Ökumenisches Heiligenlexikon

Ignatius von Antiochia
auch: Theophorus

Gedenktag katholisch: 17. Oktober
     gebotener Gedenktag
     bedacht im EucharistischenEucharistie - von griechisch „ΔυχαρÎčστΔÎčΜ, Dank sagen” - vergegenwĂ€rtigt das heilvolle Sterben Jesu Christi. Die Römisch-Katholische, die Orthodoxe und die Anglikanische Kirche nennen diese Mahlfeier im Anschluss an 1. Korintherbrief 11, 24 Eucharistie, die Evangelischen Kirchen sprechen von „Abendmahl” im Anschluss an Markusevangelium 14, 17 und 1. Korintherbrief 11, 23. Hochgebet I
Gedenktag evangelisch: 17. Oktober
Gedenktag anglikanisch: 17. Oktober
Gedenktag orthodox: 20. Dezember
     Übertragung der Gebeine: 29. Januar
Gedenktag armenisch: 20. Dezember
     liturgische Feier am Montag nach dem 4. Adventssonntag
     RĂŒckfĂŒhrung der Gebeine: 29. Januar
Gedenktag koptisch: 20. Dezember
                                           1. Juli
Gedenktag syrische Kirche: 17. Oktober
Name bedeutet: I: der Feurige (latein.)
T: der GottestrÀger (griechisch)
Bischof von Antiochia, MĂ€rtyrer, Apostolischer Vater
* um 35
† 17. Oktober (?) vor 117 in Rom
Kartenskizze

Ignatius wird als SchĂŒler des Apostels Johannes angesehen, Johannes selbst soll Ignatius zum Bischof von Antiochia - dem heutigen Antakya in der TĂŒrkei - ernannt haben. Die Ă€ltesten Nachrichten ĂŒber Ignatius stammen von Polykarp von Smyrna und dann wesentlich von Eusebius von CĂ€sarea.

Ignatius soll unter Kaiser Trajan den MĂ€rtyrertod erlitten haben. Man brachte ihn demnach in einer mehrere Monate dauernden Reise nach Rom; wĂ€hrenddessen soll er er die Sieben Heilige Briefe geschrieben haben, die von Eusebius bezeugt und unter seinem Namen ĂŒberliefert sind: die ersten vier wurden in Smyrna - dem heutigen Ízmir in der TĂŒrkei - verfasst und hatten die Gemeinde in Ephesus - heute Ruinen bei Selçuk -, in Magnesia - heute Ruinen bei Ortaklar -, in Tralles - heute bei Aydın - und in Rom als Adressaten. In Troas - heute Ruinen bei Dalyan - verfasste Ignatius demnach die drei Briefe an die verfolgten Christen im GefĂ€ngnis von Smyrna sowie die Gemeinden in Philadelphia - dem heutigen Alaßehir - und in Smyrna und an deren Bischof Polykarp. Die Originale dieser Briefe sind nicht erhalten; aus dem 4. Jahrhundert stammen drei Sammlungen der Briefe in einer Lang-, einer Kurz- und einer mittleren Version.

Die Briefe sind Trost- und Lehrschreiben, immer wieder betont er seine Sehnsucht nach dem zu erwartenden Martyrium. Die Briefe von Ignatius gelten als wichtige Dokumente aus der Zeit der jungen Kirche. Im 19. Jahrhundert haben Kritiker diese sieben auf der Reise nach Rom; geschriebenen griechischen Briefe ebenso wie drei syrische, in Antiochia verfasste Briefe und auch die 13 weiteren Ignatius zugeschriebenen Briefe fĂŒr unecht erklĂ€rt. Heute werden dagegen die griechischen Briefe in ihrer Kurzform meist als echt angesehen, die anderen Briefe sowie der Bericht ĂŒber sein Martyrium gelten dagegen als mit Sicherheit unecht.

Ignatius betonte die Wichtigkeit des rechten VerstĂ€ndnisses Jesu Christi und der Einigkeit der Gemeinden, insbesondere im Kampf gegen Irrlehrer. Dazu sei die hierarchische Organisation mit den drei Ämtern Bischof, Priester und Diakon nötig - sie bildeten die Dreiheit Gott - Christus - Apostel nach. Ignatius forderte fĂŒr die Institution des Bischofs alle AutoritĂ€t in Lehr- und Ordnungsfragen und die Unterwerfung der Diakone und Laien unter die kirchliche AutoritĂ€t: Es ist klar, dass man den Bischof wie den Herrn selbst ansehen muss. Und: Wer den Bischof ehrt, wird von Gott geehrt; wer ohne den Bischof etwas tut, dient dem Teufel, hieß es in seinen Predigten. Mit der Betonung der bischöflichen AutoritĂ€t festigte er nach römisch-katholischer Lehre die organisatorischen Fundamente der jungen Kirche. Ignatius' Lehren trugen entscheidend zur Herausbildung des Gegensatzes zwischen Laientum und KlerusEin Kleriker ist in der orthodoxen, katholischen, anglikanischen und altkatholischen Kirche ein geweihter AmtstrĂ€ger, der eine der drei Stufen des Weihesakraments - Diakon, Priester oder Bischof - empfangen hat. Im Unterschied zu den Klerikern bezeichnet man die anderen GlĂ€ubigen als Laien. Angehörige von Ordensgemeinschaften gelten, wenn sie nicht zu Priestern geweiht sind, als Laien und in der Orthodoxie als eigener geistlicher Stand. In den protestantischen Kirchen gibt es keine Unterscheidung von Klerus und Laien. bei. Deswegen und wegen seines starken und leidenschaftlichen Glaubens wird er auch Theophoros, GottestrĂ€ger genannt und SĂ€ule der Kirche.

Ignatius' Anspruch an sich selbst und andere war: Wer einen Bischof ansieht, sollte Christus selbst wiedererkennen können. Er vertrat ein mystisch angehauchtes Christentum, Ziel eines Christen sei die Verschmelzung mit Gott, das Heil werde durch Gottes Einwohnung in den GlĂ€ubigen erworben; scharf grenzte er die Christen gegen AndersglĂ€ubige ab, die er - nach dem Vorbild der klaren Abgrenzung durch Jesus im MatthĂ€usevangelium 7, 15 - als tollwĂŒtige Hunde oder Bestien in Menschengestalt bezeichnete, von denen man sich fernhalten solle.

Ignatius betonte die Heilsbedeutung Christi und dessen Gottheit, die aber auch Verschiedenheit mit dem Vater und die Unterordnung unter den Vater bedeute, was aus seinem Menschsein folge. Er war der erste christliche Autor, der die Jungfrauengeburt aus Maria betonte: aus Geburt, Leiden und Auferstehung Christi komme das Heil fĂŒr die GlĂ€ubigen. Ignatius verurteilte Doketismus, der die Heilsbedeutung des Leidens Christi verkenne ebenso wie judenchristliches Beharren auf der Bedeutung der Schrifttradition, die Christus als Kern des Glaubens nicht ernst genug nehme. Ignatius war auch der erste, der den Begriff katholisch fĂŒr die Kirche verwendete.

Im Amphitheter des Flavian in Rom, spÀter Kolosseum genannt, sei Ignatius von Löwen zerfleischt worden.

Das Amphitheater des Flavian in Rom, erbaut in den Jahren 72 - 80, spÀter Kolosseum genannt

Das Amphitheater des Flavian in Rom, erbaut in den Jahren 72 - 80, spĂ€ter Kolosseum genannt, und seine Umgebung in einer Rekonstruktion. Links der Tempel der Venus und Roma, dann die Statue des Nero, davor der Konstantins-Bogen, das Kolosseum, davor eine Gladiatorenschule. Bei der Einweihungsfeier des Kolosseums unter Kaiser Titus ließen 9000 wilde Tiere und 2000 Gladiatoren ihr Leben.

Ignatius gilt der Orthodoxen Kirche als einer ihrer VÀter, er wird auch im Westen zu den Apostolischen VÀtern gezÀhlt. Alle Patriarchen von Antiochia tragen zu seinen Ehren den Namen Ignatius. Die Koptische Kirche nennt ihn Papst und Nachfolger von Petrus.

Reliquien wurden nach Antiochia zurĂŒckgefĂŒhrt, andere werden in Rom in der Kirche S. Clemente verehrt.

Attribute: Bischof, Löwe, Herz mit Christuszeichen
Patron gegen Halsschmerzen und Grind - einer Hautinfektion, die hauptsÀchlich bei kleinen Kindern auftritt

Catholic Encyclopedia

Die sieben griechischen Briefe des Ignatius gibt es in deutscher Übersetzung online zu lesen in der Bibliothek der KirchenvĂ€ter von Gregor Emmenegger, Departement fĂŒr Patristik und Kirchengeschichte an der UniversitĂ€t Fribourg.

Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon


Quellen:
‱ Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, MĂŒnchen, 2001
‱ Karl Heussi: Kompendium der Kirchengeschichte. TĂŒbingen, 1976
‱ Lexikon fĂŒr Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl. Bd. 5. Herder, Freiburg im Breisgau 1996
‱ http://de.wikipedia.org/wiki/Ignatius_von_Antiochien
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