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Hieronymus Bosch: Christophorus mit dem Jesuskind,
um 1496, Museum Boijmans Van Beuningen in Rotterdam 
Um das Leben des Christophorus, dessen historische Existenz durch frühe Zeugnisse der Verehrung und Weihe einer Kirche im Jahr 454 in Chalkedon - dem heutigen Stadtteil Kadiköy in Ístanbul - gesichert ist, ranken sich viele Legenden. Er soll nach der östlichen Legende ein hundsköpfiges, menschenfressendes Ungeheuer namens Probus oder Reprobus gewesen sein, das erst durch die Taufe die Sprache erlernte und den Namen Christophorus erhielt. Er wurde zunächst Soldat, zog dann als Missionar durch Lykien, bis er als Märtyrer hingerichtet wurde.
Nach dieser älteren Legende hatte Christophorus auf wunderbare Weise
die
Taufe empfangen und zog nun lehrend und predigend durch die Lande. Er kam zu
einem König nach Lykien,
wo er die Sprache nicht verstand und verwirrt darniederlag, als man ihn im Gebet
fand. Durch dieses Gebet wurde ihm das Verständnis dieser Sprache erschlossen
und er konnte nun auf dem Richtplatz den dort Gemarterten Worte der Stärkung
zusprechen. Ein Richter schlug ihn, Christophorus steckte seinen eisernen Stab
in den Boden, der grünte und blühte, dieses Wunder bekehrte 8000 Menschen.
Der die Christen verfolgende König ließ Christophorus einkerkern und schickte
zwei Dirnen zu ihm, Micäa und Aquilina, die ihn abspenstig machen sollten. Aber
sie wurden von Christophorus bekehrt, deshalb vom König grausamen Martern
unterworfen und enthauptet. Dann schickte der Herrscher 200 Kriegsknechte aus,
um den Riesen zu greifen; sie vermochten es nicht, denn er erhielt
übermenschliche Kraft aus dem Gebet. Weitere 200 Knechte wurden ausgeschickt,
aber sie bekehrten sich und wurden enthauptet. 400 Bogenschützen sollten ihn nun
erschießen, die Pfeile blieben aber in der Luft stehen, und als der König dies
für Zauberei hielt, traf ihn ein Pfeil und machte ihn blind. Christophorus sagte
zu ihm: Morgen bin ich tot, dann nimm von meinem Blut, mische es mit Erde, lege
es auf dein Auge, und du wirst geheilt.
Christophorus wurde dann enthauptet,
der König tat nach seinen Worten, wurde sehend und bekehrt. Mühsam schleppten
die Kriegsknechte den Leichnam des hundsköpfigen Riesen zum Stadttor hinaus.
Elias Lenker: Pokal mit Christophorus, der die Himmelskugel und das Jesuskind
trägt, um 1628 in Augsburg, in den Staatlichen Kunstsammlungen in Dresden

Diese Erzählung ist wohl eine Ableitung aus den ursprünglich aus Ägypten
stammenden gnostischen
Bartholomäusakten des 4. / 5.
Jahrhunderts und wurde auf einen einstigen Soldatenheiligen und Märtyrer übertragen.
Christophorus
war ein Ehrentitel für alle Märtyrer und hat sich erst
später als Eigenname verselbständigt. Das Ende der ursprünglich griechischen
Leidensgeschichte gab im Westen dann den Anstoß zu den ersten Schutzpatronen:
die Verbreitung der Verehrung des Christopohorus führte vom Orient entlang der
byzantinischen Pilgerstraßen nach Ravenna,
Süditalien, Sizilien,
dann über Frankreich und Spanien - dort im 7. Jahrhundert nachgewiesen -,
schließlich auch nach Norden und Osten. Die westlichen Legenden mildern das
menschenfressende Ungeheuer ab und machen es zum Riesen; canineo
,
hundsartig
wird umgedeutet zu (genere) canaaneo
, aus Kanaan
.
