Gedenktag katholisch: 19. April
Name bedeutet: der Befreiende / der Herbeischaffende /
der zum Krieg bereit Machende / der Nützliche (latein.)
Expedit-Statue in der Franziskanerkirche in Fribourg

Die Legende erzählt von Expedit, er sei Kommandant der 12. römischen Legion La Fulminante
,
die Schlagkräftige
, gewesen. Expedit war demnach Soldat in dieser Legion. Als der
eine Niederlage drohte, sahen viele der Soldaten ihre letzte Hoffnung im Gebet
zum Gott der Christen; tatsächlich kam ein großer Sturm auf, die Gegner verloren
die Orientierung, die Schlacht wurde gewonnen, Expedit und viele der Soldaten - darunter
auch Rufus, Gaius, Galatas, Aristonis und Hermogenes -
bekehrten sich. Nach ihrer Entdeckung blieben sie standhaft bei ihrem Glauben und wurden
als Märtyrer enthauptet.
Die Verehrung von Expedit breitete sich von Armenien aus nach Süddeutschland, wo er
angeblich mit seiner Legion zuvor stationiert war, dann nach Süditalien und Sizilien
sowie nach Spanien. In Frankreich wird er besonders in Pau
und Marseille
verehrt. Expedit wird dargestellt als Soldat, der ein Kreuz mit der Aufschrift Hodie
, Heute
,
in der Hand hält und gilt als Patron für alle Angelegenheiten, die schnelle Hilfe benötigen; mit den
Füßen zertritt er einen Raben als Symbol des Unglaubens, der Cras
, Morgen
, krächzt.
Expedit wird auf der Pazifikinsel Réunion
auf Grund eines Missverständnisses verehrt: Zu den Nonnen nahe der Stadt St.
Paul wurde im 17. Jahrhundert von Rom
aus eine Kiste mit Reliquien gesandt, mit der italienischen Aufschrift espedito
,
Aussendung
; die Nonnen hielten das für den Namen des Heiligen und nannten nun
den nach der einheimischen Voodoo-Tradition blutrot angestrichenen Schrein nahe
ihres Klosters nach ihm.
Inzwischen gibt es auf Réunion um die 350 Expedit-Schreine an Straßenkreuzungen, auf jedem Hügel, mitten im Urwald; die Schreine dienen als Betsaal und dem Volksglauben als Schildwache gegen die Schrecken der Nacht. Den Hindus auf Réunion gilt Expedit als Inkarnation ihres Gottes Vishnu, muslimische Inder auf der Insel verehren die Expedit-Schreine wie Sufi- Schreine in ihrer Heimat.
Unter Papst Pius X. wurde Expedit 1906 endgültig aus dem römischen Heiligenkalender
gestrichen. Einschlägigen Fachlexika des 19. und 20. Jahrhunderts schweigen unter
dem Stichwort Expeditus, nur das Kirchliche Handlexikon
von 1907 berichtet
ausführlicher: In neuester Zeit sah sich Rom
genötigt, gegen ungesunde Auswüchse dieses Kultus, der sich besonders seit Mitte des
19. Jahrhunderts ... entwickelt hat, einzuschreiten.
Dem war zum Jahreswechsel
1905/06 eine wissenschaftliche Diskussion in der Jesuitenzeitschrift
Civilta Cattolica
vorangegangen. Es ging um den Versuch, aus dem spätantiken
Martyrologium des Hieronymus
das hohe Alter eines Expeditus-Kultes nachzuweisen. Dem wurde aber entschieden
widersprochen und deshalb der Heiligenkalender bereinigt. Tatsächlich geht Expeditus'
Verehrung - insbesondere in Frankreich und Süditalien verbreitet - höchstens bis ins
18. Jahrhundert zurück. Seit 1781 ist er Schutzpatron der sizilianischen Stadt Acireale.
Die Ausbreitung des Kultes in Amerika geht wohl zurück auf europäische Einwanderer in Argentinien, Chile und Brasilien, wo eine Stadt nach ihm benannt ist. Von dort gelangte er wohl auch in das bolivianische Tiefland rund um die Stadt Santa Cruz. Dort fördern Expeditus-Gesellschaften den Bau von Kirchen und Kappellen. In New Orleans in den USA wird er als Schutzpatron der Computerbastler.
Attribute:
Schwert, Kreuz
Patron
von Réunion (inoffiziell)
und von Acireale
auf Sizilien; der Schüler und Studenten bei Prüfungen, der Schifffahrer, Kaufleute
und Computerbastler; in dringenden Angelegenheiten, zur Vermittlungen in Meinungsverschiedenheiten
Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon