|
|
Gemälde im Schloss Steißlingen
bei Stockach 
Markus Roy war Sohn des wohlhabenden Stadtschultheißen von Sigmaringen,
der das Gasthaus Adler
- heute Traube
- bewirtschaftete *.
Er studierte und promovierte 1601 in Philosophie in Freiburg
und studierte danach Jura. 1605 bis 1610 bereiste er als Hofmeister
adeliger junger Männer Frankreich, Italien und die Niederlande zum
Erlernen der Sprachen, zu Studien über den Weltlauf
und
Vervollständigung seiner Ausbildung; 1611 wurde er zum Doktor des
kirchlichen und weltlichen Rechts promoviert. 1611 bis 1612 wirkte er
als Gerichtsrat in Ensisheim
im Elsass, wobei er sich das Prädikat Advokat der Armen
erwarb.
Enttäuschung und Verbitterung über Fehlurteile und Misswirtschaft
veranlassten Markus Roy 1612, in den Kapuzinerorden
einzutreten mit dem Ordensnamen Fidelis. Hätte ich einen noch härteren
Orden gefunden, worin ich in vollkommener Weise Gott dienen und das
Seelenheil des Nächsten hätte fördern können, ich wäre in denselben
eingetreten
, bekannte er. Im selben Jahr verfügte er in einem Testament
ein bis heute existierendes Stipendium für arme Studenten seiner Heimatstadt.
Er wurde in Konstanz
zum Priester geweiht und studierte bis 1617 in Freiburg,
wo schon sein Bruder Ordensmann war, Theologie. Fidelis widmete sich
der Buße und der Sühne, setzte ganz auf die Kraft des Gebetes, verlängerte
freiwillig die Gebetszeiten, betete auch bei der Arbeit und fastete
streng über Monate hin.
In der Zeit des dreißigjährigen Krieges, der Zeit unerbittlicher und
verbissener konfessioneller Streitigkeiten, wirkte er als Seelsorger, Prediger
und Klosterleiter in Altdorf
in der Schweiz, Kientzheim
im Elsass, ab 1618 in Rheinfelden
und ab 1620 in Fribourg
in der Schweiz, rekatholisierend um für seinen Orden werbend. Seine Predigten
machten lange Wanderungen notwendig, durch Schnee, Regen und Kälte wurde
er geschwächt, schließlich krank; schon zu jener Zeit unterschrieb er seine
Briefe mit Bruder Fidelis, in Kürze eine Speise der Würmer
. 1621
wurde er Guardian im Kloster in Feldkirch
in Vorarlberg, wo 1605 die neue Klosterkirche geweiht wurde.
Statue in der Seraphin von Montegranaro
geweihten Kirche in Montegranaro

1621 besetzten die Österreicher das untere Engadin
und den Prättigau
in der Schweiz, es begann die gewaltsame Rekatholisierung der den
protestantischen Graubündnern entrissenen Landesteile. Fidelis kümmerte
sich nun als Seelsorger und Feldprediger um die österreichischen
Soldaten. 1622 wurde er zum Leiter der von der römischen Congregatio de
Propaganda Fide
, der Kongregation für die Ausbreitung des Glaubens
,
für Hoch-Rhätien und Graubünden
gegründeten Mission. Als er unter militärischem Schutz am Palmsonntag
1622 in der Kirche in Seewis
predigte und zur Rückkehr zum katholischen Glauben aufforderte, kam es zu
Tumulten. Als im Nachbardorf Schiers
die Kirche von Österreichischen katholischen Truppen angezündet wurde, kam es
auch in Seewis zu Panik und Tumulten: die Bauern greifen zu Dreschflegeln
und improvisierten Waffen; die Österreicher wollten fliehen, Fidelis forderte
sie aber zum Kampf auf, dabei wurde er von Bündner Soldaten unweit der Seewiser
Kirche erschlagen und an dieser Stelle auch zunächst verscharrt. Aufstände im
ganzen Prättigau hatten insgesamt den Rückzug der Österreicher zur Folge.
Im Herbst 1622 kamen die Österreicher wieder und nahmen grausame Rache, das ganze Dorf Seewis wurde niedergebrannt, es gab viele Tote. Fidelis Leichnam sollte nun nach Feldkirch übertragen werden, kam aber auf Anordnung des Bischofs von Chur in die Gruft der dortigen Kathedrale; nur sein Kopf und die linke Hand kamen in die Kapuzinerkirche nach Feldkirch.
Das 1992 errichtete Fidelisbrünneli
am Ort seines Todes in Seewis ![]()
Fidelis wurde zum ersten Märtyrer des Kapuzinerordens.
Reliquien ruhen heute auch im ehemlaigen
Kapuzinerinnenkloster Maria der Engel
in Appenzell
und in Stuttgart,
ein Armreliquiar ist in der Stadtpfarrkirche St. Johann in Sigmaringen
aufbewahrt.
Kanonisation:
Am 12. März 1729 wurde Fidelis von Papst Benedikt XIII. selig-, am 29. Juni 1746
von Papst Benedikt XIV. heiliggesprochen. 1926 wurde er zum Patron von Hohenzollern
ernannt.
Attribute:
Streitkolben und Schwert
Patron
von Hohenzollern, Vorarlberg,
Sigmaringen
und Feldkirch;
der Juristen; gegen Kopfschmerzen; in Gerichtsangelegenheiten; für die Ausbreitung
des Glaubens; der Erzdiözese Freiburg i.Br. ; zweiter Patron der Diözese Feldkirch
Bauernregel:
Wenn's friert an St. Fidel, / bleibt's 15 Tag noch kalt und hell.
Fidelis' Reliquien in der Krypta
der Kathedrale
in Chur ![]()
* Das Fidelishaus
in Sigmaringen
war nicht das Geburtshaus, wie das traditionell angenommen wurde, sondern
es war mit hoher Wahrscheinlichkeit der ehemalige Adler
.
|
Sollte hier eine Anzeige erscheinen, deren
Anliegen dem unseren entgegensteht, benachrichtigen
Sie uns bitte unter Angabe der URL dieser Anzeige, damit diese Werbung nicht mehr erscheint.
|
||||||||||||||||||||