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Gallus wurde der traditionellen Ăberlieferung nach von seinen frommen, adligen Eltern ins Kloster Bangor zur Ausbildung gegeben. Dort weihte ihnKolumban zum Priester. Mit ihm und elf weiteren GefĂ€hrten machte er sich um 590 auf und zog von Irland aus nach Luxeuil - dem heutigen Luxeuil-les-Bains - in Frankreich.
Moderne Forschungen gehen davon aus, dass Gallus aus der Gegend der Vogesen stammte und sich Kolumban anschloss, als dieser mit seinen GefĂ€hrten in Luxeuil - dem heutigen Luxeuil-les-Bains - lebte. Jedenfalls zog Gallus von hier aus zusammen mit Kolumban um 610 nach Alemannien. Die Missionsversuche in der Schweiz scheiterten zunĂ€chst; Gallus zerstörte dĂ€monische StĂ€tten, so in Tuggen am ZĂŒrichsee wĂ€hrend einer Predigt von Kolumban einen heidnischen Opferaltar durch Brandstiftung. Vor den Angriffen des alemannischen Herzogs Gunzo flohen Gallus und Kolumban nach Bregenz. Nach dreijĂ€hrigem Wirken - Gallus warf wieder Götzenbilder in den Bodensee - wurden sie wieder vertrieben. Gallus und Kolumban trennten sich - ob auf Grund einer schweren Krankheit von Gallus oder wegen unĂŒberbrĂŒckbarer Meinungsverschiedenheiten ist umstritten - jedenfalls zog Kolumban nun die Alpen nach Norditalien. Berichtet wird, dass Kolumban Gallus verboten habe, die EucharistieEucharistie - von griechisch „Î”Ï ÏαÏÎčÏÏΔÎčΜ, Dank sagen” - vergegenwĂ€rtigt das heilvolle Sterben Jesu Christi. Die Römisch-Katholische, die Orthodoxe und die Anglikanische Kirche nennen diese Mahlfeier im Anschluss an 1. Korintherbrief 11, 24 Eucharistie, die Evangelischen Kirchen sprechen von „Abendmahl” im Anschluss an Markusevangelium 14, 17 und 1. Korintherbrief 11, 23. zu feiern und weiter zu missionieren.
Cuonrad Sailer (?): Buchmalerei aus St. Galler Hausheilige
: Gallus beim Fischen
in der Steinach, um 1455, in der Stiftsbibliothek in St.
Gallen 
Gallus fand nun der Ăberlieferung nach den Weg nach Arbon am Bodensee zu einem Priester Willimarus, dessen Diakon Hiltibald einen fĂŒr Einsiedler geeigneten Orte kannte und Gallus zusammen mit Maginold, einem seiner drei Kaplane, zu einem Berg schickte, aus dem reichlich gesundes Wasser flieĂe: dies war die Quelle der Steinach. Legenden erzĂ€hlen, ein Otter habe Gallus beim Fischen geholfen und dafĂŒr die HĂ€lfte des Fanges abbekommen. Nach Gebet und Fasten machten sich Gallus und Maginold auf den Weg, den ihnen Luzifer mit Feuer zu verwehren suchte und der den erschöpften Wanderern kein Ende zu nehmen schien. Mit Fasten und Beten zogen sie dennoch weiter. Als Gallus stĂŒrzte, nahm er dies als Zeichen, das ihm sein Stock mit dem daran befindlichen ReliquiensĂ€ckchen gewiesen habe. Sie legten sich schlafen, denn Gallus erklĂ€rte, keine Furcht vor wilden Tieren zu haben, auch Daniel sei von den Löwen kein Unheil geschehen.
Cuonrad Sailer (?): Buchmalerei aus St. Galler Hausheilige
: Gallus und der holztragende BĂ€r,
um 1455, in der Stiftsbibliothek in St.
Gallen 
In der Nacht kam ein BĂ€r und machte sich ĂŒber die Reste des Abendessens her. Gallus befahl ihm, Holz fĂŒr Feuer und den Bau einer Zelle herbeizuschaffen, er werde dann alle Tage Brot erhalten, mĂŒsse aber auch alle anderen wilden Tiere abwehren. Andere Legenden erwĂ€hnen, dass Gallus dem BĂ€ren einen Dorn aus dem FuĂ gezogen und ihn dadurch gefĂŒgig gemacht habe. Beim nun beginnenden Bau erwies sich ein Balken als zu kurz; Gallus lieĂ alle Bauleute in seiner Zelle am Gebet und am Mahl heiligen Brotes teilnehmen - als sie zurĂŒckkamen, konnte der Balken in richtiger LĂ€nge eingefĂŒgt werden. So wurde 612 die Einsiedlerklause an der Steinach errichtet, an deren Stelle ab 719 das Kloster St. Gallen erbaut wurde.
Gallus lebte nun in dieser Einsiedelei am Bodensee, er faszinierte die etwas rauen Alemannen vor allem durch sein Wort und zeichnete sich neben seiner leidenschaftlichen Frömmigkeit durch Menschenliebe und Naturverbundenheit aus, auch Heilungen werden ihm zugeschrieben; die Tochter des Herzogs Gunzo, der ihn einst vertrieben hatte, habe er von Besessenheit geheilt und so doch noch das Wohlwollen de FĂŒrsten erhalten. Gallus war der erste Missionar in Mitteleuropa, von dem erzĂ€hlt wird, dass er sich mit den Volkssprachen befasste und nicht nur in Latein predigte. Nach und nach sammelte er eine Schar von JĂŒngern um sich, deren Leben von strenger BuĂdisziplin, Gebet und Schriftbetrachtung geprĂ€gt war. AuĂerdem wurden die Wissenschaften gepflegt - Mitteleuropa war damals Entwicklungsland, Irland dem Festland weit ĂŒberlegen.
Cuonrad Sailer (?): Buchmalerei aus St. Galler Hausheilige
: Gallus' Tod in
Arbon,
um 1455, in der Stiftsbibliothek in St.
Gallen 
Gallus schaute der Ăberlieferung nach den Tod von Kolumban im Jahr 615 - der sich erst kurz zuvor mit seinem SchĂŒler ausgesöhnt hatte - und hielt die Totenmesse fĂŒr ihn. Im selben Jahr trug man ihm an, Bischof von Konstanz zu werden, doch er lehnte ab und empfahl seinen GefĂ€hrten == Johannes. 629 kam eine Abordnung des Klosters Luxeuil - dem heutigen Luxeuil-les-Bains - in seine Zelle, um ihn als Nachfolger von Eustasius fĂŒr das Amt des Abtes zu gewinnen, auch dieses Angebot schlug er aus. In hohem Alter predigte Gallus noch in Arbon. Nach seinem Tod fand man in einem KĂ€stchen, das er bei sich getragen hatte, eine spitzige blutige Kette; Wunden an seinem Leibe entsprachen dieser Kette: mit ihr hatte er sich zur Kasteiung gegĂŒrtet, man legte sie deshalb mit in sein Grab neben dem Altar seiner Zelle.
Kloster St.
Gallen.
www.picswiss.ch
Aus der Zelle des Gallus entstand durch Otmar
das Benediktinerkloster, das Otmar nach
Gallus benannte, spÀter entwickelte sich daraus die Stadt St.
Gallen. Das Grab von Gallus war WallfahrtsstÀtte.
Nach Gallus nennen sich die Stadt und der Kanton St.
Gallen, der Ort St. Gallenkappel am ZĂŒrcher See, St. Gallenkirchen in
Vorarlberg; in Prag
trÀgt eine alte Kirche seinen Namen, seit 1880 auch der Frankfurter
Stadtteil Gallus. In seinem Namen gesegneter Wein helfe bei Fieber. St. Galli' Wein
bezeichnet Bauernwein.
Attribute:
als Mönch, als Pilger, BÀr
Patron
der Stadt St. Gallen
und des Kantons St.
Gallen; der GĂ€nse, HĂŒhner und HĂ€hne; der Fieberkranken; des Bistums St. Gallen
Gallus mit BĂ€r, Statue in der Pfarrkirche St. Michael in Sonthofen
im AllgÀu ![]()
Bauernregeln:
Bis St. Gallus mĂŒssen alle FrĂŒchte, die im FrĂŒhjahr Samen bringen sollen, aus dem Garten in den Keller.
Hedwig und St. Gall' /
machen das schöne Wetter all.
Die Hedwig und der Galle, die machen das schöne Wetter alle.
Viel Regen zu Gallus - Regen bis Weihnachten.
Wenn St. Gallus Regen fÀllt, / der Regen sich bis Weihnacht
hÀlt.
Mit St. Hedwig und St. Gall' / schweigt der Vögel Sang und Schall.
Auf St. Gallen' Tag / muss jeder Apfel in sein' Sack.
Auf St. Gallus-Tag / nichts mehr drauĂen bleiben mag.
Auf St. Gall / bleibt die Kuh im Stall.
St. Gallen / lĂ€sst Ăpfel und Schnee fallen.
Trockenheit am St. Gallus-Tag verkĂŒndet einen trockenen Sommer.
Tritt St. Gallus trocken auf, / folgt ein nasser Sommer drauf.
GieĂt Gallus wie aus einem Fass, / ist der nĂ€chste Sommer nass.
Ist St. Gallus nicht trocken, / folgt ein Sommer mit nassen Socken.
Wenn Gallus kommt hau' ab den Kohl, / er schmeckt im Winter trefflich wohl.
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon