Gedenktag katholisch: 20. Mai
nicht gebotener Gedenktag
gebotener Gedenktag im Franziskaner- und im Kapuzinerorden"
Übertragung der Gebeine: 17. Mai
Name bedeutet: der Bärenstarke (althochdt.)
Vincenzo Foppa: Bernhardin, vor 1500, National Gallery of Art in Washington

Bernhardin entstammte der adligen Sieneser Familie der Albizzeschi, er war der Sohn des Tollo di Dino di Bando und der Nera di Bindo degli Avveduti. Nach dem frühen Tod seiner Eltern wurde er von seiner Tante Diana bis 1391 in Massa Marittima aufgezogen und kam dann zu seinem Onkel Cristoforo degli Albizzeschi nach Siena; hier studierte er kanonisches Recht, blieb aber ohne Abschluss. Beim Ausbruch der Pest von 1397 pflegte er Kranke, dann trat er 1402 den Franziskaner-Minoriten bei. Noch vor seiner Priesterweihe im Jahr 1404 trat er zu den Franziskaner-Observanten - dem radikaleren Zweig der Gemeinschaft - über, die er in der Folge zu neuer Blüte brachte. Zunächst lebte er mit einigen Brüdern im Kloster Colombaio am Monte Amiata in Seggiano bei Siena, ab 1405 zog er als Volksprediger durch Mittel- und Norditalien; 1410 bis 1413 war er in Padua, in dieser Zeit wurde er selbst von der Pest befallen, überwand aber die Krankheit.
Die Kanzel an der Kathedrale
in Perugia, von der Bernhardin 1425 predigte 
1413 übernahm er den Pförtnerdienst im Kloster in Fiesole.
1415 wurde er Leiter der Ordensobservanz für Umbrien
und die Toskana.
Ab 1417 wanderte er wieder als Bußprediger lehrend durch Italien; seine Erfolge
erregten den Neid von Gegnern, wegen der von ihm angeregten Verehrung des
Namens Jesu, für die
er das Symbol IHS
geschaffen hatte, leiteten sie 1423 einen Häresieprozess ein.
In Perugia
hielt er 1425 eine berühmte Predigt und lebte zeitweise im Konvent Monteripido
der Franziskanerobservanten;
dort wird er noch heute besonders verehrt. 1426 wurde er von Papst Martin V.
zur Verhandlung nach Rom
vorgeladen und freigesprochen; der Papst wollt ihn nun zum Bischof von Siena
berufen, was Bernhardin ablehnte. 1427 hielt er dennoch in dieser Stadt 45 Tage
lang seine wohl schönsten Predigten auf der Piazza del Campo, die mitgeschrieben
wurden und überliefert sind.
Zahlreiche Wunder und Heilungen werden ihm zugeschrieben. Bei einer seiner
Predigten sei der Namenszug Christi in einer Strahlensonne über seinem Haupt
gesehen worden; die Buchstaben IHS - ursprünglich die griechischen Buchstaben
für Jesus - werden ausgelegt
als Jesus - Hominum - Salvator
oder in deutschen Darstellungen als Jesus -
Heiland - Seligmacher
; durch Bernhardin fand das Monogramm IHS im Abendland
weite Verbreitung: er stellte am Ende seiner Predigten immer eine Tafel mit
diesem Namenszug in goldenen Buchstaben, von Sonnenstrahlen umringt, zur
Verehrung. Ignatius
von Loyola wählte rund 100 Jahre später dieses Zeichen zum Wappen des
Jesuitenordens.
Sano di Pietro: Bernardino predigt auf dem Marktplatz in Siena,
1445, im Museo dell'Opera del Duomo in Siena 
Bernhardin reiste nach Arezzo, 1428 nach Mailand, 1429 nach Venedig, um dort zu predigen. Wieder erkrankte er schwer, konnte aber geheilt weiterreisen nach Umbrien und in die Romagna. Erneut wurde er der Häresie bezichtigt; Papst Eugen IV., sprach ihn 1432 abermals von der Anklage frei und bot ihm nun das Amt des Bischofs von Ferrara an, das Bernhardin wieder ablehnte. Noch einmal wegen Häresie angeklagt, diesmal vor König Siegmund, wurde er wiederum rehabilitiert, gewann sogar die Freundschaft des Herrschers und begleitete ihn 1433 zur Kaiserkrönung nach Rom. Seine Predigtreisen führten ihn nun in die Marken / Marche, 1434 nach Siena, in die Lombardei und nach Ligurien. 1435 lehnte er den Bischofssitz von Urbino ab. Trotz vieler Polemik in der Auseinandersetzung mit Brüdern des eigenen Ordens, der schwer unter seiner Spaltung litt, führte Bernhardin seine Politik der Versöhnung mit dem anderen, weniger strengen Ordenszweig der Konventualen fort.
Sein Orden der Franziskaner-Observanten ernannte ihn 1438 zum Generalvikar. Zusammen mit seinem Schüler Johannes von Capestrano bemühte er sich um die Einführung der strikten Observanz im ganzen Orden und war in mehr als 500 Klöstern tätig. 1439 nahm er an den Verhandlungen mit der Orthodoxe Kirche um eine Kircheneinheit auf dem Konzil in Florenz teil. 1442 legte er die Ordensleitung nieder. Hauptarbeit wurde ihm wieder die Predigttätigkeit, in den letzten Jahren seines Lebens in den Marken, in Umbrien, in der Toskana, in Rom, in der Lombardei, der Gegend um Venedig und in der Emilia; auf einer solchen Reisen starb er.
Gérard David, um 1500, National Gallery in London

