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Ökumenisches Heiligenlexikon

Franziskus von Assisi

italienischer Name: Francesco
Taufname: Francesco Giovanni di Pietro Bernardone

Gedenktag katholisch: 4. Oktober
gebotener Gedenktag
Hochfest in Libyen, im Orden der Franziskaner-Observanten und im Kapuzinerorden
Fest in Italien, im Erzbistum Mailand, im Dominikanerorden und bei den Bethlehemschwestern
Ordenskalender der Marianer von der Unbefleckten Empfängnis
Gedenktag III. Klasse      Im alten Messbuch entspricht die III. Klasse einem gebotenen Gedenktag. Grundsätzlich werden offiziell alle Klassen als „Feste” bezeichnet, da der Rang ja nicht durch das Wort „Fest”, sondern durch die Klasse gekennzeichnet wird.
Die Feste III. Klasse sind außerhalb der geprägten Zeiten (Advent, Weihnachtsoktav, Fastenzeit, Osteroktav) immer zu feiern, wenn sie nicht von einem Fest I. oder II. Klasse verdrängt werden. Innerhalb der geprägten Zeiten können sie in der Regel nur kommemoriert, aber nicht gefeiert werden.

Fest im Bistum Bologna: 5. Oktober
Übertragung der Gebeine: 25. Mai
Empfang der Stigmata: 17. September
Fest im Orden der Franziskaner-Observanten und im Kapuzinerorden: Empfang der Stigmata: 17. September

Gedenktag evangelisch: 3. Oktober (EKD), 4. Oktober (ELCA)

Gedenktag anglikanisch: 4. Oktober

Name bedeutet: der kleine Franke (latein.)

Ordensgründer
* 1181/82 in Assisi in Italien
† 3. Oktober 1226 im Kloster Portiuncula, heute Santa Maria degli Angeli bei Assisi in Italien

Kartenskizze Kartenskizze Kartenskizze

Francesco Giovanni war der Sohn eines wohlhabenden Tuchkaufmannes Pietro Bernardone und seiner französischen Ehefrau Giovanna Pica; das Elternhaus kann bis heute besichtigt werden. Als Jüngling bekam er den Rufnamen Francesco wegen seiner von der Mutter geerbten Vorliebe für die französische Sprache und ritterlich-höfisches Leben. Er führte ein fröhliches und sorgloses Leben und wollte Ritter werden. Nach einer Schlacht zwischen Assisi und Perugia bei Collestrada 1202 wurde er über ein Jahr in Perugia festgehalten und litt während seiner Gefangenschaft an einer schweren Krankheit, die ihn zu seiner Bekehrung führte. 1203 wurde er aus der Gefangenschaft befreit. 1205 beteiligte er sich an einem Feldzug nach Apulien, empfing aber unterwegs in Spoleto im Traum eine Vision, die ihn vom Soldatenleben Abschied nehmen und nach Assisi zurückkehren ließ. Hier pflegte er einen Leprakranken, der ihm begegnet war. Schon in jener Zeit galt er als Sonderling und hatte unter Spott zu leiden; er aber ging geduldig wie ein Taubstummer und mit heiterem Gesicht durch die Menschenmenge. Sein Vater machte sich Gedanken, was den Sohn wohl zu solcher Gelassenheit trotz aller Kränkungen und zu solcher Weltverachtung motivierte.

Für die Wiederherstellung der kleinen Kirche San Damiano etwas außerhalb von Assisi verkaufte Franziskus im Jahr 1207 einige Tuchballen aus dem Besitz seines Vaters und wurde von diesem der Überlieferung nach erst eingesperrt - der Raum wird bis heute gezeigt - und dann zur Rede gestellt; Franziskus entledigte sich der Überlieferung nach vor den Augen des Bischofs und einer großen Menge Zuschauer aller seiner Kleider und entsagte dem Erbe mit den Worten Weder Geld noch Kleider will ich von dir, von jetzt an nenne ich nur noch einen Vater, den im Himmel! Er rannte nackt aus der Stadt und verabschiedete sich so von Herkunft und Gesellschaft. Während einer Messe im Jahr 1208 vernahm Franziskus in der Kirche San Damiano eine vom Kreuz her zu ihm erschallende Stimme, die ihn mit dem Wortlaut des Matthäusevangeliums aufforderte, in die Welt zu gehen, allem Besitz zu entsagen und Gutes zu tun (Matthäusevangelium 10, 5 - 14). 1207 bis 1209 führte er ein Einsiedlerleben, währenddessen wird ihm der Aufbau von zwei anderen zerstörten Kirchen zugeschrieben.

