Ökumenisches Heiligenlexikon

Berthold von Weingarten

Gedenktag katholisch: 19. September
Name bedeutet: der glanzvoll Waltende (althochdt.)
Abt in Weingarten
† 19. September 1232 in Weingarten in Baden-Württemberg
Kartenskizze

Berthold war Propst in Weingarten, 1200 wurde er Abt. Er war ein Anhänger der Reformen von ClunyDie Reformen von Cluny gingen im 10. Jahrhundert aus vom Benediktinerkloster Cluny in Burgund. Ziel war die strenge Beachtung der Benediktinerregel und Vertiefung der Frömmigkeit des einzelnen Mönches sowie eine neue Gewissenhaftigkeit bei der Feier des täglichen Gottesdienstes. Die Klosterwirtschaft sollte selbständig zum Erhalt des Klosters dienen können und die Klöster aus dem Herrschaftsanspruch der weltlichen Herren aber auch der Bischöfe herausgenommen und direkt dem Schutz des Papstes unterstellt werden. und HirsauDie Reformen von Hirsau gingen im 11. / 12. Jahrhundert aus vom Benediktinerkloster Hirsau im Schwarzwald. Sie nahmen die Reformen von Cluny auf, ohne aber deren Orientierung auf das zentrale Mutterkloster zu übernehmen. Das Ziel der von Abt Wilhelm verfassten „Consuetudines Hirsaugienses” war die strenge Lebensweise der Mönche wie in Cluny im Hinlick auf Tagesablauf und Liturgie sowie die Organisation der Klostergemeinschaft. Die Rechte der Bischöfe und Vögte wurden - entgegen den ursprünglichen Zielen - nicht eingeschränkt., die Ausgestaltung der Klosterkirche, die Feier des Gottesdienstes und die Verehrung der Heiligen - besonders des Nikolaus von Myra und von Reliquien waren ihm wichtig. Die Tradition berichtet glaubwürdig, dass er ein kostbares Schaureliquiar für die Heilig-Blut-Reliquie herstellen ließ. Diese Reliquie vom Blut Jesu, das Longinus aufgefangen habe, kam nach Weingarten und wird alljährlich am Blutfreitag - dem Tag nach Christi Himmelfahrt, durch die Landschaft getragen bzw. geritten; der Blutritt ist mit 3000 Reitern und 30.000 Pilgern die weltgrößte Reiterprozession.

Joseph Bayer: Blutritt in Weingarten, nach 1865

Joseph Bayer: Blutritt in Weingarten, nach 1865   

Als begeisterter Verehrer der Maria erlies Berthold für sein Kloster eingehende Bestimmungen zur Marienverehrung so mit einer Marienmesse an jedem Samstag und am Vorabend des Hochsfestes Verkündigung des Herrn. Zahlreichen Marien-Miniaturen zieren das in seiner Amtszeit 1217 entstandene weltberühmte Berthold-Sakramentar.

Berthold förderte die Goldschmiedekunst und pflegte gut Beziehungen zu den Staufern. Nach dem großen Brande gelang ihm der glanzvolle Wiederaufbau. Unter seiner Leitung erlebte das Kloster seine wohl größte kulturelle Blütezeit im Mittelalter





Quellen:

• Ekkart Sauser. In: Friedrich-Wilhelm Bautz †, Traugott Bautz (Hg.): Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon, Bd. XVII, Herzberg 2000


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