Bernhardin wirkte Frieden stiftend in italienischen Städtekriegen und wurde
schon zu Lebzeiten als Heiliger verehrt. Sein Ruhm beruht aber vor allem auf
seinen Predigten in der Sprache des Volkes, die von seinen Hörern gesammelt und
überliefert wurden. Sie beschäftigen sich mit dem familiären, sozialen und
politischen Leben jener Zeit und waren auch den ersten humanistischen Strömungen
gegenüber aufgeschlossen, sie überzeugten durch ihre Klarheit und ihren gesunden
Menschenverstand, waren reich an Beispielen, kräftigen Tönen und witzigen
Aussprüchen. Auf Lateinisch schrieb er Fastenpredigten: De vita christiana
,
Vom christlichen Leben
1425 - 1430; De christiana religione
, Von der
christlichen Religion
1430 - 1436; De evangelio aeterno
, Vom zeitlosen
Evangelium
1430 - 1437; De Beata Virgine
, Über die selige Jungfrau
1430 -
1440; De spiritu sancto et de inspirationibus
, Vom heiligen Geist und dessen
Wirken
1442 - 1444. Daneben stehen seine Werke, in denen er die religiösen,
ethischen und mystischen Lehren Franziskanerordens
zusammenfasste.
Bernardino Pinturicchio: Begräbnis des Bernhardin, 1487 - 89 Fresko in der
Bufalini-Kappelle der Kirche S.
Maria d'Ara Coeli in Rom, entstanden kurz nach Bernhardins Tod 
San-Bernardino-Kapelle
in Hinterrhein 
Nachdem zwischen 1450 und 1467 eine Kapelle
in Hinterrhein an der Nordseite des Passes eine zu Ehren von Bernhardin erbaut wurde,
erhielt der zuvor Vogelberg genannte Pass im schweizerischen Kanton Graubünden
seinen Namen San-Bernardino-Pass
.
Trotz der Namensähnlichkeit besteht keine Beziehung zu den Pässen Grosser und
Kleiner Sankt Bernhard.
Passhöhe und das 1824 - 25 gegründete Hospiz
San Bernardino 
Kanonisation:
Bernhardin wurde schon am 24. Mai 1450 von Papst Nikolaus V. heiliggesprochen.
Attribute:
Buch und Kruzifix, Strahlensonne mit den Buchstaben J H S
Patron
von Massa
Marittima; der Wollweber und Werbetreibenden; gegen Heiserkeit, Brust- und
Lungenkrankheiten, Blutungen
Das 1451 erbaute, Bernhardin
geweihte Oratorium neben der früheren
Franziskanerkirche in Perugia

Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon