Ökumenisches Heiligenlexikon

Flavia Domitilla

Gedenktag katholisch: 7. Mai
Name bedeutet: F: aus dem altröm. Geschlecht der Flavier
D: aus der altröm. Familie des Domitius (latein.)
Märtyrerin
* um 65 in Rom
† 95 (?) auf der Insel Pandataria, heute Ventotene vor Neapel in Italien
Kartenskizze

Flavia Domitilla, Tochter des römischen Feldherrn und Senators Quintus Petellius Cerialis Caesius Rufus und seiner Ehefrau Flavia Domitilla der Jüngeren und damit Enkelin des römischen Kaisers Titus Flavius Vespasian und Nichte des Kaisers Titus Flavius Domitianus, wurde die Frau des Konsuls Titus Flavius Clemens, des Sohnes von Titus Flavius Sabinus, des Bruders von Kaiser Vespasian und Vettern von Kaiser Domitian. Das Ehepaar hatte mindestens sieben Kinder. Kaiser Domitian bestimmte zwei der Söhne des Ehepaars in deren frühester Jugend zur Nachfolge, ließ sie umbenennen in Vespasian und Domitian umbenennen und gab ihnen den berühmten Rhetor Marcus Fabius Quintilianus zum Lehrer. Flavius Clemens' Elternhaus an der Alta semita - beim heutigen Quirinals-Palast - wurde auf Anordnung Domitians zum Tempel des flavischen Geschlechts umgestaltet.

Als im Jahr 85 die Finanzlage des Imperiums äußerst angespannt war, ließ Kaiser Domitian zahlreiche Vermögen beschlagnahmen und die von seinem Vater Vespasian eingeführte Steuer für Juden erbarmungslos eintreiben - auch von jenen, die die jüdische Lebensweise pflegten, also sich dem Kaiserkult entzogen. So wurden auch Christen verfolgt und Ende 93 begann Domitian, das Imperium mit einem wahren Terrorregime zu überziehen: Senatoren, Ritter, kaiserliche Beamte, sogar seine engsten Mitarbeiter und Angehörigen fielen Exekution oder Verbannung zum Opfer; zwölf Konsuln - schätzte Domitians Biograf Sueton - mussten sich einem Hochverratsprozess stellen.

Von Januar bis April 95 amtierte Flavia Domitillas Mann Titus Flavius Clemens zusammen mit seinem Vetter, Kaiser Domitian, als ordentlicher Konsul. Unmittelbar danach, im Mai 95, ließ ihn der Kaiser wegen Gottlosigkeit anklagen und zum Tod verurteilen, seine Witwe Flavia Domitilla wurde in die Verbannung geschickt. Beide hatten offen mit den Juden oder Christen sympathisiert. Eine Rolle könnte auch gespielt haben, dass Domitian die Söhne des Paares für gefährlich hielt. Über deren Schicksal ist nichts bekannt; sie werden wohl ebenfalls den Tod gefunden haben. Flavia Domitilla besaß ein Grundstück an der Via Ardeatina, das sie kurz vor ihrer Verbannung der Christengemeinde in Rom zur Verfügung stellte. Diese errichtete dort den später nach ihr benannten Friedhof. Flavia Domitilla wurde auf die Insel Pandataria - die heutige Insel Ventotene - vor Neapel verbannt worden sein und dort zu Tode gemartert.

Pomarancio: Domitilla mit Nereus und Achilleus, 1608, in der Kirche Santa Maria in Vallicella in Rom

Pomarancio: Domitilla mit Nereus und Achilleus, 1608, in der Kirche Santa Maria in Vallicella in Rom   

Die Nachricht über die Anklage Gottlosigkeit gegen Titus Flavius Clemens und die Verbannung der Flavia Domitilla wurde auf die Insel Pandataria stammt vom römischen Senator und Geschichtsschreiber Lucius Cassius Dio aus seiner Römischen Geschichte in 80 Büchern, die er rund 120 Jahre später schrieb. Sueton berichtete in seinen um 100 Jahre zuvor erschienenen Kaiserbiographien lediglich, Flavius Clemens sei wegen eines höchst geringen Verdachtes hingerichtet worden, was darauf hindeutet, dass Domitian nur einen Vorwand gewählt hatte, um sich eines Thronrivalen zu entledigen.

Flavia Domitilla ist wohl identisch mit Domitilla, die nach der Überlieferung bei Eusebius von Cäsarea die Tochter der == Plautilla, der Schwester des Konsuls Titus Flavius Clemens, der ein Vetter des regierenden Kaisers Titus Flavius Domitian war. Sie wurde demnach mit vielen anderen Christen auf die Insel Pontia - die heutige Insel Ponza * verbannt. Domitilla, die ihr Jungfräuligkeitsgelübde vor Papst Clemens I. abgelegt hatte, erlebte auf der Insel ein langes Martyrium. Nach mancher Überlieferung überlebte sie Donitian, kam nach Rom zurück und lebte danach in Terracina. Dort wurde ihre Wohnung auf richterlichen Befehl in Brand gesteckt und sie kam, gemeinsam mit ihren beiden Dienerinnen Euphrosyna und Theodora, in den Flammen um. Ihre beiden Diener Nereus und Achilleus, die sie schon nach Ponza begleitet hatten, wurden zur selben Zeit in Terracina enthauptet.

Domitillas Martyrium in Terracina zusammen mit Nereus und Achilleus ist historisch nicht haltbar. Auch dass Plautilla Domitillas Mutter war, ist ebenso legendär wie deren Zeugenschaft bei den Martyrien von Petrus und Paulus.

Hieronymus berichtete vom Martyrium der Flavia Domitilla - die er ohne Verwandtschaftsangabe nennt - auf Pandateria - der heutigen Insel Ventotene. Märtyrerlegenden aus dem 5. Jahrhundert berichten vom Leben der Flavia Domitilla gemeinsam mit ihren Dienern Nereus, Achilleus und Petronilla. Ereignisse aus dem Leben der Märtyrer, deren Gräber nahe beieinander lagen und die etwa zur gleichen Zeit starben, wurden damals des öfteren miteinander verflochten.

Flavia Domitilla stand bis zur Kalenderreform von 1969Nach Abschluss und im Auftrag des 2. Vatikanischen Konzils wurde im Jahr 1969 eine Liturgiereform in der römisch-katholischen Kirche durchgeführt; in diesem Rahmen wurden auch Änderungen im Römischen Generalkalender vorgenommen; der erneuerte wurde mit dem 1. Januar 1970 in Kraft gesetzt. mit dem Gedenktag 12. Mai im Heiligenlexikon der römisch-katholischen Kirche. Auch Konsul Titus Flavius Clemens wurde seit dem 9. Jahrhundert als Märtyrer verehrt. Die Verehrung stützt sich darauf, dass der Vorwurf der Gottlosigkeit, den Domitian gegen die beiden erhoben hatte, gleichbedeutend mit der Annahme des christlichen Glaubens gewesen sei.

Angebliche Reliquien der Flavia Domitilla wurden Ende des 16. Jahrhunderts vom italienischen Kardinal und Kirchenhistoriker Cesare Baronio aufgefunden Sie werden zusammen mit denen von Nereus und Achilleus in der Kirche SS. Nereo e Achilleo aufbewahrt; diese Kirche wurde unweit der alten ihnen geweihten Kirche, die unmittelbar über den nach Domitilla benannten Katakomben in Rom aufbewahrt. Auch in Limoges und in Ellwangen gibt es Reliquien, die Flavia Domitilla zugeschrieben werden.

Die Domitilla-Katakomben in Rom sind ein weitläufiges, in den weichen Tuffstein geschlagenes Höhlenlabyrinth, das sich über eine Länge von insgesamt 15 Kilometer erstreckt. Sie sind die einzige unterirdische Nekrople in Rom, die heute noch Gebeine enthält. Die Kirche SS. Nereo e Achilleo trug ursprünglich den Titel San Fasciola und war die älteste Titelkirche der römisch-katholischen Kirche. Der Titel San Fasciola stammt von den Binden - latein.: fasciola -, die Petrus angelegt worden waren, um die von seiner Fesselung in Ketten herrührenden Wunden zu behandeln. Er soll sie auf der Flucht aus dem Gefängnis oder nach anderer Darstellung auf dem Weg zu seinem Martyrium an dieser Stelle verloren haben.

* Pontia liegt nicht in der Ägäis, wie im Martyrologium Romanum erläutert, sondern im Tyrrhenischen Meer; es ist die heutige Insel Ponza.

Catholic Encyclopedia


Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Friedrich Wilhelm Bautz. In: Friedrich-Wilhelm Bautz (Hg.): Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon, Bd. I, Hamm 1990
• Prof. Helmut Bouzek, E-Mail vom 8. Dezember 2011
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