die Große
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Schon als fünf Jahre altes Mädchen war Gertrud - wohl als Waisenkind - ins
Zisterzienserinnenkloster Helfta
gekommen, wo sie von der Äbtissin Gertrud
von Hackeborn, einer durch feinsinnige Bildung ausgezeichneten Frau, erzogen
und selbst Nonne wurde. Sie übersetzte Teile der Heiligen Schrift ins Deutsche.
Mit 26 Jahren hatte sie eine Vision: Sie wurde von Jesus
Christus in die Nachfolge gerufen; er hob sie über eine Dornenhecke zu sich
und führte sie davon. Vor ihrer Bekehrung wollte sie den Männern in nichts
nachstehen; von ihren damaligen Anstrengungen hatte Jesus in der Berufungsvision
gesagt: Bisher hast Du mit meinen Feinden vom Staub der Erde gegessen und aus
ihren Dornen ein paar Honigtropfen gesaugt. Komme zu mir - ich will dich trunken
machen mit dem Strom meiner göttlichen Wonnen.
In den nächsten Jahren wurde
diese mystische Christusbeziehung stetig vertieft und entfaltet.
Groß war Gertruds Liebe zu Jesus,
ebenso stark war auch ihre Liebe zu den Menschen. Stundenlang war sie den
Menschen ihrer Umgebung Zuhörerin, Ratgeberin, Trösterin. Gleichzeitig war sie
eine hochgebildete und künstlerisch begabte Frau. Als eine der großen
Mystikerinnen Deutschlands trägt sie den Ehrennamen die Große
. Ihre beiden
Hauptwerke sind der Legatus divinae pietatis
, Gesandter der göttlichen Liebe
mit der Schilderung der Offenbarungen an Gertrud und die Exercitia spiritualia
,
Geistliche Übungen
; in kunstvoller und hochpoetischer Form enthalten diese
Übungen die Zusammenfassung all ihres religiösen Wissens, Lebens und Erlebens,
zugleich auch eine Summa
des theologischen Wissens und der religiösen
Spekulationen ihrer Zeit. Die Legende erzählt von einer Vision der Mystikerin,
in der sie die sterbende Jungfrau Maria
in einem Garten sah, umgeben mit aller Arten wohlriechender Blumen.
Holzstatue von 1725, in der Klosterkirche in Arouca in Portugal
Im Zuge der Gegenreformation im 16. wurden Gertruds Werke vor allem in romanischen Ländern weit verbreitet und gelangten bis nach Südamerika. Für die katholische Frömmigkeit im 16. bis 19. Jahrhundert wurden Gertruds Offenbarungen wichtig durch Auszüge, die im erbaulichen Schrifttum aufgenommen wurden.
Kanonisation:
Gertrud wurde erst 1678 ins römische Heiligenverzeichnis aufgenommen.
Attribute:
Nonne, brennendes Herz, Buch, Kreuz, Feder
Patronin
von Peru und Tarragona
in Spanien; zweite Patronin des Bistums Magdeburg
Bauernregel:
Tummeln sich an Gertrud die Haselmäuse, / ist es weit mit des Winters Eise.
Martyrologium Romanum Flori-Legium
Im Kunstverlag
Josef Fink erschien die von Pfarrer Josef Hochenauer besorgte Auswahl: Bilder
und Gleichnisse aus dem Werk der heiligen Gertrud von Helfta.
Informationen
zu Gertrud von Helfta und ihrem Werk gibt die Homepage
von Siegfried Ringler, auf der auch seine neue Übersetzung der Exercitia
spiritualia
zu bestellen ist.
Das
neu aufgebaute Kloster Helfta ist mit eigener Hompage
im Internet.
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon
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