Ökumenisches Heiligenlexikon

Irenäus von Lyon
eigentlich (griechisch): Eirenaios

Gedenktag katholisch: 28. Juni
gebotener Gedenktag

Gedenktag evangelisch: 28. Juni

Gedenktag anglikanisch: 28. Juni

Gedenktag orthodox: 23. August

Gedenktag armenisch: 23. August
liturgische Feier am 4. Montag nach dem Kreuzerhöhungssonntag

Name bedeutet: der Friedliche (griech.)

Bischof von Lyon, Märtyrer (?), Kirchenvater
* um 135 in Smyrna, heute Ízmir (?) in Kleinasien
† um 202

Kartenskizze

Irenäus war Grieche aus einer wohl schon christlichen Familie, ein gebildeter Mann und offenbar Schüler des Polykarp von Smyrna. Irenäus arbeitete als junger Mann in Lyon in Frankreich in einer Kolonie kleinasiatischer Händler. Erstmals historisch in Erscheinung trat er als Presbyter der griechischsprachigen Gemeinde der Stadt, als in einer der Verfolgungen inhaftierte Christen aus Vienne und Lyon ihn mit einem Empfehlungsschreiben und einer vermittelnden Stellungnahme zur Frage des Montanismus nach Rom schickten; dies bewahrte ihn wohl vor dem Märtyrertod, den viele Christen in Lyon während seiner Abwesenheit erlitten. Nach der Rückkehr wählte der Rest der Gemeinde von Lyon ihn - wohl 177 oder 178 - zum Bischof.

In der Auseinandersetzung mit den Lehren des Gnostizismus und anderer Strömungen seiner Zeit verfasste Irenäus um 180 in fünf Büchern die klassisch gewordene Polemik Adversus haereses, gegen die Irrlehrer, die erste zusammenfassende Übersicht über den christlichen Glauben als Entlarvung und Widerlegung der fälschlich so genannten Gnosis mit ausführlichen Beweisen aus der Heiligen Schrift. Erst 1904 wurde seine kleine Schrift Aufweis der apostolischen Verkündigung in armenischer Übersetzung entdeckt, die als Katechese mit christologischer Interpretation alttestamentlicher Texte die christliche Botschaft entfaltet.

Irenäus stellte die Kirche in ihrer Ursprünglichkeit, Universalität und Einigkeit gegen die Irrlehren, die von Abweichung und Zersplitterung geprägt seien. Er unterstreicht die Legitimität der Kirche durch die apostolische Sukzession der Bischöfe, beispielhaft dargestellt an den Bischöfen von Rom, und durch das Festhalten an den einzig maßgeblichen Schriften des Alten und Neuen Testamentes als Kanon der Wahrheit. Irenäus entwickelte Ansätze einer Methodenlehre der Exegese. Gegen gnostische Vorstellungen betont er den Glauben an den einzigen Gott und Schöpfer, die Bejahung des Lebens in der Welt, die Bedeutung der Ethik, die Erwartung der Wiederkunft Christi. Sein Geschichtsbild ist teleologisch: der von Gottes Händen, d.h. Sohn und Heiligem Geist, gebildete Mensch strebt nach Gottes Heilsplan der Vollendung zu; Adams Sünde ist durch die Menschwerdung Christi aufgehoben, unter Anleitung des Heiligen Geistes wird der Mensch an Gott gewöhnt und strebt zur Auferstehung mit Leib, Seele und Geist - verstanden als Anteil am lebendig machenden Geist Gottes.

Irenäus bezieht sich in seinen Schriften auf Autoritäten aus Kleinasien wie Polykarp von Smyrna und Papias von Hierapolis, auch Theophilos von Antiochien liegt ihm offenbar zugrunde. Er kannte Werke von Clemens I., Ignatius von Antiochia und Justinus. Irenäus ist einer der Begründer der christlichen Theologie, daher trägt er auch die Ehrennamen Vater der Dogmatik und Leuchte des Abendlandes, deshalb wird er zu den Kirchenvätern gezählt.

Hieronymus nannte Irenäus Märtyrer. Gregor von Tours erwähnte, dass Irenäus um 202 unter dem römischen Kaiser Lucius Septimius Severus den Märtyrertod gestorben sei. Der Märtyrertod hat aber keinen historischen Beleg.

Catholic Encyclopedia

Werke von Irenäus auf Deutsch gibt es in der Bibliothek der Kirchenväter der Université Fribourg.

Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon


Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl. Bd. 5. Herder, Freiburg im Breisgau 1996
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