seine Regel wurde zum Modell einer zukünftigen Gesellschaft: nachdem nicht nur die Römer und Griechen, sondern auch die Germanen getauft waren, sollten die Menschen brüderlich miteinander umgehen und zusammen leben - und das Kloster dafür das Modell sein.

Einen großen Teil seiner Zeit widmete Benedetto den Nöten der einheimischen Bevölkerung, er verteilte Almosen und Nahrung an die Armen. Heilungen und Totenerweckungen werden berichtet. Benedetto starb der Überlieferung nach am Gründonnerstag 547 während eines Gebets am Altar der Kirche im Kloster Montecassino; seine Brüder sahen, wie er von Engeln auf teppichbelegter, lichterfüllter Straße gen Himmel getragen wurde. Nach neuerer Forschung starb er um das Jahr 560.

589 gab es in Rom das erste Benediktinerkloster beim Lateranspalast, 590 wurde mit Gregor dem Großen erstmals ein Benediktiner Papst. Im 6. Jahrhundert missionierten Benediktiner in England, im 7. Jahrhundert kam ihre Klosterregel nach Frankreich. Benedettos Verehrung ist erstmals im 7. Jahrhundert bei Willibrord nachweisbar.

Benedetto wurde auf dem Montecassino begraben. Aus dem schon von den Langobarden zerstörten Kloster wurden angeblich Benedettos Gebeine am 11. Juli 673 (oder 703) in die Benediktinerabtei Fleury - dem heutigen St-Benoît-sur-Loire - bei Orléans gebracht, wo sie noch heute verehrt werden; diese alte Tradition dürfte nicht haltbar sein. Reliquien liegen auch in Einsiedeln, Benediktbeuren und Metten in Niederbayern. Benediktbeuren wurde ein wichtiger Wallfahrtsort und ein Zentrum der Verehrung des Ordensgründers. Eine Kapelle in Norcia kann besichtigt werden als das umgebaute Wohnzimmer, in dem Benedikt geboren wurde. Im Frühjahr 1944 kamen bei Kämpfen zwischen der deutschen Wehrmacht und den auf Rom vorrückenden Alliierten im Lauf von vier Monaten mehr als 70.000 Soldaten ums Leben; nach der dritten Zerstörung von Montecassino durch das Bombardement durch die Alliierten soll das Doppelgrab von Benedetto und seiner Schwester Scholastika wieder entdeckt worden sein; ab 1944 wurde das völlig zerstörte Kloster wieder aufgebaut, nachdem ein Offizier der deutschen Wehrmacht noch vor dem Bombardement Pläne und die wertvollsten Kunstschätze der Abtei in Sicherheit nach Rom in den Vatikan gebracht hatte.

Aretino Spinello: Geschichten aus der Legende von Benedikt. Fresko in der Kirche S. Miniato al Monte in Florenz, 1387

Aretino Spinello: Geschichten aus der Legende von Benedikt. Fresko in der Kirche S. Miniato al Monte in Florenz, 1387   

Benedetto wird als Vater des abendländischen Mönchtum bezeichnet und trägt Titel wie der letzte Römer, Vater des Abendlandes, Vater Europas. 1964 wurde er von Papst Paul VI. zum Patron Europas ernannt.

Als Benediktuspfennig wurde im 18 Jahrhundert in Wien eine Medaille geprägt, die vor der Pest schützen sollte. Schon zuvor war eine solche Medaille als Amulett gegen Krankheit und Gefahr in Österreich und der Schweiz, in Süddeutschland, dem Rheinland und in Böhmen im Gebrauch; auf der Vorderseite ist Benedikt dargestellt, auf der Rückseite das Benediktuskreuz mit dem Benediktussegen, einer Beschwörungsformel gegen den Teufel.

Attribute: mit zersprungenem Becher oder Kelch, aus dem eine kleine Schlange entweicht; Regelbuch, Pelikan, Rabe, Dornen, Kugel
Patron des Abendlandes und von Europa; der Schulkinder und Lehrer; der Bergleute, Höhlenforscher, Kupferschmiede, der Sterbenden; gegen Pest, Fieber, Entzündungen, Nieren- und Gallensteine, Vergiftung und Zauberei
Bauernregeln (für den 21. März): Willst Du Gersten, Erbsen, Zwiebeln dick, / so säe an St. Benedikt.
Auf St.Benedikt achte wohl, / dass man Hafer säen soll.
St.Benedikt / macht die Möhren dick.
Sankt Benedikt / den Garten schmückt.
Der Benedikt leitet deine Hand, / säest du mit ihm die Frucht in's Land.
Soll das Korn gar üppig stehen, / so soll man es an St. Benedikt säen.

Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon

Catholic Encyclopedia
Catholic Encyclopedia: Ordensregeln

Benedikts Mönchsregel auf Deutsch gibt es in der Bibliothek der Kirchenväter der Université Fribourg.

Papst Gregor der Große verfasste die Vier Bücher der Dialoge über die Wunder der italischen Väter; das zweite Buch beschreibt Leben und Wunder des ehrwürdigen Abtes Benedikt; Sie können es in deutscher Übersetzung online lesen auf den Seiten der Benediktiner im Kloster Ettal.

Eine sehr schöne Seite über die Geschichte des Klosters Montecassino, über Benedikt, über das Kloster heute und sein Museum sowie hilfreiche touristische Hinweise hat die Abtei Montecassino in deutscher Sprache sowie in Italienisch, Englisch, Französisch, Spanisch und auf Lateinisch.

Biographisch- Bibliographisches Kirchenlexikon


Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Erhard Gorys: Lexikon der Heiligen. dtv, München 1997
• Hiltgard L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Reclam, Ditzingen 1984
• Microsoft Encarta 98 Enzyklopädie
• http://www.frauenwoerth.de/Oblaten/body_oblaten.html
• http://www.bauernregeln.net/maerz.html
• Charlotte Bretscher-Gisinger, Thomas Meier (Hg.): Lexikon des Mittelalters. CD-ROM-Ausgabe J.B. Metzler, Stuttgart/Weimar 2000
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