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Wilhelm Zimmer: Ölgemälde, 1906, in der Westfälische Diakonissenanstalt Sarepta
in Bethel
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Friedrich von Bodelschwingh, Sohn eines hohen preußischen Beamten und späteren
Ministers, wuchs im gutbürgerlichen, entschieden christlichen Elternhaus auf,
als Kind in Koblenz,
ab 1842 in Berlin,
wo der Kronprinz und spätere Kaiser Friedrich Wilhelm III. zu seinen Spielkameraden
gehörte. Sein Hauslehrer eröffnete ihm auch Einblicke in das Leben der Armen;
Bodelschwingh bekam Eindrücke vom Leben, von Hunger, Böße und Elend der
Armen, ganz besonders aber auch von dem unbillig großen Abstand zwischen arm
und reich
, wie er damals notierte. Als 1848 Aufstände in Berlin gewaltsam
niedergeschlagen wurden, verlor sein Vater das Amt des Innenministers, die
Familie kehrte nach Westfalen zurück. Bodelschwingh verabscheute trotz
seiner sozialen Einsichten den Zorn des Pöbels
- zeitlebens vertrat
er die Auffassung, die Monarchie sei gottgegebene Ordnung, und er blieb dem
Herrscherhaus der Hohenzollern verbunden.
Nach dem Abitur in Dortmund
verbrachte von Bodelschwingh Lehrjahre als Landwirt auf Gut Gramenz
in Pommern; hier sah er das Elend der Landarbeiter, versuchte gegen ihren Alkoholismus
anzugehen und sie mit Hilfe von christlichen Traktaten zu missionieren. Im
Alter von 24 Jahren beeindruckte ihn ein Büchlein über die Arbeit der Basler
Mission
in China; er wollte Missionar werden und entschloss sich zum
Theologiestudium. Seine angeschlagene Gesundheit verhinderte einen Einsatz
in der Mission. Von 1858 bis 1864 wirkte er deshalb als Pfarrer in einer
Gemeinde der armen deutschen Fremdarbeiter in Paris
und kümmerte sich um deren Not; auch er selbst wohnte in einer einfachen
Holzhütte. In jener Zeit heiratete er seine Cousine Ida. 1864 wurde er
Pfarrer in Dellwig
im Ruhrgebiet; auch hier kam ihm die soziale Not ganz nahe. Er machte die
Gottvergessenheit
der Gesellschaft verantwortlich für die soziale
Frage
und setzte sich mit seiner von der Erweckungsbewegung geprägten
Frömmigkeit ein gegen ein sattes Christentum
und die damals
vorherrschende liberale Theologie
. 1869 starben der Familie innerhalb
von nur zwei Wochen alle vier Kinder an Diphterie.
1872 übernahm von Bodelschwingh die Leitung der 1867 gegründeten Anstalten
für Epilepsiekranke in Bethel
- hebräisch: Haus Gottes
- bei Bielefeld, die später nach ihm benannt wurden.
Er sorgte für ein rasches Wachstum der Einrichtung - jedes Jahr konnte ein
neues Haus gebaut werden. Die finanziellen Mittel erhielt er einerseits über
seine Beziehungen in höchste Kreise, andererseits durch gezielten Aufbau der
Pfennigvereine
zum Spendensammeln in ganz Deutschland.
Die Anstalt Bethel
1885 ![]()
Von Bodelschwingh setzte sich für Arbeitslose und für Obdachlose ein, die er die
Brüder von der Landstraße
nannte. Unter seiner Führung wurden die Anstalten
erheblich erweitert, sie nahmen neben den kranken Epileptikern nun auch
Obdachlose und zahlreiche andere sozial benachteiligte Personen auf und
wurden zum größten Hilfswerk der Inneren Mission
, der diakonischen
Einrichtungen der evangelischen Kirche in Deutschland. Als Außenstellen
wurden die Häuser Wilhelmsdorf bei Bielefeld,
Freistatt bei Diepholz
und Lobetal in Berlin
gegründet. Als Mitglied im Preußischen Landtag ab 1903 setzte er ein
Wanderarbeitsstätten-Gesetz durch.
Die letzten zehn Lebensjahre von Bodelschwinghs waren von Krankheiten geprägt; nach einem Schlaganfall war er im letzten Jahr vor seinem Tod an den Rollstuhl gefesselt und übertrug die Leitung der Anstalten seinem gleichnamigen Sohn Fritz von Bodelschwingh.
Schon zu Lebeiten war von Bodelschwingh zur Legende geworden, nach seinem Tod zur
Heiligengestalt von unerschüttlicher Glaubenskraft, überquellender Liebe und
nie versiegender Barmherzigkeit, gütig und milde, von heitere Gelaassenheit,
freundlich, humorvoll, verständnisvoll und nachsichtig
- so sein Biograf Hans
Walter Schmuhl *. Auf seinem Grabstein ist zitiert, was
Grundlage des Wirkens von Bodelschwinghs war: Weil uns Barmherzigkeit widerfahren
ist, darum werden wir nicht müde
(2. Korintherbierf 4, 2).
* Hans Walter Schmuhl: Friedrich von Bodelschwingh. Rowohlt, Hamburg 2005
Biographisch- Bibliographisches Kirchenlexikon
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