Neben den Leidensgeschichten entstanden Hymnen und im späten 10. Jahrhundert das Christophorusgedicht des Walther von Speyer, schon früh gab es Wandmalereien und Buchillustrationen. Erste Bilder des Mannes, der Christus tatsächlich trägt, entstanden in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts im Alpenland und in Portugal als Illustrationen des Namens, noch ohne legendären Vorgang.
Die eigentliche Christusträgerlegende
kommt erst im 13. Jahrhundert auf in der Legenda
Aurea des Jacobus de
Voragine und einem Hymnus des Mailänders Origo Scaccabarozzi, wobei
möglicherweise eine volkstümliche Herkunft zugrunde liegt. In ihr wurde
ein Riese
mit Namen Offerus geschildert, von furchtbarem Antlitz und
12 Ellen (fast 10 Meter) groß, dessen Bild sich im Laufe der Zeit immer mehr
vermenschlichte. Christophorus suchte nach dieser Legende den mächtigsten aller
Könige, nur diesem wolle er dienen - ein aus der höfischen Tradition (Parzival)
bekanntes Motiv. Als ein König, den er für den mächtigsten gehalten hatte, bei
einem Spielmannslied sich jedesmal bei der Nennung des Teufels bekreuzigte,
musste der zugeben, dass er sich vor dem Teufel fürchte. Da verließ
Christophorus ihn, um diesen noch Mächtigeren zu suchen; in der Einöde fand er
ihn als schwarzen Ritter mit einer schrecklichen Begleiterschar und stellte sich
in seinen Dienst; als sie aber zusammen des Weges zogen, wurde ein Kreuz
sichtbar; der Teufel wich dem Kreuz aus, machte einen großen Umweg und musste
zugeben, dass er das Bild des gekreuzigten Christus
noch mehr als alles in der Welt zu fürchten habe.
Fresko von Masaccio, um 1420, in San Clemente in Rom

Christophorus verließ nun auch den Teufel, nur dem noch mächtigeren Christus
wollte er dienen. Lange suchte er, bis er endlich einen Einsiedler - später
Cucufas genannt - fand, der ihm bestätigte, Christus sei der mächtigste
Herrscher; wolle man ihm dienen, so müsse man fasten können. Christophorus
entgegnete, dass er das nicht könne. Auch die nächste Forderung, viel zu beten,
konnte Christophorus nicht befolgen. Er übernahm dann aber die Aufgabe, Menschen
auf dem Rücken über einen gefährlichen Fluss zu tragen, denn er war ja groß und
stark. Statt eines Stabes nahm er eine große Stange und trug unermüdlich
Menschen herüber und hinüber - eine Entlehnung aus der Legende des Julianus
Hospitator, wo dieses Motiv mit Rechtsbräuchen aus dem Asylrecht in
Verbindung stand. Eines Nachts hörte Christophorus eine Kinderstimme rufen,
konnte aber in der Dunkelheit nichts erblicken. Nach dem dritten Ruf nochmals
hinausgehend sah er ein Kind, das hinübergetragen werden wollte. Als er aber mit
diesem Kind auf der Schulter ins Wasser stieg, wurde die Last immer schwerer,
das Wasser schwoll an, er fürchtete zu ertrinken und glaubte, die ganze Welt
läge auf seinen Schultern. Mehr als die Welt hast du getragen
, sagte das Kind
zu ihm, der Herr, der die Welt erschaffen hat, war deine Bürde
. Das Kind
drückte ihn unter das Wasser und taufte ihn so. Am Ufer erkannte Christophorus
Christus als seinen Herrn, der ihm auftrug, ans andere Ufer zurückzukehren und
seinen Stab in den Boden zu stecken: er werde als Bekräftigung seiner Taufe
finden, dass der Stab grüne und blühe. Als Christophorus am Morgen erwachte, sah
er, dass aus seinem Stab tatsächlich ein Palmbaum mit Früchten aufgewachsen war.
