Ökumenisches Heiligenlexikon

Eberhard von Salem
auch: von Rohrdorf

Gedenktag katholisch: 14. April

Name bedeutet: stark wie ein Eber (althochdt.)

Abt in Salem
* um 1160 auf Burg Benzenberg in Rohrdorf oder in Meersburg in Baden-Württemberg
† 1245 (?) in Salem in Baden-Württemberg

Kartenskizze

Münster im Kloster Salem

Münster im Kloster Salem

Eberhard war Zisterzienser und von 1191 bis zu seinem Tod - also 50 Jahre lang - Abt des Klosters Salem. Er führte es zu großer Blüte. 1201 traf er auf dem Reichstag in Ulm mit Erzbischof Eberhard II. von Salzburg zusammen; der Erzbischof übernahm ein besonderes Schutzmandat für Salem und schenkte dem Kloster eine Salzgrube in Waltbrunnen bei Hallein. Der Herzog von Bayern sicherte dem Kloster freies Geleit zu, so konnte es ohne Zoll das Salz nach Salem bringen. Der dadurch wachsende Wohlstand versetzte das Kloster bald in die Lage, den Besitz bis an die Donau und nach Esslingen am Neckar im Norden sowie bis nach Chur in Graubünden im Süden auszudehnen. In Städten wie Überlingen, Konstanz, Esslingen, Ulm u.a. besaßen die Verwaltungshäuser des Reichsstiftes, die Salmannsweiler Höfe, besondere Privilegien wie Steuer-, Zoll- und Abgabenfreiheit. Das aufblühende Kloster förderte Kunst und Wissenschaft.

Der Historiker Arno Borst schildert in seinem Buch Mönche am Bodensee das karge Leben der Zisterzienser zur Zeit des Abtes Eberhard: Benedikt von Nursia hatte seine Regel auf den Süden Italiens zugeschnitten, Wilhelm von Hirsau die Reformen von HirsauDie Reformen von Hirsau gingen im 11. / 12. Jahrhundert aus vom Benediktinerkloster Hirsau im Schwarzwald. Sie nahmen die Reformen von Cluny auf, ohne aber deren Orientierung auf das zentrale Mutterkloster zu übernehmen. Das Ziel der von Abt Wilhelm verfassten „Consuetudines Hirsaugienses” war die strenge Lebensweise der Mönche wie in Cluny im Hinlick auf Tagesablauf und Liturgie sowie die Organisation der Klostergemeinschaft. Die Rechte der Bischöfe und Vögte wurden - entgegen den ursprünglichen Zielen - nicht eingeschränkt. für den kalten Schwarzwald abgemildert; die Zisterzienser befolgten sie, als schiene in Oberschwaben immer die Sonne. Die am längsten benutzten Räume, Klosterkirche und Schlafsaal, waren ungeheizt. Die maximale Aufenthaltserlaubnis in der Wärmestube betrug für Gesunde täglich eine halbe Stunde, nachts war die Wärmestube geschlossen, geöffnet war sie nur von Ende Oktober bis Ende April. Im übrigen Jahr ist der Ofen aus, und wenn es noch so kalt wird. Die Körperpflege wurde gegenüber Hirsauer Bräuchen eingeschränkt, als führte sie nur zur Verweichlichung. Warme Bäder waren für Gesunde verboten, neben der Krankenküche stand ein einziger Badezuber für Kranke. Am Lavabo, dem romantischen Brunnen beim Kreuzgang, wusch man vor jeder Mahlzeit die Hände, an jedem Morgen den Kopf, an jedem Samstag die Füße. Rasur war bloß achtmal jährlich erlaubt. Die Mönche rasierten sich gegenseitig mit Schermessern, die der Klosterschmied hergestellt hatte, keine Präzisionsinstrumente. Die Kleidung war rauh und dünn; Mäntel, Pelzkragen und Unterkleider, wie man sie in Hirsauer Klöstern trug, waren verboten. Die Kutten bestanden aus heimischer Wolle, kratzig und ungefärbt. Wenn sie, was selten geschah, gewaschen wurden, nahmen sie die weiße Färbung von Drillichen an. Die Schuhe wurden aus Kuhleder verfertigt.

Das Schlimmste war der Hunger bei gleichzeitiger Arbeitsbelastung. Auch hier wurden HirsauerDie Reformen von Hirsau gingen im 11. / 12. Jahrhundert aus vom Benediktinerkloster Hirsau im Schwarzwald. Sie nahmen die Reformen von Cluny auf, ohne aber deren Orientierung auf das zentrale Mutterkloster zu übernehmen. Das Ziel der von Abt Wilhelm verfassten „Consuetudines Hirsaugienses” war die strenge Lebensweise der Mönche wie in Cluny im Hinlick auf Tagesablauf und Liturgie sowie die Organisation der Klostergemeinschaft. Die Rechte der Bischöfe und Vögte wurden - entgegen den ursprünglichen Zielen - nicht eingeschränkt. Milderungen verschmäht. Frühstück in Salem: Fehlanzeige. Im Sommer während der Hauptarbeitszeit täglich zwei Mahlzeiten, mittags Gemüse, grobes Gerstenbrot, Dickmilch und ein Stück Käse; abends Milchsuppe. Im Winter eine Mahlzeit täglich, in der Fastenzeit auf den Abend verlegt, tagsüber Hunger. Jeden Freitag in der Fastenzeit bloß Wasser und Brot. Eine besondere Vergünstigung vor Ostern, an drei Wochentagen zusätzlich fünf kleine Fische ohne Beigabe. Ein Zisterzienser verlor jeden Geschmack, zum Beispiel konnte Bernhard von Clairvaux Schweineschmalz nicht mehr von Butter unterscheiden. Zusätzliche Lebensmittel aus Spenden kamen zu Eberhards Zeit kaum je auf den Tisch, Fleisch, Fett und Eier gar nicht, lediglich für Kranke und Alte. Das waren die wenigsten. Man hat ausgerechnet, dass die meisten Zisterzienser mit achtundzwanzig Jahren starben; ihr Durchschnitt lag weit unter der allgemeinen Lebenserwartung des zwölften Jahrhunderts, die mit 35 Jahren für moderne Verhältnisse erschreckend niedrig war.

Nach Arno Borst liegt Eberhards Bedeutung darin, dass er das bisher kaum geformte Gebiet zwischen Überlingen und Ravensburg - den alten Linzgau - wirtschaftlich, geistlich, politisch erschlossen hat. Im Jahr 1240 trat Eberhard wegen Altersschwäche von seinem Amt als Abt zurück. Nach den Klosterchroniken starb er erst fünf Jahre später.


Quellen:

• Kratzige Kutten, kaltes Wasser und grobes Gerstenbrot. Stuttgarter Zeitung, 24. Oktober 2007
• http://de.wikipedia.org/wiki/Eberhard_von_Rohrdorf
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