Ökumenisches Heiligenlexikon

Hermann der Lahme (von der Reichenau)

Gedenktag katholisch: 24. September

Gedenktag evangelisch: 24. September

Name bedeutet: der Heeresmann (althochdt.)

Abt auf der Reichenau, Gelehrter
* 18. Juli 1013 in Altshausen bei Saulgau in Baden-Württemberg
† 24. September 1054 im Kloster auf der Bodenseeinsel Reichenau in Baden-Württemberg

Kartenskizze

Hermann, Sohn des Grafen Wolfrat II. von Altshausen und von Hiltrud, war schon seit seiner Geburt spastisch gelähmt. Mit sieben Jahren kam er als Schüler ins Benediktinerkloster auf der Reichenau. Er blieb dort als Mönch, war lebenslang an seinen Tragstuhl gefesselt, konnte das Kloster nicht verlassen und nur mit Mühe sprechen. Dennoch wurde er zu einem der bedeutendsten Schriftsteller und Wissenschaftler seiner Zeit und zudem zu einem gefeierten Lehrer. Er wirkte als Mathematiker, Astronom, Musiker und Historiker, schrieb liturgische Gesänge, Gedichte. Um 1043 wurde er zum Priester geweiht, gegen Ende seines Lebens Abt seines Klosters.

Hermann schrieb eine große Chronik der Weltgeschichte von Jesu Geburt bis zu seinem eigenen Todesjahr 1054. Dabei versuchte er, die historische Chronologie durch astronomische Ereignisse zu sichern. Seine kritische, auf Anschaulichkeit bedachte Darstellung lässt kaum Einflüsse antiker Autoren erkennen.

Für Hermanns astronomisch-komputistischen Studien war die Frage nach dem Verhältnis des Menschen zu der ihm in der Schöpfung Gottes zugewiesenen Zeit der wesentliche Antrieb. Er verfasste eine Lehrschrift über die Sonnen- und Mondfinsternisse und mit dem Tabellenwerk des 1042 entstandenen Computus ein verlässliches Handbuch der Zeitrechnung (Komputistik). Hermann unterteilte erstmals die Stunde in die kleinere Einheit von 60 Minuten und revolutionierte damit die mittelalterliche Zeitrechnung. Er verfasste Anleitungen zum Bau von Uhren, Quadrantren und Astrolabien, um die Position der Gestirne zu vermessen.

Hermann war auch Musikwissenschaftler, er entwickelte eine eigene Notenschrift. Daneben trat er als Verfasser von liturgischen Werken hervor, darunter der beliebten Mariensequenz Ave praeclara maris stella. Jahrhundertelang wurden ihm auch die Marienlieder Salve Regina, das heute noch in seiner Ursprungsform in aller Welt gesungen wird, und Alma redemptoris mater zugeschrieben,

Sein Grab fand Hermann wohl in der Schlosskirche von Altshausen.

Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon

Catholic Encyclopedia

Über die Musiktheorie Hermanns von Altshausen informiert Wolfram Benz auf seiner Homepage.

Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon

Web 3.0 - Leserkommentare:

Hallo!
Vielen Dank für Ihre großartige Idee und deren Umsetzung eines ökumenischen Heiligenlexikons!
Hermann der Lahme ist mir nahe, da ich Mathematiklehrer und Musiker bin und außerdem eine besondere Verehrung für Maria habe wie er. Wenn Sie es noch nicht wissen: Es gibt eine kleine Schrift über Hermann von meinem Kollegen Hellmann (!).

Christian Klapper über E-Mail, 20. September 2009


Quellen:
• http://www.glaubenszeugen.de/kalender/h/kalh034.htm
• Charlotte Bretscher-Gisinger, Thomas Meier (Hg.): Lexikon des Mittelalters. CD-ROM-Ausgabe. J.B. Metzler, Stuttgart/Weimar 2000
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