Diese im südlichen Alpengebiet entstandene Legende, mit der Christophorus
Julianus'
Funktion als Pilgerheiliger übernahm, hatte außergewöhnlichen Einfluss. Der Name
wurde wegen der Schutzpatronfunktionen oft als Taufnahme begehrt. Das Motiv des
Christusträgers wurde häufig in der Kunst behandelt. Vom 13. bis ins 16. Jahrhundert
galt tagsüber vor unvorhergesehenem Tod geschützt, wer am Morgen Christoporus
Bild betrachtet hatte. Er wurde auf Stadttürmen, Toren, Kirchen- und Hausmauern
dargestellt. Im 16. Jahrhundert verbreitet sich die Verehrung auch in Amerika. Im
Barock war Christoporus auf Pestsäulen gegenwärtig, Hospize, Pilgerhäuser,
Bruderschaften und später Apotheken wurden nach ihm benannt. Auch zu Wohlstand
sollte er verhelfen - der Ausdruck christoffeln
meint die Beschwörung,
mit der ein Schatz gefunden oder herbeigezaubert werden kann. Manche Volksbräuche
und Vorstellungen haben sich bis ins 20. Jahrhundert erhalten, darunter der
Aberglaube der Schatzgräber, die ihn als Schatzhüter schätzen.
Konrad Witz: Christophorus, um 1435, Kunstsammlung im Kunstmuseum in Basel

Die Verehrung wurde schon im 15. Jahrhundert oft kritisch betrachtet, sein Kult von Lokalsynoden verboten und von Humanisten abgelehnt. Das Christophoruslied aus dem späten Mittelalter wurde nach der Reformation von Hans Sachs protestantisch umgedichtet. Luther sah in der Christusträgerlegende eine Allegorie des Christenmenschen. In späterer Volkstradition wurde Christophorus zur Märchen- und Sagengestalt. In moderner Zeit gilt er als Schutzpatron für Autofahrer und Verkehrsmittel, manche Menschen ließen ihr Auto in seinem Namen segnen oder haben eine Plakette in ihrem Fahrzeug. Umritte, Umfahrten, Einsegnungen und Bruderschaften halten das Gedenken wach. Christophorus wurde 1962 aus der Liste der kanonischen Heiligen zwar gestrichen, weil seine Existenz legendär sei, er blieb aber im deutschen Diözesankalender erhalten; 2001 wurde er auch wieder ins Martyrologium Romanum aufgenommen. Er ist einer der Nothelfer.
Attribute:
Riese mit Stab, Kind auf den Schultern, durch Wasser gehend
Patron
von Werne;
des Verkehrs, der Furten und Bergstraßen; der Fuhrleute, Schiffer, Flößer, Fährleute,
Brückenbauer, Seeleute, Pilger, Reisenden, Kraftfahrer, Chauffeure, Luftschiffer,
Straßenwärter, Lastenträger, Bergleute, Zimmerleute, Hutmacher, Färber, Buchbinder, Goldschmiede,
Schatzgräber, Obsthändler, Gärtner, Athleten; im Osten der Ärzte und gegen Krankheit;
von Bergstraßen, Festungen; der Kinder; gegen Pest, Seuchen, Epilepsie, unerwarteten
Tod, Hagel, Augenleiden, Blindheit, Zahnweh, Wunden; gegen Feuer- und Wassergefahren,
Dürre, Sturm, Unwetter
Johann Michael Feichtmayr der Jüngere und Franz Xaver Feuchtmayer der Ältere: Christophorus,
um 1610, am Gnadenaltar der Basilika
Vierzehnheiligen ![]()
Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon
Nun habe ich die Mitteilung erhalten, dass die zuständige Kongreation in Rom und die Deutsche Bischofskonferenz den Straßenwärterinnen und Straßenwärtern in Deutschland den Heiligen / Märtyrer / Nothelfer Christophorus als Schutzpatron gewidmet haben. Damit wurde meinem Vorschlag entsprochen. Die Kopie der Urkundenübersetzung werde ich Ihnen zuleiten:
Kongregation für den
Gottesdienst und die Sakramentenordnung, Prot. N. 1148/09/L
Für Deutschland
Kraft der ihr von Papst Benedikt XVI. verliehenen Vollmacht entspricht
die Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung - in Anbetracht
des Dargelegten und da feststeht, dass die Wahl nach Maßgabe des Rechts erfolgt
ist - den geäußerten Bitten sehr gern und erkennt
DEN HEILIGEN MÄRTYRER CHRISTOPHORUS ALS HIMMLISCHEN SCHUTZPATRON FÜR DIE
STRASSENWÄRTER IN DEUTSCHLAND
an, mit allen daraus sich ergebenden Rechten und liturgischen Privilegien
gemäß den Rubriken, ungeachtet jeder anderen gegenteiligen Anordnung.
