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Statue in der Pfarrkirche St. Martin in Meßkirch
Heimerad stammte möglicherweise aus einer adligen Familie, stand im Dienst einer wohlhabenden Dame und wurde - frühstens im Alter von 30 Jahren - Priester. Um 1006 unternahm er zahlreiche Wallfahrten durch Deutschland, nach Italien und ins Heilige Land. Nach seiner Rückkehr wollte er in Memleben ins Kloster eintreten, wurde aber abgewiesen und ging dann ins Kloster Hersfeld. Aber er weigerte sich, die Ordensgelübde abzulegen, bat um seine Entlassung, wurde vom entzürnten Abt beschimpft, ausgepeitscht und verstoßen. Er ließ sich in Kirchberg - heute ein Ortsteil der Stadt Niedenstein als Einsiedler nieder und wurde schon bald des Diebstahls in der Kapelle seines Dorfes bezichtigt und wieder vertrieben. Auch in (Kirch-)Ditmold * - heute ein Stadtteil von Kassel - wirkte Heimerad; 1012 ist eine Predigt nachgewiesen. Auch hier legte sich Heimerad mit einem Priester an, was wiederum zur Folge hatte, dass er mit Hunden aus dem Ort gejagt wurde.
Bei Bischof Meinwerk
in Paderborn
bat er um Unterkunft, wurde aber auch hier ob seiner Verwahrlosung abgewiesen,
als Teufel
bezeichnet und ausgepeitscht. Als heiliger
Narr
ertrug er weiter Schmach und Spott, schließlich fand er einen Platz
auf dem Hasunger Berg bei Kassel
und übernahm zusammen mit seinem Diener die Versorgung der dortigen Michaelskapelle,
die wohl an der Stelle einer ehemaligen heidnischen Kultstätte errichtet worden war.
Bischof Meinwerk habe ihn hier besucht und ihn um Verzeihung für seine Härte gebeten, mit Kaiserin
Kunigunde stand Heimerad
in Verbindung. Er wurde zum Hüter des Christentums im erst seit kurzem christianisierten
fränkisch-sächsischen Grenzland.
Aus dieser Zeit sind zahlreiche Wunder und Anekdoten überliefert. So erkannte Hemmo, ein Freund Heimerads, eines Tages beim Aufstieg zum Berg den Teufel, der mit einem großen Felsbrocken die Bäume am Berg zerschmetterte. Hemmo bekreuzigte sich und setzte mutig den Aufstieg fort, denn Heimerad hatte diesen Angriff vorausgesehen und Hemmo ermahnt, sich nicht zu fürchten, sondern sich zu bekreuzigen.
Heimerad starb als vom Volk hoch angesehener Wächter des Berges
.
Erzbischof Eribo von Mainz errichtete zwei Jahre nach Heimerads Tod eine Kirche an der Stelle seines Wirkens, in deren Nähe Erzbischof Siegfried I. 1074 ein Chorherrenstift gründete, das ab 1081 zum Benediktinerkloster wurde. In jener Zeit wurde Heimerads Lebensgeschichte durch den Mönch Ekkebert im Auftrag von Abt Hartwig von Hersfeld verfasst. Schnell gehörte der Hasunger Berg neben dem Grab des Sebaldus in Nürnberg zu den meistbesuchten deutschen Wallfahrtsorten. Nach der Aufhebung des Klosters im 16. Jahrhundert nahm die Verehrung Heimerads schnell ab.
Christoph Witt verfasste
Der
heilige Heimrad von Meßkirch: Pilger, Priester, Einsiedler über die Lebensgeschichte,
die er in einer Nacherzählung für das heutige Verständnis erschließt und mit Leben zu füllt,
versehen mit zahlreichen ergänzenden Anmerkungen.
* Die Überlieferung, Heimerad habe in Detmold als Einsiedler gelebt, geht auf Übersetzungsfehler von F. B. Schlereth zurück.