Alte Freunde neckten ihn, seine Braut heiße nun Armut. Die Berufung zur Armut, zu hilfreicher Tat und Predigt legte er seiner Regel mit der Gründung des Ordens der Minderbrüder, Minoriten 1209/10 zugrunde: er versammelte zwölf Apostel um sich, die die ersten Brüder des späteren Ersten Ordens der Franziskaner wurden, Franz zu ihrem Oberhaupt wählten und mit ihm in den Hütten des heutigen Rivotorto lebten; Franziskus hielt sich hier von 1208 bis 1211 auf.

Giotto di Bondone: Franziskus predigt den Vögeln, Fresko, 1297 - 99, in der Oberkirche der Basilika San Francesco in Assisi

Giotto di Bondone: Franziskus predigt den Vögeln, Fresko, 1297 - 99, in der Oberkirche der Basilika San Francesco in Assisi

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Viele betrachteten Franziskus als Sonderling, dennoch faszinierte Franziskus' tiefer Ernst, seine glühende Liebe zu Gott und zur Schöpfung, seine Zuneigung zu den Menschen immer mehr. Er verzauberte die Menschen geradezu. Wenn er in die Stadt kam - so wird berichtet -, ließen die Leute die Glocken läuten, die Geistlichen freuten sich, die Männer frohlockten, die Frauen freuten sich mit, die Kinder klatschten in die Hände und zogen Franziskus mit Blätterwedeln entgegen, so wie damals die Menschen in Jerusalem Jesus entgegenzogen; er wurde wie aus einer anderen Welt kommend angesehen und verehrt. 1210 unternahm er zusammen mit einigen Brüdern eine Wallfahrt nach Rom, um von Papst Innozenz III. die Erlaubnis zum Leben in Armut und zur Laienpredigt zu erhalten; die ersten, einfachen, später verloren gegangenen Ordensregeln wurden vom Papst mündlich gebilligt, nachdem er die Vision eines zu seinen Füßen aufwachsenden Palmbaums hatte, in der ein armer unbekannter Mönch die berstenden Mauern der Laterankirche in Rom stützt.

Von den Benediktinern bekam Franziskus 1211 die kleine Kirche Santa Maria degli Angeli unterhalb von Assisi geschenkt; Franziskus nannte sie Portiuncula, kleines Fleckchen, und baute daneben zunächst bescheidene Hütten für die wachsende Zahl seiner Gefährten, woraus später ein Haus und das Stammkloster der Franziskaner wurde. Noch im selben Jahr eröffnete er das erste weitere Kloster, die Einsiedelei Le Celle bei Cortona. 1212 nahm Franziskus Klara von Assisi, eine junge Nonne adliger Abstammung, in seine Gemeinschaft auf. Durch ihre Bekehrung wurde die Schwesterngemeinschaft der Klarissinen gegründet, der spätere Zweite Orden der Franziskaner.

Die Überlieferung berichtet eine für Franziskus typische Geschichte: Ein reißender Wolf versetzte die Umgebung der Stadt Gubbio in Angst und Schrecken. Franziskus wollte ihm entgegentreten; aber die Bürger warnten ihn: Hüte dich, Bruder Franz! Geh nicht vors Stadttor! Der Wolf hat schon viele gefressen, er wird auch dich jämmerlich töten! Franziskus ging dennoch ohne jeden Schutz zum Wolf in den Wald, nannte ihn seinen Bruder und versprach ihm, für die tägliche Nahrung zu sorgen. So zähmte er ihn; der Wolf lebte noch zwei Jahre. Von Tür zu Tür ließ er sich in Gubbio versorgen, ohne jemandem Leid anzutun. Nie bellte ein Hund gegen ihn, die Leute fütterten ihn freundlich, bis er schließlich an Altersschwäche starb. Für Franziskus ist die ganze Schöpfung Gottes gute Gabe, das unterscheidet Franziskus vom dualistischen Weltbild der Katharer.

Orginalbrief von Franziskus an seinen ständigen Gefährten Leo, im Dommuseum in Spoleto

Orginalbrief von Franziskus an seinen ständigen Gefährten Leo, im Dommuseum in Spoleto:
Bruder Leo, dein Bruder Franziskus mit (dem Wunsch nach) Gesundheit und Frieden. Und wie ich dir versprochen habe, mein Sohn, als eine Mutter, will ich alle Worte, die wir neulich gesprochen habe, hier kurz wiederholen und dich wie folgt beraten: dass durch alle Mittel, die du verwendest, um dich für unseren Herren Gott bereit zu machen und seinem Bespiel und seiner Armut zu folgen, du unter unseres Herren Gott Segen und mit meiner Erlaubnis handelst. Aber wenn du wollen solltest für das Heil deiner Seele oder für anderen Trost und wünscht, zu mir zu kommen, Bruder Leo: komme, wenn du willst.

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Gegen Ende des Jahres 1212 machte sich Franziskus auf den Weg ins Heilige Land, erlitt jedoch Schiffbruch und sah sich zur Rückreise gezwungen Eine Begegnung mit Dominikus und ein Traum, der beide bestätigt, wird von Dominikus erzählt. Als Wanderprediger kam Franz 1212 nach Dalmatien, 1213 - 1215 bis nach Südfrankreich und Spanien und kam als Wallfahrer auch nach Santiago de Compostela. Er wurde als poverello weithin bekannt und innig verehrt; durch seine süße Rede beeindruckte er die Menschen und wurde Troubadour Gottes genannt.

Durch Franziskus' Predigt und seinen vorbildlichen Wandel entstanden schon zu seinen Lebzeiten zahlreiche Klöster auch jenseits der Alpen; sie erlangten in den wachsenden Städten neben denen der Dominikaner entscheidende Bedeutung für Armenpflege, Seelsorge und Predigt. Immer wieder betonen die Zeugnisse Franziskus' sanftmütige Demut allen Menschen und auch der armen Kreatur gegenüber - alle waren ihm Schwester und Bruder, auch Sonne, Mond und Tod, wie es sein Sonnengesang ausdrückt und wie es die verschiedenen Legenden von der Vogelpredigt zeigen. 1217 wurden die ersten Ordensprovinzen gebildet, 1220 die Einrichtung des Noviziats geschaffen; 1221 sind Ordensleute in ganz Europa, in Nordafrika un im Heiligen Land aktiv.

Als Franziskus lebte, war die Gesellschaft im Umbruch von einer rein bäuerlich strukturierten Gesellschaft zu einer, in der es erste Städte und Anfänge einer echten Geldwirtschaft gab. Das geregelte Leben der Benediktiner fand auf diese Umbrüche zunächst keine Antwort; Franziskus wollte nun keinen neuen Orden gründen und kein Regelwerk vorgeben, sondern in der Zeit der Umbrüche einfach eine Gemeinschaft bilden, die nach dem Vorbild Jesu lebt. Gegen die Gewalt von Machthabern stellte er Jesu Gewaltverzicht, gegen die Geldwirtschaft das Prinzip der Armut; das Heil des Menschen war ihm wichtiger als das Vermögen. Franziskanischer Geist ist der Protest und ein Modell gegen die bürgerlich-kapitalistische Gesellschaft. Franziskus lebte im Horizont des ewigen Heils, die vorläufige Pilgerschaft in der Welt wird geprägt von den Notwendigkeiten der Gegenwart.

Fresko: Franziskus' und seiner Brüder Abreise ins Heilige Land, im Santuario Joseph von Copertino in Osimo

Fresko: Franziskus' und seiner Brüder Abreise ins Heilige Land, im Santuario Joseph von Copertino in Osimo

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Bei weiteren Reisen im Rahmen des 5. Kreuzzuges gelang es Franziskus zwar 1219, in Ägypten zu predigen, jedoch nicht, den Sultan el Malik el Kamil bei einer Begegnung im September in Damiette - dem heutigen Dumyat - in Ägypten zu bekehren. Franziskus bot den muslimischen Priestern die Feuerprobe an: er sei bereit, durch ein Feuer zu schreiten um zu beweisen, welcher Glaube der richtige sei. Der Sultan jedoch wagte diese Entscheidung nicht. Von dort aus zog Franziskus weiter ins Heilige Land, wo er bis 1220 blieb. Er erkrankte an Malaria und einer Augenkranheit, kehrte in die Heimat zurück, fand er die Ordensbrüder in Uneinigkeit vor und trat 1221 von der Leitung des Ordens zurück.

Die nächsten Jahre verbrachte er mit der Planung eines neuen Ordens - des späteren Dritten Ordens, der Tertiare der Franziskaner: ein Orden für Menschen, die in der Welt nach Ordensregeln leben wollen. Eigentlich wollte Franziskus für sich und seine Brüder keine Ordensregeln, ihm genügte die Botschaft Jesu: Willst Du vollkommen sein, so geh hin, verkaufe, was du hast, und gib es Armen (Matthäusevangelium 19, 21), aber das Leben in der Gemeinschaft brauchte doch eine Ordnung. 1221 entstand auf Drängen des Papstes die Regula non bullata, die nicht bestätigte Regel, 1223 die von Papst Honorius III. bestätigte endgültige Regel, die Regula bullata des Franziskanerordens. Zwar sah Franziskus die Gefahr von Institutionaliserung und KlerikalisierungEin Kleriker ist in der orthodoxen, katholischen, anglikanischen und altkatholischen Kirche ein geweihter Amtsträger, der eine der drei Stufen des Weihesakraments - Diakon, Priester oder Bischof - empfangen hat. Im Unterschied zu den Klerikern bezeichnet man die anderen Gläubigen als Laien. Angehörige von Ordensgemeinschaften gelten, wenn sie nicht zu Priestern geweiht sind, als Laien und in der Orthodoxie als eigener geistlicher Stand. In den protestantischen Kirchen gibt es keine Unterscheidung von Klerus und Laien., aber er wollte dennoch den Füßen der römischen Kirche unterworfen sein, um Häresie und Vagantentum zu vermeiden; dies unterschied seine Bewegung von der der Waldenser.

Caravaggio: Franziskus in Ekstase, um 1595, Wadsworth Atheneum in Hartford in Connecticut/USA

Caravaggio: Franziskus in Ekstase, um 1595, Wadsworth Atheneum in Hartford in Connecticut/USA

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1222 zog Franziskus sich zurück in die Einsamkeit von La Verna, einem kleinen Kloster. 1223 feierte er im Wald nahe Greccio in einem echten Stall in einer Felsgrotte mit Ochs und Esel und einer strohgefüllten Krippe die Geburt Christi, um so der Bevölkerung die Geburtsgeschichte Jesu näher zu bringen. Dabei fehlten allerdings Darsteller von Maria, Joseph und dem Jesuskind; deshalb kann er nicht wirklich als der Urheber der Weihnachtskrippen von heute gelten.

Kloster auf dem Felsen La Verna, wo Franziskus stigmatisiert wurde

Kloster auf dem Felsen La Verna, wo Franziskus stigmatisiert wurde

Auf seine Bitte, am Leiden Jesu Anteil haben zu dürfen, wurde er am Michaelistag - nach anderer Überlieferung am Tag der Kreuzfindung - des Jahres 1224 nach 40 Tage langem Fasten auf dem Berg La Verna stigmatisiert: der Gekreuzigte in Gestalt eines Seraphs, von sechs Seraphenflügeln überhöht und bedeckt, oder von einem solchen getragen, neigte sich ihm; seitdem trug Franziskus, vom Leidenserlebnis Christi durchdrungen, die Wundmale an Händen, Füßen und an der Seite, aber er verheimlichte sie, so dass sie erst bei seinem Tod erkannt wurden; dies war die erste bezeugte Stigmatisierung der Kirchengeschichte. Nun lebte er in der von ihm als erste Niederlassung außerhalb von Assisi gegründeten Einsiedelei Le Celle bei Cortona.

Die Entbehrungen und die Erschöpfung beeinträchtigten zunehmend seine Gesundheit, schließlich drohte Franziskus auch zu erblinden. Zur Behandlung kam er nach Siena, doch er lehnte weitere medizinische Hilfe ab, diktierte sein Testament und ließ sich unter großem Geleit in sein Ursprungskloster Portiuncula unterhalb von Assisi zurücktragen. Dort starb er auf bloßem Boden liegend, nackt, um auch im Sterben Jesus ähnlich zu sein, laut singend, umgeben von seinen Ordensgenossen, mit denen er gemeinsam und in froher Erwartung von Bruder Tod das Abendmahl gefeiert hatte. Als sein Gesang verstummte, zwitscherten die Lerchen, heftig und plötzlich in die folgende Stille hinein.

El Greco: Die Stigmatisierung des Franziskus, 1577 - 1579, im Prado in Madrid

El Greco: Die Stigmatisierung des Franziskus, 1577 - 1579, im Prado in Madrid

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Seine Brüder bestatten Franziskus auf seinen Wunsch hin vor der Stadt Assisi an der Stelle, die damals Höllenhügel genannt wurde, weil dort die Verbrecher, Prostituierten und Diebe in einem Massengrab verscharrt wurden. Mit ihnen, den Allerletzten, wollte er begraben sein. Über seinem Grab wurde unmittelbar vor der Heiligsprechung von Franziskus mit der Grundsteinlegung durch den Papst 1228 mit dem Bau der Doppelkirche San Francesco begonnen - sie besteht aus zwei übereinander gebauten Kirchen; 1253 wurde der Bau fertig gestellt; heute heißt der Hügel Colle del Paradiso, Paradieshügel. Aus Angst vor Reliquienräubern blieb die genaue Lage der Grabstätte zunächst unbekannt, sie wurde erst 1818 wieder gefunden; nun wurde das Grabmal geschaffen.

Zahlreiche Heilungen und Wunder folgten dem Pater seraphicus auch nach seinem Tod. Franziskus' Verehrung breitete sich durch die Fülle und Innigkeit der unmittelbar nach seinem Tod aufgezeichneten Legenden rasch aus. Sie sind erhalten in seinem Testament und in den 1228 verfassten Legenden der drei Gefährten, die 1318 mit den Tagebuchnotizen des Bruders Leo, des ständigen Begleiters von Franziskus, als Speculum perfectionis zusammengefasst wurden. Der Vita des Franziskanerbruders Thomas von Celano folgte die des späteren Ordensgenerals Johannes Bonaventura, als Legenda maior 1260 verfasst. Auf diesen Grundlagen beruhen die 60 Taten und Wundererzählungen in der Legenda Aurea. Bis heute wallfahren hunderttausende Menschen nach Assisi. Reliquien werden auch in Rom, Arezzo, Florenz, Cortona und Kriens in der Schweiz verehrt.

Franziskus verhinderte mit seinem Wirken die Entfremdung der Armusbewegung seiner Zeit von der Kirche und erschloss der Kirche neue Formen des Glaubenslebens mit hohem Erlebniswert, großer Herzlichkeit und persönlicher Verbindlichkeit. So wurde er im Unterschied zur erstarrten Kirche zum glaubwürdigen Zeugen der Nachfolge Christi. Viele Bereiche des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens empfingen und empfangen bis heute wichtige Anregungen von dem Dichter, Friedensstifter, Ökologen und Urbild eines neuen Menschen.

Neben den ersten Hütten und der ersten Gebetsstätte, wo Franziskus mit seine ersten Brüdern lebte, im heutigen Rivotorto, wurde 1455 eine Kapelle, dann über den Hütten in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts eine große Kirche erbaut.

Kirchlein Portiuncula, heute in der großen Kirche S. Maria degli Angeli unterhalb von Assisi

Kirchlein Portiuncula, heute in der großen Kirche Santa Maria degli Angeli unterhalb von Assisi

Auch unter den Hindus ist Franziskus der bekannteste christliche Heilige. Einige elementare Lebensinformationen genügen, um Franziskus besonders zu schätzen und ihn in die spirituellen Vorstellungen der hinduistischen, buddhistischen und jainistischen Wandermönche zu integrieren, da zahlreiche Übereinstimmungen und Berührungspunkte zu den Lebensgeschichten indischer Heiliger bestehen.

Kanonisation: Die Heiligsprechung erfolgte schon am 16. Juli 1228 durch Papst Gregor IX. 1916 wurde Franziskus zum Patron der Katholischen Aktion ernannt, 1939 zum Patron Italiens, 1980 erklärte ihn Papst Johannes Paul II. zum Schutzpatron der Ökologen.
Attribute: mit den Wundmalen Jesu, Kruzifix, Weltkugel, Totenkopf, mit Tieren wie Wolf, Lamm, Fischen und v. a. Vögeln
Patron von Italien und Assisi; der Armen, Lahmen, Blinden, Strafgefangenen, Schiffbrüchigen und Umweltschützer; der Weber, Tuchhändler, Schneider, Kaufleute, Flachshändler, Tapetenhändler, Sozialarbeiter; der Katholischen Aktion, der Sozialarbeit und des Umweltschutzes; gegen Kopfweh und Pest

Der Sonnengesang - Text des berühmten Hymnus

Geschichten von Franziskus, erzählt von Fulbert Steffensky

Franziskus wird von einem einfachen Mann geehrt: Ein einfacher Mann aus Assisi breitet die Gewänder vor dem Heiligen Franziskus auf dem Boden aus und erbietet seinem Schritt Ehre und bestätigt obendrein, daß Franziskus von Gott inspiriert und jeglicher Reverenz würdig sei, da er bald großartige Dinge vollbringen und deshalb von allen geehrt werden müsse Giotto di Bondone: 28 Szenen aus dem Leben von Franziskus in der Oberkirche der Basilika San Francesco


Erdgeschoss des Elternhauses von Franziskus in Assisi Kindheit und Jugend in Assisi


Die ersten Hütten der ersten Brüder von Franziskus in der Kirche - Santuario Rivotorto Die erste Unterkunft von Franziskus und seinen Brüdern, heute das Santuario Rivotorto


Fassade der Basilika Santa Maria degli Angeli Basilika Santa Maria degli Angeli - „Portiuncula”


Die Einsiedelei „delle Carceri” bei Assisi Die Einsiedelei „delle Carceri” bei Assisi


Die Einsiedelei „delle Carceri” bei Assisi Das Kloster Greccio


Gesamtkomplex der Basilika di San Francesco in Assisi Die Basilika di San Francesco in Assisi


Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon

Catholic Encyclopedia

Literatur zu Franziskus und Assisi

Der Franziskaner Thomas von Celano verfasste im Auftrag von Papst Gregor IX. 1228/29 die erste Lebensbeschreibung von Franziskus. Diese Vita prima S. Francisci und die 1246/47 ebenfalls von ihm, diesmal im Auftrag des Ordens geschriebene Vita secunda S. Francisci sowie sein 1250 bis 1252 niedergeschriebener Bericht über die von Franziskus bewirkten Wunder, den Tractatus de miraculis S. Francisci, gibt es online in deutscher Übersetzung.

Die andere, jahrhundertelang offizielle Biographie verfasste (Johannes) Bonaventura, auch sie ist online zu lesen. Sie verwendete Thomas von Celanos Werke, glättete aber vieles auf die von Bonaventura vertretene offizielle Lehre des Ordens und der katholischen Kirche hin ist deshalb historisch recht wertlos.

Schriften von Franziskus gibt es online zu lesen in den Documenta Catholica Omnia.

Über die Höhle La Verna und die Stigmatisierung von Franziskus dort informiert die Website La Verna - eine Schicksalshöhle des heiligen Franziskus von Franz Lindenmayr.

Eine schöne und informative Webseite über Franziskus mit ausführlichen Informationen über sein Leben und Wirken und den Ort Assisi heute hat Matthias Werdelmann.

Olivier Messiaen komponierte und textete eine 1983 uraufgeführte Oper über Franziskus unter dem Titel Saint François d'Assise.

Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon

Oft wird Franziskus' Name falsch geschrieben: Franziskus von Assissi - Assisi hat aber hinten nur ein S!


Web 3.0 - Leserkommentare:

Ich schätze Ihren Einsatz und Ihre Mühe. Das ist wirklich sehr, sehr gut und verdienstlich. Aber bitte stellen Sie folgendes richtig: Der Heilige heißt im Deutschen seit je Franz von Assisi. Es gibt keinen Grund, das zu latinisieren. Gerade auch bei dem neuen Papst ist es wieder ärgerlich, dass manche Journalisten, vielleicht weil es pompöser klingt, Franziskus sagen.
Man mag einwenden: Der Name Franz macht wenig her. — Ja, in der Tat. Aber genau das, die Bescheidenheit, ist doch franziskanisch!
Beste Grüße

Prof. Dr. Martin Hochhuth, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau über E-Mail, 26. April 2013




Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 00.00.2014
korrekt zitieren:
Joachim Schäfer: Artikel

Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• P. Ezechiel Britschgi: Name verpflichtet. Christiana, Stein am Rhein, 1985
• Hiltgard L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Reclam, Ditzingen 1984
• http://www.kathweb.de/port/artikel/263.php
• http://www.br-online.de/land-und-leute/thema/krippen/index.xml?theme=print
• http://oe1.orf.at/club/downloads/61695.html
• Convento Frati Cappuccini - Eremo Le Celle: Programma 2011 - 2012
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl. Bd. 4. Herder, Freiburg im Breisgau 1995