Am Sitz der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung,
am 22. Februar 2011, dem Fest
der Kathedra des hl. Apostels Petrus.
Antonio Kardinal Cañizares Llovera, Präfekt
Erzbischof Joseph Augustine di Noia OP, Sekretär
Freundlich grüßt
Antonius J. Dommers, DJV, aus Kerpen im Rheinland über E-Mail, 18. und 29. September 2011
Ich arbeite für einen Berufsverband, der Straßenwärter (früher Wegemacher, Chausseearbeiter) organisiert. Der Verband hat den Straßenwärtern ein Berufszeichen gewidmet. Nun besteht ein Interesse an einem Berufspatron, denn es finden jährlich kirchliche Gedenkveranstaltungen statt, die an die bei ihrer Arbeit verunglückten Beschäftigten erinnern. Die Pfarrer fragten wiederholt, an wen man Bittgebete richten soll und welchen Patron es gebe. Bisher mussten wir immer Fehlanzeige melden. Nun habe ich Hoffnung. Ihr Hinweis auf den Sebastian von der Erscheinung ist doch sehr fremd. Wir haben die zwanzig ältesten Mitglieder (80 bis 98 Jahre alt) unseres Verbandes brieflich befragt. Dabei haben uns vier Rentner aus der Erinnerung geschrieben, dass der Patron der Straßenwärter Christophorus (25. Juli) sei. Die Antworten sind aus Bayern, Rheinland Pfalz und Niedersachsen. Ein Mitglied schrieb, man habe früher auch in den Dienstfahrzeugen und an den Handkarren eine Plakette Heiligen in Schutzabsicht befestigt. Ein Mitglied schrieb, man habe in den Jahren vor und im Zweiten Weltkrieg bei Bestattung eines Kollegen zum Heiligen Christopherus gebetet. Mir war der Christopherus schon zu stark in Anspruch genommen. Aber jetzt meine ich, man sollte ihn künftig vorschlagen, wenn danach gefragt wird.
Antonius J. Dommers, DJV, aus Kerpen im Rheinland über E-Mail, 18. November 2009
Wie ich schrieb, habe ich den Auftrag von dem Verband Deutscher Straßenwärter, den Berufspatron für die Straßenwärter, nicht Straßenbauer, zu belegen. ... Immer mehr ältere Kollegen erinnern sich nun an den Christophorus, ich schrieb es Ihnen, und die Verantwortlichen wollen nun eine Festlegung auf diesen Patron. Sie sagen, dass Straßenwärter, die ja stark im Verkehrsraum arbeiten und durch die Autofahrer gefährdet werden, seien eine Schicksalsgemeinschaft und könnten deshalb auch den Christopherus als Patron haben / verehren. ... Ich sage aber, besser, man legt sich auf Ch. fest und vertraut sich ihm an, als die völlige Abwendung von diesem Thema. Im nächsten Jahr wollen wir in den einzelnen Bundesländern Gedenkgottesdienste anregen. In NRW gibt es seit zehn Jahren schon eine solche Feier, in diesem Jahr unter Teilnahme des NRW-Verkehrsministers mit Kranzniederlegung, feierlich und sehr öffentlickeitswirksam. Fernsehen und Presse berichteten mehrmals. Auch will der Verband in den etwa zwanzig Autobahnkirchen und -kapellen eine Gedenktafel anbringen lassen. Dabei soll der Berufspatron genannt werden.
Antonius J. Dommers, DJV, aus Kerpen im Rheinland über E-Mail, 22. November 2009