Gedenktag katholisch: 3. Januar
in Paris: Übertragung der Gebeine: 28. Oktober
Gedenktag orthodox: 3. Januar
Name bedeutet: die sich weiträumig Bewegende (germanisch)
oder: Frau des Adels (gallisch)
oder: Tochter des Mannes, der im Recht ist (keltisch)
Charles Le Brun: Saint Geneviève, um 1635, Musée des Beaux-Arts in Rouen 
Genoveva war die Tochter von gallisch-römischen Patriziern, ihr Vater hatte den römischen Namen Severus, ihre Mutter den griechischen Gerontia. Die Legende lässt Engel über der Wiege des neugeborenen Kindes singen. Im Alter von sieben Jahren erlebte Genoveva in der heimatlichen Kirche in Nanterre zwei Wanderbischöfe, die - unterwegs nach England - Station machten und predigten. Einer der beiden war Germanus von Auxerre; er erkannte in der Siebenjährigen die zukünftige Heilige, gab ihr - mit dem Hinweis, es statt Gold und Perlen zu tragen - ein kupfernes Medaillon mit dem Kreuzzeichen und weihte sie für ein heilig zu führendes Leben.
Ihre durch ungerechte Vorwürfe erblindete Mutter heilte Genoveva mit Wasser, später wirkte sie Wunder gegen viele Arten von Erkrankungen, offensichtlich besonders wirksam auch gegen Formen der Besessenheit; Bischof Germanus musste deshalb die gegen sie erhobenen Verleumdungen, sie sei Zauberin, zurückweisen. Mit fünfzehn Jahren legte sie das Gelübde der Jungfräulichkeit ab.16-jährig ging sie nach dem frühen Tod ihrer Eltern zu einer Tante nach Paris und lebte im Dienst an Armen und Kranken. Als sie vor Erschöpfung zu sterben drohte, berichtete sie nach ihrer Genesung, Engel hätten sie bis vor Gottes Angesicht getragen.
Genovevas Gebet soll die Stadt Paris vor den Hunnen gerettet haben: Als Attila 451 auf Paris marschierte, sammelte sie der Legende nach Frauen zum Gebet und feuerte in einer leidenschaftlichen Predigt die Männer an, Maßnahmen zur Verteidigung zu ergreifen. Doch die Geängstigten, vor allem die Männer, wollten Genoveva steinigen, ja sogar in den Fluss werfen. Die Frauen jedoch ließen sich von der Jungfrau umstimmen und knieten nieder, um mit ihr zu beten. Das Wunder geschah: die Hunnen wichen zurück und umgingen die Stadt, um sich nach Orléans zu wenden - gerade dorthin, wohin die Bevölkerung hatte fliehen wollen. In derSchlacht bei den Katalaunischen Feldern - wohl nahe Troyes - wurden die Asiaten dann besiegt.
Bei einer späteren Belagerung der Stadt Paris durch die letzten römischen Truppen rettete Genoveva die Bevölkerung vor dem Hungertod: es gelang ihr, mit Schiffen aus der Stadt zu entkommen. Zwei Drachen, die an einer Seine-Biegung den Schiffen den Untergang androhten, wurden durch ihr Gebet für immer vertrieben; mit reich beladenen Schiffen kehrte Genoveva zurück und konnte allen das Notwendige austeilen. Zur Verbreitung des hristentums soll sie beigetragen haben, indem sie Chlodwig I., den Herrscher der Franken, und mit ihm das gesamte Volk, bekehrte. Sie ließ die Kirche Saint-Denis bei Paris erbauen zu Ehren von Dionysius von Paris.
Eugène Devéria (1805 - 1865): Himmelfahrt der heiligen Genoveva, Musée Carnavalet in
Paris 
Ihre große Nächstenliebe wirkte nach den Legenden viele Heilungen und hilfreiche Taten: Genoveva rettete einen vierjährigen Knaben aus einem Brunnen; mit ihrem Pallium, das sie über ihn warf, erwachte er zum Leben. Beim Bau der Kirche von St-Denis ging den Bauleuten das Getränk aus, sie ließ den Kelch holen, der sich auf ihr Gebet hin füllte und gefüllt blieb, bis der Bau vollendet war. Eine Kerze hatte ihr ein Teufel ausgeblasen, ein Engel aber wieder angezündet; auch wenn Kerzen beim Kirchgang oder in ihrer Kammer erloschen, entzündeten sie sich wieder, wenn Genoveva sie in die Hand nahm. Partikel ihrer Kerzen bewirkten Heilungen. Als der Merowinger Childerich die Stadttore schließen ließ, damit Genoveva die Gefangenen nicht befreie, eilte sie herbei, die Tore öffneten sich von selbst, und die Schlüssel blieben in ihrer Hand.
Über Genovevas Grab wurde die spätere Abteikirche Sainte-Geneviève errichtet. Auch nach ihrem Tod ereigneten sich noch zahlreiche Wunder an ihrer Grabstätte. Als im Jahr 1129 in Frankreich eine bisher unbekannte Fieberkrankheit auftrat, bei welcher menschliche Heilkunst versagte, wandte man sich an die Schutzheilige um Fürsprache - angeblich wurden alle, die gläubig ihre Reliquien berührten, geheilt. Im Mittelalter war sie die volkstümlichste Heilige Frankreichs. König Ludwig XV. ließ ihr zu Ehren 1764 die Kirche Sainte-Geneviève erneuern, die in der Französischen Revolution 1791 von der Konstituierenden Versammlung benutzt und dann zum Panthéon umgebaut wurde, der Totengedenkstätte für hochrangige französische Persönlichkeiten. Genovevas Gebeine wurden 1793 verbrannt und in die Seine geworfen; in der Kirche Saint-Étienne-du-Mont am Place Sainte-Geneviève in Paris hat man ihr ein neues Grabmal errrichtet.
Foto von Eduoard Baldus, um 1855: Das Panthéon, die Kirche St-Geneviève in Paris

Unabhängig von den in drei Hauptversionen erhaltenen Lebensbeschreibungen Genovevas ist die von den deutschen Volksbüchern aufgenommene Kreuzzugslegende der Genoveva, die dort mit ihrem Sohn Schmerzensreich vertrieben und im Wald von einer Hirschkuh ernährt wurde.
Attribute:
Kerze, Engel und Teufel, kelchartiges Gefäß und die Schlüssel von Paris
Patronin
von Paris, der Frauen,
Hirten, Winzer, Wachszieher und Hutmacher; gegen Augenleiden, Fieber, Blattern, Aussatz, Pest,
Trockenheit und Krieg
Bauernregel:
Bringt Genoveva uns Sturm und Wind, / so ist uns Waltraud
oft gelind.