Gedenktag katholisch: 5. Juli
Gedenktag evangelisch: 11. Februar
Name bedeutet: der Denker (althochdt.)
englische Buchmalerei: Hugo als Lehrer, 13. Jahrhundert, Bodleian Library in
Oxford

Hugo trat nach der Schulzeit im Kloster Hamersleben bei Halberstadt 1113 in die als Augustiner-Chorherrenstift kurz zuvor gegründete Abtei St-Victor in Paris ein. Als Mitglied der kirchlichen Reformbewegung seiner Zeit und hochbegabter Erzieher führte er die Schule in den acht Jahren, die er sie leitete, zu hoher Blüte. Seine theologische Arbeit übte nachhaltigen Einfluss auf die Kirche aus, er verband innere Frömmigkeit und klares, positiv ausgerichtetes Denken.
Seine Studienbuch Didascalicon de studio legendi
ist eine
Wissenschaftslehre und Einführung in das Studium von Theorik, Praktik, Mechanik,
Logik und zugleich von handwerklichen Techniken wie Weberei, Schmiedekunst,
Landwirtschaft oder Jagd sowie in Grundlagen der Exegese im zweiten Teil.
Bibelkundliche Arbeiten stehen im Zentrum von Hugos Werk, weil er richtiges
Bibelverständnis als obersten Wert aller Studien ansah. Zahlreiche Kommentare
zu alttestamenlichen Schriften und eine umfassende Darstellung der Sakramente
des christlichen Glaubens
, De sacramentis christianae fidei
interpretieren
die sichtbare Welt mit ihrer Geschichte als ein Zeichensystem, das auf die
jenseitige Welt verweist. Die Weltgeschichte ist für ihn als verborgene
Botschaft Gottes theoligisch bedeutsam und mit den am Bibelstudium bewährten
Methoden deutbar.
Hugos Lehrtätigkeit und seine weit verbreiteten Schriften machten die Schule
von St-Victor zu einer der bedeutendsten des 12. Jahrhunderts, er wird auch als
der zweite Augustinus
bezeichnet.
Berühmt ist seine Lehre von den drei Augen
des Fleisches, des Verstands und
der Selbstvertiefung: Das Auge des Fleisches - die Sinne des Körpers -
erschließt die empirische Welt und das Wissen, das praktischen Zwecken dient.
Mit dem Auge des Verstands erlebt der Mensch das Innere der Seele und denkt nach
über sein Dasein. Erst die Selbstvertiefung gibt ihm aber Einblick in das
Eigentliche, nämlich den Willen Gottes und das jenseitige Leben. Petrus
Lombardus, Alexander von Hales, Bonaventura
oder Albertus Magnus stützten
sich auf Lehren Hugos; bis zur Reformation waren seine spirituellen Werke
geradezu populär.
Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon
Das
Hugo-von-Sankt-Viktor-Institut der philosophisch-theologischgen Hochschule Sankt
Georgen in Frankfurt bietet eine umfangreiche Internetseite
zu Hugo und seinem Werk.
Den
Text des Studienbuch Didascalicon de studio legendi
gibt es als
pdf-Dokument in deutscher Übersetzung von der Universität Freiburg.
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon