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Ökumenisches Heiligenlexikon

Gertrud von Helfta

Beiname: die Große

Gedenktag katholisch: 16. November
nicht gebotener Gedenktag
gebotener Gedenktag im Trappisten- und Zisterzienserorden (kann im weiblichen Zweig der Zisterzienser auch als Fest gefeiert werden)
Gedenktag III. Klasse      Im alten Messbuch entspricht die III. Klasse einem gebotenen Gedenktag. Grundsätzlich werden offiziell alle Klassen als „Feste” bezeichnet, da der Rang ja nicht durch das Wort „Fest”, sondern durch die Klasse gekennzeichnet wird.
Die Feste III. Klasse sind außerhalb der geprägten Zeiten (Advent, Weihnachtsoktav, Fastenzeit, Osteroktav) immer zu feiern, wenn sie nicht von einem Fest I. oder II. Klasse verdrängt werden. Innerhalb der geprägten Zeiten können sie in der Regel nur kommemoriert, aber nicht gefeiert werden.

Todestag: 17. November
Gedenktag im deutschen Sprachgebiet: 17. November
Diözesankalender Paderborn

Name bedeutet: die Speerstarke (althochdt.)

Nonne, Mystikerin
* 6. Januar 1256 in Thüringen
† 17. November 1302 in Helfta bei Eisleben in Sachsen-Anhalt

Kartenskizze

Schon als fünf Jahre altes Mädchen war Gertrud - wohl als Waisenkind - ins Zisterzienserinnenkloster Helfta gekommen, wo sie von der Äbtissin Gertrud von Hackeborn und ihrer Lehrerin Mechthild von Hackeborn wissenschaftlich und geistlich erzogen und dann selbst Nonne wurde. Sie übersetzte Teile der Heiligen Schrift ins Deutsche. Am 27. Januar 1281 hatte sie eine Vision: Sie wurde von Jesus Christus in die Nachfolge gerufen; er hob sie über eine Dornenhecke zu sich und führte sie davon. Vor ihrer Bekehrung wollte sie den Männern in nichts nachstehen; von ihren damaligen Anstrengungen hatte Jesus in der Berufungsvision gesagt: Bisher hast Du mit meinen Feinden vom Staub der Erde gegessen und aus ihren Dornen ein paar Honigtropfen gesaugt. Komme zu mir - ich will dich trunken machen mit dem Strom meiner göttlichen Wonnen. In den nächsten Jahren wurde diese mystische Christusbeziehung stetig vertieft und entfaltet.

Groß war Gertruds Liebe zu Jesus, ausgedrückt in der freien Hingabe an das Leiden als Zeichen der Nachfolge, ebenso stark war auch ihre Liebe zu den Menschen. Stundenlang war sie den Menschen ihrer Umgebung Zuhörerin, Ratgeberin, Trösterin. Gleichzeitig war sie eine hochgebildete und künstlerisch begabte Frau. Umfassende Brautmystik und besondere Verehrung des Herzen Jesu kennzeichneten ihre Frömmigkeit, hinzu kam die Hingabe an Gott in der Feier der Liturgie des Kirchenjahres. Als Vorbild für ihr Leben stellte Christus Gertrud seine Mutter Maria vor Augen, die Hingabe an den Sohn führte dazu, dass seine Wundmale so sehr in ihr Herz eingebrannt wurde, dass sie erlebte, wie er sein Herz gegen das ihre austauschte.

Ihre beiden Hauptwerke sind der Legatus divinae pietatis, Gesandter der göttlichen Liebe mit der Schilderung der Offenbarungen an Gertrud - wohl Anfang des 15. Jahrhunderts ins Deutsche übersetzt - und die Exercitia spiritualia, Geistliche Übungen; in kunstvoller und hochpoetischer Form enthalten diese Übungen die Zusammenfassung all ihres religiösen Wissens, Lebens und Erlebens, zugleich auch eine Summa des theologischen Wissens und der religiösen Spekulationen ihrer Zeit. Die Legende erzählt von einer Vision der Mystikerin, in der sie die sterbende Jungfrau Maria in einem Garten sah, umgeben mit aller Arten wohlriechender Blumen.

Holzstatue von 1725, in der Klosterkirche in Arouca in Portugal

Holzstatue von 1725, in der Klosterkirche in Arouca in Portugal

Als eine der großen Mystikerinnen Deutschlands erhielt Gertrud den Ehrennamen die Große. Im Zuge der Gegenreformation im 16. wurden ihre Werke vor allem in den romanischen Ländern weit verbreitet, gelangten bis nach Südamerika und prägten u. a. Petrus Canisius. Für die katholische Frömmigkeit vom 16. bis ins 19. Jahrhundert wurden Gertruds Offenbarungen wichtig durch Auszüge, die im erbaulichen Schrifttum aufgenommen wurden.

Kanonisation: Gertrud wurde erst 1678 ins römische Heiligenverzeichnis aufgenommen.
Attribute: Nonne, brennendes Herz, Buch, Kreuz, Feder
Patronin von Peru und Tarragona in Spanien; zweite Patronin des Bistums Magdeburg
Bauernregel: Tummeln sich an Gertrud die Haselmäuse, / ist es weit mit des Winters Eise.

Martyrologium Romanum Flori-Legium

Catholic Encyclopedia

Im Kunstverlag Josef Fink erschien die von Pfarrer Josef Hochenauer besorgte Auswahl: Bilder und Gleichnisse aus dem Werk der heiligen Gertrud von Helfta.

Informationen zu Gertrud von Helfta und ihrem Werk gibt die Homepage von Siegfried Ringler, auf der auch seine neue Übersetzung der Exercitia spiritualia zu bestellen ist.

Das neu aufgebaute Kloster Helfta ist mit eigener Hompage im Internet.

Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon




Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 28.10.2014
korrekt zitieren:
Joachim Schäfer: Artikel

Quellen:
• Hiltgard L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Reclam, Ditzingen 1984
• http://www.bauernregeln.net/november.html
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl. Bd. 4. Herder, Freiburg im Breisgau 1995