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Irenäus war Grieche aus einer wohl schon christlichen Familie, ein gebildeter Mann und offenbar Schüler des Polykarp von Smyrna. Irenäus arbeitete als junger Mann in Lyon in Frankreich in einer Kolonie kleinasiatischer Händler. Erstmals historisch in Erscheinung trat er als Presbyter der griechischsprachigen Gemeinde der Stadt, als in einer der Verfolgungen inhaftierte Christen aus Vienne und Lyon ihn mit einem Empfehlungsschreiben und einer vermittelnden Stellungnahme zur Frage des Montanismus nach Rom schickten; dies bewahrte ihn wohl vor dem Märtyrertod, den viele Christen in Lyon während seiner Abwesenheit erlitten. Nach der Rückkehr wählte der Rest der Gemeinde von Lyon ihn - wohl 177 oder 178 - zum Bischof.
In der Auseinandersetzung mit den Lehren des Gnostizismus
und anderer Strömungen seiner Zeit verfasste Irenäus um 180 in fünf Büchern
die klassisch gewordene Polemik Adversus haereses
, gegen die
Irrlehrer
, die erste zusammenfassende Übersicht über den christlichen
Glauben als Entlarvung und Widerlegung der fälschlich so genannten Gnosis
mit ausführlichen Beweisen aus der Heiligen Schrift. Erst 1904 wurde seine
kleine Schrift Aufweis der apostolischen Verkündigung
in armenischer
Übersetzung entdeckt, die als Katechese mit christologischer Interpretation
alttestamentlicher Texte die christliche Botschaft entfaltet.
Irenäus stellte die Kirche in ihrer Ursprünglichkeit, Universalität und
Einigkeit gegen die Irrlehren, die von Abweichung und Zersplitterung geprägt seien.
Er unterstreicht die Legitimität der Kirche durch die apostolische Sukzession
der Bischöfe, beispielhaft dargestellt an den Bischöfen von Rom,
und durch das Festhalten an den einzig maßgeblichen Schriften des Alten und
Neuen Testamentes als Kanon der Wahrheit
. Irenäus entwickelte Ansätze
einer Methodenlehre der Exegese. Gegen gnostische
Vorstellungen betont er den Glauben an den einzigen Gott und Schöpfer, die
Bejahung des Lebens in der Welt, die Bedeutung der Ethik, die Erwartung der
Wiederkunft Christi. Sein Geschichtsbild ist teleologisch: der von Gottes
Händen
, d.h. Sohn und
Heiligem Geist, gebildete Mensch strebt nach Gottes Heilsplan der Vollendung
zu; Adams Sünde ist durch die
Menschwerdung Christi aufgehoben, unter Anleitung des Heiligen Geistes wird
der Mensch an Gott gewöhnt
und strebt zur Auferstehung mit Leib, Seele
und Geist - verstanden als Anteil am lebendig machenden Geist Gottes.
Irenäus bezieht sich in seinen Schriften auf Autoritäten aus Kleinasien
wie Polykarp von Smyrna und
Papias von Hierapolis,
auch Theophilos von
Antiochien liegt ihm offenbar zugrunde. Er kannte Werke von Clemens
I., Ignatius von Antiochia und
Justinus. Irenäus ist
einer der Begründer der christlichen Theologie, daher trägt er auch die
Ehrennamen Vater der Dogmatik
und Leuchte des Abendlandes
,
deshalb wird er zu den Kirchenvätern
gezählt.
Hieronymus nannte Irenäus
Märtyrer
. Gregor von Tours erwähnte,
dass Irenäus um 202 unter dem römischen Kaiser Lucius Septimius Severus den
Märtyrertod gestorben sei. Der Märtyrertod hat aber keinen historischen Beleg.
Werke
von Irenäus auf Deutsch gibt es in der Bibliothek der Kirchenväter der
Université Fribourg.
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon
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