Gedenktag katholisch: 11. Juni
Name bedeutet: die kämpferisch Schützende (althochdt.)
Hildegard Burjan stammte aus einer liberalen jüdischen Familie. Sie studierte Literatur und Philosophie in in Zürich, promovierte 1908 und studierte dann in Berlin Sozialwissenschaften. 1907 heiratete sie den Ungarn Alexander Burjan, 1909 konvertierte sie zur katholischen Kirche, nachdem sie unerwartet von einer schweren Krankheit geheilt wurde. Mit ihrem Mann zog sie nun nach Wien und brachte dort ihre einzige Tochter zur Welt, obwohl ihre Ärzte aus medizinschen Gründen dringend zu einer Abtreibung geraten hatten.
Hildegard Burjan setzte sich nun für die Rechte von Frauen ein. 1912 gründete
sie den Verband der christlichen Heimarbeiterinnen
, 1918 den Verein Soziale
Hilfe
und 1919 die religiöse Schwesterngemeinschaft Caritas Socialis
, die
bis heute Pflegeheime und ein Hospiz unterhält und sich für die Ausbildung in
Sozialberufen engagiert. 1918 wurde Hildegard Burjan Mitglied im Gemeinderat von
Wien
als Vertreterin der Christlichsozialen Partei. 1919 zog sie als erste weibliche
Abgeordnete der Christlichsozialen in den Nationalrat ein und kämpfte für die
Gleichberechtigung der Frauen; gleicher Lohn für gleiche Arbeit
zählte zu
ihren wichtigsten Forderungen. Sie wirkte mit an der Neubildung der
Österreichischen Bahnhofsmission, der Einrichtung der Familienpflege sowie der
Mittelstandsküchen. Nach dem Tod des langjährigen Bundeskanzlers, Prälat Ignaz
Seipel, initiierte sie 1932 den Bau der Christkönigskirche Gedächtniskirche für
Seipel im 15. Wiener Gemeindebezirk.
Burjan wurde später Gewissen des Parlaments
und Heimarbeiterinnenmutter
von Wien
genannt. Papst Johannes
Paul II. besuchte im Juni 1998 das Caritas-Socialis
-Hospiz in Rennweg,
und würdigte dort das Wirken von Hildegard Burjan. 2005 wurde ihr Leichnam in
die Hildegard-Burjan-Kapelle im Stammhaus der Caritas Socialis
in
Wien-Alsergrund
überführt.
Kanonisation:
Der Seligsprechungsprozess für Hildegard Burjan wurde 1963 von Kardinal Franz
König eingeleitet; die Seligsprechung erfolgt am 29. Januar 2012 im Stephansdom
in Wien.
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon