Gedenktag katholisch: 22. November
gebotener Gedenktag
bedacht im EucharistischenDie Eucharistie - von griechisch „ευχαριστειν, Dank sagen” - vergegenwärtigt das heilvolle Sterben Jesu Christi.
Die Römisch-Katholische, die Orthodoxe und die Anglikanische Kirche nennen diese Mahlfeier im Anschluss an 1. Korintherbrief 11, 24 Eucharistie, die Evangelischen Kirchen sprechen von „Abendmahl” im Anschluss an Markusevangelium 14, 17 und 1. Korintherbrief 11, 23. Hochgebet I
und im AmbrosianischenDie Ambrosianische Liturgie entstand im 8. Jahrhundert unter orientalischem Einfluss, sie wird auf Ambrosius von Mailand zurückgeführt, von dem wohl die meisten Texte auch stammen. Sie wird v.a. in der Kirchenprovinz Mailand und im Bistum Lugano benutzt. Karl Borromäus förderte diese Sonderform, im Mittelalter wurde aus ihr auch die Gleichwertigkeit des Mailänder Erzbistums gegenüber Rom abgeleitet. Hochgebet
Gedenktag evangelisch: 22. November
Gedenktag anglikanisch: 22. November
Gedenktag orthodox: 22. November
Gedenktag armenisch: 27. November
Name bedeutet: die Blinde
oder: aus der (altrömischen) Familie der Cäcilier (latein.)
Raphael, 1514, Pinacoteca Nazionale in Bologna

Cäcilia soll eine hübsche adlige Römerin gewesen sein, die sich schon als
Kind allein Christus angetraut
fühlte. Die Eltern verheirateten sie aber mit dem heidnischen Jüngling
Valerianus; bei der Hochzeitsfeier
habe sie unter dem Brautkleid ein Schmerzen bereitendes Hemd getragen. Im
Brautgemach offenbarte sie dem Bräutigam: Ein Engel steht mir als Beschützer
meiner Reinheit zur Seite.
Valerianus gestand ihr die Unberührtheit zu unter
der Bedingung, dass er den Engel sehen dürfe. Sie bewegte ihn, den greisen
römischen Bischof Urban I.
aufzusuchen, der ihn bekehren und taufen solle, dann könne er den Engel sehen.
Valerianus erschien ein heiliger Greis und hielt ihm ein mit Goldbuchstaben
geschriebenes Buch vor, Valerianus kam zum Glauben und wurde von Urban getauft.
Zu Cäcilia zurückgekehrt sah er den Engel bei ihr, der reichte ihnen Kränze von Lilien und Rosen, die den Raum mit himmlischem Duft erfüllten. Als der Bruder des Valerianus, Tiburtius, hinzukam, wunderte er sich über den Rosenduft und wurde auch bekehrt.
Als Valerianus und sein Bruder Tiburtius verbotenerweise die Leichen von hingerichteten Christen beerdigten, wurden sie ins Gefängnis geworfen. Ihnen wurde ein Ritter Maximus als Wächter gegeben, sie bekehrten auch diesen; der Präfekt Almachius ließ Maximus mit Bleiklötzen schlagen und alle drei enthaupten, da ihr ausführlicher Disput ihn nicht überzeugen konnte.
Cäcilia begrub die drei Männer; Almachius forschte nach dem Gut der Hingerichteten, fand Cäcilia und bedrohte sie. Cäcilia überzeugte ihre weinenden Diener vom Glauben, Urban taufte diese mit 400 anderen.
Orazio Gentileschi und Giovanni Lanfranco: Cäcilia mit dem Engel, um 1617/1618
und um 1621/1627, National Gallery of Art in Washington

Nach heftigem Streit ließ Almachius Cäcilia in ein kochendes Bad
setzen, doch sie fühlte nur Kühle. Daraufhin versuchte der Henker, sie drei Mal
durch Schwerthiebe zu enthaupten, er soll es aber nicht geschafft haben, den
Kopf der hals-starrigen
Cäcilia abzuschlagen; die schwer Verwundete lebte noch
drei Tage, vermachte ihr Gut den Armen, bekehrte weitere Umstehende und wurde
dann - gekrümmt, wie sie zuletzt lag - in golddurchwirktem Gewand in einen
Zypressensarg gelegt; nach der Überlieferung wurde sie bei der Sargöffnung 1599
so gefunden. Urban I. bestattete sie
in der Callistus-Katakombe
in Rom neben den Bischöfen und weihte ihr Haus zu einer Kirche.
Stefano Maderna (?): Marmorfigur, nach 1665, in der Kirche S. Cecilia in Trastevere
Die Frage nach der historischen Existenz der Cäcilia und den Ursprüngen ihrer Verehrung gehören zu den umstrittensten Problemen der römischen Heiligenverehrung. Weder die Förderer der Jungfräulichkeit, der römische Bischof Damasus I. oder Ambrosius von Mailand, noch Hieronymus oder Augustinus, noch der römische Festkalender von 354 kennen Cäcilia. Da ihre Leidensgeschichte offenbar von Einflüssen durch Victor von Vita geprägt ist, scheint sie nach 486 entstanden zu sein, sie ist rein legendarisch.
In der Katakombe
des Callistus entstand im 4. Jahrhundert - möglicherweise zur Zeit des
römischen Bischofs Damasus I. -
eine Krypta, in der Mitglieder der Familie der Cäcilii bestattet wurden;
dies wurde dann auf Cäcilia
übertragen. Die älteste Darstellung ist
das Mosaik aus dem Jahr 570 in S. Apollinare Nuovo in Ravenna,
wo sie zum Chor der Jungfrauen gehört. Im 7. Jahrhundert wurde Cäcilias Grab
an der Via
Appia verehrt.
Um die Mitte des 5. Jahrhunderts setzte die Verehrung Cäcilias ein, seitdem ist ihr die Kirche S. Cecilia im Stadtteil Trastevere ihr geweiht; ab dem Jahr 545 wurde ihr Fest dort am 22. November gefeiert, was durch eine Episode in der Lebensgeschichte des Papstes Vigilius nachgewiesen ist. Die Legende erzählt, dass diese Kirche aus dem Haus der Cäcilia entstand, aber Ausgrabungen haben erwiesen, dass das Gebäude zu einem Mietshaus nahe eines öffentlichen Bades gehörte. Tatsächlich war Cäcilia nach einer alten Inschrift die Gründerin der Kirche, erst die Legende hat sie zur Märtyrerin gemacht und ihr das Thema der Keuschheit, die am Abend der Hochzeit gelobt wird, zugeschrieben.
Apsismosaik: Cäcilia und Valerianus,
9. Jahrhundert, in der Kirche S.
Cecilia in Trastevere 
Als Papst Paschalis I. 819 nach ihrem Grabe suchte, erschien ihm Cäcilia; er fand ihren Sarg und ließ ihn 821 in die von ihm über einem Bau des 5. Jahrhunderts neu errichtete Kirche S. Cecilia in Trastevere bringen. Die nach der Sargöffnung um 1599 wohl von Stefano Maderna geschaffene Marmorfigur soll den Leichnam getreu abbilden. Reliquien sind auch in Albi, Càgliari und Hildesheim. Im Mittelalter erhoben mehrere Kirchen den Anspruch, ihren Kopf zu besitzen, was die Popularität ihrer Verehrung bezeugt.
Cäcilia ist eine der volkstümlichsten Heiligen, besonders in den romanischen
Ländern, ihr Name ein häufig verwendeter Mädchenname. Bekannt ist Cäcilia als Nothelferin
und seit dem Spätmittelalter als Patronin
der Kirchenmusik. Dieses Patronat verdankt sie einem Übersetzungsfehler, nach
dem sie auf ihrer Hochzeit selbst die Orgel gespielt haben soll. Eine andere
Legende erzählt von ihrer Hochzeitsfeier: während die Musikinstrumente erklangen,
sang Cäcilia - in ihrem Herzen und nur zu Gott gewandt: Lass, Herr, mein Herz
und meinen Körper unbefleckt bleiben, aufdass ich nicht zuschanden werde.
Sie
wird im ersten Eucharistischen Gebet angerufen. Ihr Gedenktag wird oft durch ein
Cäcilienfest
mit musikalischen Darbietungen begangen.
Carlo Saraceni, um 1610, Galleria Nazionale d'Arte Antica in Rom

Der Barockkomponist Henry Purcell komponierte 1683 sein Laudate Ceciliam
und 1692
das Hail, bright Cecilia
. Georg Friedrich Händel komponierte 1739 seine Ode for St. Cecilia’s
Day
, auf der Grundlage eines Gedichts des Engländers John Dryden. 1766 komponierte Joseph
Haydn die Missa Cellensis in honorem Beatissimae Virginis Mariae
, die Cäcilienmesse
,
die längste Messe, die er geschrieben hat - allerdings eigentlich nicht für das Fest von Cäcilia
komponiert, sondern für den Wallfahrtsort Mariazell
in Österreich, daher der Name Missa Cellensis
. von Benjamin Britten stammt das 1942
entstandene Werk für gemischten Chor Hymn to St. Cecilia
mit dem Text des englischen
Schriftsteller Wystan Hugh Auden.
Heinrich von Kleists Erzählung Die heilige Cäcilie oder die Gewalt der Musik
,
von ihm selbst als Wiedergabe einer alten Legende bezeichnet, erschien in der
Langform 1881. Sie spielt in Aachen
um das Ende des 16. Jahrhunderts, als die Bilderstürmer in den benachbarten
Niederlanden wüteten. Das Kloster der heiligen Cäcilie sollte auch gestürmt
werden. Aber die Heilige - unerkannt in der Gestalt der Schwester
Kapellmeisterin - vollbringt schreckliche und herrliche Wunder zugleich: die
geheimnisvolle Macht der alten Musik, die sie an die Spitze des Nonnenchors
tretend aufführt, bändigt die wilde Rotte, die das Kloster überfiel. Mit
Wahnsinn schlägt sie die Anstifter des Frevels, vier gottverdammte Brüder. Das
Kloster ist gerettet, und - so Kleist - bestand noch bis am Schluss des
Dreißigjährigen Krieges
. Der Erzbischof von Trier
stellte fest, dass Cäcilia selbst dieses Wunder vollbracht habe, der Papst
bestätigte es einige Jahre später.
Attribute:
Rosen, Schwert, Musikinstrumente wie Orgel oder Geige
Patronin
der Kirchenmusik; der Organisten, Orgelbauer, Instrumentenmacher, Sänger,
Musiker und Dichter
Bauernregeln:
War an Simon und Juda
kein Wind und Regen da, / dann bringt ihn die Cäcilia.
Wenn es an Cäcilia schneit, / dann ist der Winter nicht mehr weit.
Cäcilia im weißen Kleid, / erinnert an die Winterszeit.
Martyrologium Romanum Flori-Legium
Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon