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Elisabeth, Tochter von Erbprinz Ludwig von Hessen-Darmstadt, dem späteren Großherzog
Ludwig IV., erhielt bei ihrer lutherischen Taufe den Namen Elisabeth zu Ehren der
Stammheiligen
des hessischen Fürstenhauses, Elisabeth
von Thüringen. Ihre ältere Schwester wurde die Frau des letzten russischen
Zaren Nikolaus II.
Elisabeth wuchs nach dem frühen Tod ihrer Mutter unter der Obhut ihrer
Großmutter, der englischen Königin Victoria, auf. Im Alter von 19 Jahren
heiratete sie den russischen Großfürsten und Zarenbruder Sergej Aleksandrovic.
Großfürst Sergej war ein Mensch, der einer patriarchalischen
Gesellschaftsordnung anhing, zudem - trotz charakterlicher Schwächen - ein
frommer Mann. 1888 unternahm er mit seiner Gattin 1888 aus Anlass der Einweihung
der russischen Kirche auf dem Ölberg in Jerusalem
eine Pilgerfahrt ins Heilige Land. Die Reise wurde Elisabeth zum Anstoß, in die
Orthodoxe Kirche überzutreten.
Sie selbst begründet dies in Briefen an ihren
Bruder Ernst Ludwig: Ich tue es mit so brennendem Glauben, da ich fühle, dass
ich eine bessere Christin werden kann und einen Schritt auf Gott hin tue. ...
Ich tue dies aus der Überzeugung, dass es die höchste Religion ist.
Friedrich August Kaulbach: Portrait, um 1885 im Palast in Pavlovsk

Elisabeth beschäftigte sich nun immer stärker mit der sozialen Frage und arbeitete intensiv in verschiedenen Hilfswerken mit. Im Russisch-Japanischen Krieg organisierte sie Lazarettzüge und richtete im Kreml-Palast Werkstätten für Verbandszeug ein. 1905 explodierte unweit der Wohnung des großfürstlichen Paares eine Bombe, die der Sozialrevolutionär Ivan Kaljaev geworfen hatte und die ihren Mann, Großfürst Sergej tötete. Sie besuchte daraufhin den Attentäter vor seiner Hinrichtung im Gefängnis, um ihn zur Reue zu bewegen, und gründete aus ihrem Besitz den Martha-Marien-Konvent, ein Kloster ganz neuer Art für Russland. Als Vorbild dienten ihr dabei die in Deutschland entstandenen Diakonissenanstalten.
Elisabeth wurde daraufhin von Bischöfen protestantischer Häresien
beschuldigt, zumal sie die Wiederbelebung der im ersten Jahrtausend in der
orthodoxen Kirche praktizierten
Diakonissenweihe anstrebte, was sich aber nicht
durchsetzen ließ. Auch der Einfluss der Zarin und über diese von Rasputin wurde
- zu Unrecht - vermutet. 1910 konnte die Einsegnung der ersten 17 Schwestern,
stattfinden, darunter die von Elisabeth selbst. Schon 1912 zählte die Gemeinschaft der
Kreuzes-Schwestern der Liebe
, wie sie jetzt hießen, 60 Mitglieder, bei der
gewaltsamen Auflösung 1918 waren es 105. Allein im Jahr 1913 wurden 139.443
Essen an Bedürftige ausgegeben. Zudem gab es dort eine Sterbeklinik, ein
Waisenhaus, ein kleines Krankenhaus mit Operationssaal, eine Ambulanz, eine
Bibliothek und andere soziale Einrichtungen. Als Elisabeth Elendsviertel in
Moskau
besuchte, ersuchte die Polizei sie, diese einzustellen, da man sie - die
Schwester der Zarin! - dort nicht schützen könne; Elisabeth antwortete, sie
danke für die Sorge, aber sie wäre in Gottes Hand und nicht der der Polizei.
In politischer Hinsicht hielt sich Elisabeth sehr zurück; es war aber bekannt,
dass sie mit den Reformplänen des Ministerpräsidenten Stolypin sympathisierte
und zu den entschiedenen Kritikern des rasputinschen Einflusses auf Hof und
Staat gehörte. Sie unternahm einen - erfolglosen - Versuch, ihre Schwester, die
Zarin, seiner
Macht zu entziehen; nach der Ermordung Rasputins versicherte sie 1916 der Mutter
des Attentäters ihrer Gebete wegen der patriotischen Tat Ihres lieben Sohnes
.
Nach der Machtergreifung der Bolschewisten wurde Elisabeth am dritten Tag der Osterwoche 1918, dem Fest der Iberischen Ikone der Gottesmutter verhaftet und nach Alapaevsk nördlich von Ekaterinburg gebracht; ihre Mitschwester Varvara (Barbara) konnte sie begeleiten. In der Nacht vom 5./18. Juli 1918 wurden die Gefangenen von örtlichen Bolschewisten ermordet, indem man sie in einen etwa 30 m tiefen Schacht stürzte. Tagelang dauerte dort ihr Leiden, wobei Elizaveta die anderen Opfer stärkte, bis auch sie verschied.
Nach dem Einmarsch der Weißen
, der Revolutionsgegner, wurden die Gebeine
der Großfürstin und anderer Ermordeten aus dem Schacht geborgen. Als im Jahr
danach die anti-kommunistischen Truppen den Rückzug antreten mussten, konnte der
Priestermönch Serafim die Gebeine von Elisabeth und Varvara retten und in die
russische Kirche nach Peking / Beijing
bringen. Auf Intervention ihrer jüngeren Schwester Victoria, einer englischen
Marquioness, wurden die Särge der beiden Ordensfrauen 1920/21 auf einem
britischen Kreuzer nach Jerusalem
gebracht und in der Kirche auf dem Ölberg beigesetzt, bei deren Weihe 1888
Elisabeth dabei gewesen war. Dort ruhen sie bis heute.
2003 wurde in Moskau der Frauenkonvent Martha-Marien wieder gegründet. Ein Jahr danach wurde am Ort der Ermordung von Elisabeta ein Männerkloster gegründet, das das Andenken an die deutsche Prinzessin wach halten und ihr im Dienst der Barmherzigkeit nacheifern will.
Kanonisation:
Bei der Bischofssynode der Russisch-Orthodoxen
Kirche im Ausland wurde 1992 die
feierliche Kanonisation der Großfürstin Elisabeta, der Gründerin des
Martha-Marien-Konventes in Moskau
vorgenommen, denn sie weihte ihr frommes christlichen Leben der Wohltätigkeit,
der Hilfe an den Armen und Kranken
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