Ökumenisches Heiligenlexikon

Crispinus und Crispinianus

Gedenktag katholisch: 25. Oktober
gebotener Gedenktag im Bistum Osnabrück
in Soissons: 27. Juni
in Osnabrück: Übertragung der Gebeine: 20. Juni
in Metz: Übertragung der Gebeine: 27. Juni

Gedenktag anglikanisch: 25. Oktober

Name bedeutet: der Fröhliche (latein.)
oder:
der Kraushaarige (latein.)

Märtyrer
* in Rom
† um 287 in Soissons in Frankreich

Kartenskizze

Die Legende berichtet von Crispin und seinem Bruder Crispinianus, den Söhnen einer vornehmen römischen Familie, dass sie vor der Verfolgung unter Kaiser Diokletian zusammen mit dem Sohn eines römischen Senators nach Soissons flohen, um dort als Glaubensboten zu wirken. Ihren Lebensunterhalt verdienten sie als Schuhmacher, den Armen machten sie unentgeltlich Schuhe, wodurch sie viele für den Glauben gewannen. In den Christenverfolgungen unter Kaiser Maximinian wurden sie vom Präfekten Rictiovarus verhaftet und gefoltert: er ließ ihnen Pfrieme unter die Fingernägel stecken, sie mit flüssigem Blei übergießen, sie ins Feuer und mit einem Mühlstein beschwert ins eiskalte Wasser des Flusses Aisne werfen, schließlich enthaupten; andere Überlieferungen berichten, dass ihnen wie Bartholomäus die Haut bei lebendigem Leibe abgezogen wurde.

Petrus von Saluzzo: Crispinus und Crispinianus als Schuhmacher, 15. Jahrhundert, in der Johanneskirche in Saluzzo

Petrus von Saluzzo: Crispinus und Crispinianus als Schuhmacher, 15. Jahrhundert, in der Johanneskirche in Saluzzo

An der Stelle des Martyriums von Crispin und Crispinianus wurde schon im 6. Jahrhundert eine Basilika erbaut, die Gregor von Tours erwähnte - heute die Basilika SS. Giovanni e Paolo; weil ihr Andenken mit dem von Johannes und Paulus von Rom verbunden war, ist auch ihr Gedenktag dort am 27. Juni. Reliquien der beiden wurden 570 durch König Sigibert I. aus Soissons in sein Jagdgebiet - im heutigen Lisdorf bei Saarlouis - gebracht und dort am 25. Oktober 570 durch Bischof Petrus von Metz in einem Festgottesdienst in den Altar der neu geweihten Kirche eingemauert. Weitere Reliquien kamen im 9. Jahrhundert nach Osnabrück. Von hier breitet sich ihre Verehrung in Europa aus, sie sind im Kalender von St. Gallen und Köln verzeichnet.

Im 3. Aufzug der Meistersinger von Nürnberg von Richard Wagner singt die aufmarschierende Schusterzunft:
Sankt Crispin war gar ein heilig Mann, / zeigt, was ein Schuster kann.
Die Armen hatten gute Zeit, / macht ihnen warme Schuh.
Und wenn ihm keiner's Leder leiht / so stahl er sich's dazu.

Attribute: Schuhmacherwerkzeug
Patrone von Osnabrück und Soissons; der Schuhmacher, Sattler, Gerber, Schneider, Weber und Handschuhmacher; zweite Patrone des Bistums Osnabrück
Bauernregel: Am Tage von Crispin / sind die letzten Fliegen hin.

Catholic Encyclopedia


Quellen:
• P. Ezechiel Britschgi: Name verpflichtet. Christiana, Stein am Rhein, 1985
• Hiltgard L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Reclam, Ditzingen 1984
• Gerald Knoll aus Saarlouis, E-Mail vom 23. April 2005
• http://www.gildebesoijen.nl/historie.htm
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl. Bd. 2. Herder, Freiburg im Breisgau 1994
• Friedrich-Wilhelm Bautz. In: Friedrich-Wilhelm Bautz (Hg.): Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon, Bd. I, Hamm 1990
© www.heiligenlexikon.de