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Michael Kolland wurde als fünftes von sechs Kindern einer armen Holzknechtsfamilie
im Lochhäusl
in Ramsau
geboren. Er wuchs in sehr ärmlichen Verhältnissen auf und war ein sehr
lebhafter Junge, der bereits als Schulkind sehr gerne und fleißig betete.
Seine Eltern, Kajetan und Maria Kolland gehörten zu den Protestanten, die
seit der Reformation im geheimen überlebt hatten und 1731 der Vertreibung
entgingen. 1816 kam das Zillertal an Österreich kam, die Genehmigung einer
evangelischen Gemeindegründung wurde vom Kaiser untersagt, 1837 befahl
Ferdinand I. für alle am Augsburger Bekenntnis festhaltenden Zillertaler die
Auswanderung. Sie übersiedelten mit einigen der Kinder nach Rachau
in der Steiermark. Nach einer Unterredung seines Vaters mit dem Fürsterzbischof
konnte Michael dennoch das Erzbischöfliche Gymnasium in Salzburg
besuchen.
Dort hatte Michael erhebliche Lernprobleme, dazu Konflikte mit älteren
Mitschülern, er musste das Gymnasium zunächst verlassen und konnte erst in einem
zweiten Anlauf im Jahr 1847 das Abitur machen. Unmittelbar danach bat er um
Aufnahme im Franziskanerorden; 1850
legte er die Profess ab und nahm den Ordensnamen Engelbert an; 1851 wurde er
von Erzbischof Johannes
Nepomuk von Tschiderer in Trient
zum Priester geweiht. Nach ausführlichen philosophischen und theologischen
Studien verbrachte Engelbert einige Jahre in Bozen,
wo er sich vor allem dem Fremdsprachenstudium widmete: er lernte neben
Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch vor allem auch Arabisch.
1855 wurde er als Missionar in das Heilige Land entsandt. In Briefen berichtete
er über die Ergriffenheit und Rührung, die ihn beim ersten Anblick von
Jerusalem
übermannte. Die ersten beiden Monate verbrachte er in der Grabeskirche,
dann wurde er ins Pauluskloster
nach Damaskus
versetzt. Mit großer Neugier und Offenheit begegnete er den orientalischen
Bräuchen und Sitten. Sein ehrliches Ringen um die Menschen in der Seelsorge,
seine unermüdliche Hilfsbereitschaft und seine ausgezeichneten Arabischkenntnisse
öffneten ihm die Herzen der Gläubigen in der Umgebung des Klosters, die ihn bald
schon Abouna Malak
, Vater Engel
, nannten.
Statue in der Kapelle seines Geburtsortes Ramsau
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Schon kurz nach der Ankunft von Engelbert in Damaskus kam es immer wieder zu Spannungen zwischen der christlichen Minderheit und den Drusen, einer von den Muslimen nicht anerkannten Sekte. 1860 folgte eine große Christenverfolgung in Damaskus, der neben 8500 Christen und 50 Priestern auch Engelbert und seine Mitbrüder im Pauluskloster zum Opfer fielen: Die Brüder hörten das Wüten in der Stadt, blieben aber im Kloster, da sie sich hinter den Klostermauern sicher glaubten. Ein Verräter zeigte aber den Mördern einen geheimen Zugang zum Kloster; Engelbert versuchte zu fliehen, wurde aber verfolgt, eingeholt und, nachdem er seinen Glauben standhaft bekannte, mit einer Axt erschlagen. Außer Engelbert starben im Pauluskloster die sieben spanischen Franziskaner Manuel Ruiz, Carmelo Volta, Nicanor Ascanio, Pedro Soler, Nicolás María Alberca, Francisco Pinazo und Juan Jacobo Fernández, dazu drei leibliche Brüder und Mönche, die der Maronitenkirche angehörten, namens Franziskus Massabki, Mooti Massabki und Rafael Massabki.
Engelberts Grab ist im Pauluskloster in Damaskus.
Kanonisation:
Am 10. Oktober 1926 wurde Engelbert gemeinsam mit den anderen zehn Märtyrern
des Paulusklosters in Rom
seliggesprochen.
Altarbild in der Kapelle seines Geburtsortes Ramsau

Auf einmal schrie der Mukkari (= Eselstreiber): Monte Oliveto, Ölberg. Wenige Minuten später sah ich die Heilige Stadt. Bei diesem Anblick weinte ich wie ein Kind. Ich vergaß alle Müdigkeit und stieg vom Pferde. Bei dem Gedanken, dass in dieser Stadt mein Herr und Heiland auch für mich sein kostbares Blut vergossen hat, musste ich stille Tränen weinen. Schlag drei Uhr nachmittags, also um dieselbe Stunde, in der Jesus starb, war ich in den Gassen Jerusalems, und zwar zu Fuß. Wo Jesus sein schweres Kreuz getragen, wollte ich auch zu Fuß gehen.
In einem Brief an seinen geistlichen Freund Pater Markus berichtete er über
die Arbeit in Damaskus:
Was mein Wirken dahier anbelangt, so beschränkt es sich größtenteils
nur auf unsere Pfarrei, die im Ganzen nur 220 Seelen beträgt. Bei uns im Tirol
könnte man als Curat einer solch kleinen Pfarrei ganz ruhig und gemächlich leben;
bei dem arabischen Volke aber habe ich mehr als genug zu thun. Es sind bisweilen
Tage, wo ich den ganzen Tag auf den Füßen bin. Der Curat muss sich hier in Alles
mischen. Gibt 's einen Streit, so ruft man den Curat; ist ein Kind, sei es nur
einen Tag alt, krank, so muss ihm der Curat einige Evangelien über den Kopf
herabbeten. Will sich einer verehelichen, so muss der Curat die Braut verlangen
und den Heiratskontrakt abschließen. Entflieht das Weib ihrem Manne, was sehr oft
geschieht, - so muss ihr der Curat nachlaufen und sie nach endlosem Zureden und
Drohen wieder nach Hause bringen. Testamentsangelegenheiten sind gänzlich ihm
übergeben. Und dann erst die Armenversorgung, Hauszinse, Kleider, Arzt, Arzneien
hat der arme Curat zu verschaffen.
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon
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