Ökumenisches Heiligenlexikon

Jakob Picéni (von der Mark)
auch: Jacobus
italienischer Name: Giacomo de Marchia, della Marca

Gedenktag katholisch: 28. November
nicht gebotener Gedenktag im Franziskaner- und -Kapuzinerorden

Name bedeutet: der Nachgeborene
oder: Gott schützt (hebr.)

Priester, Ordenskommissar, Volksprediger
* um 1394 in Monteprandone bei Ancona in Italien
† 28. November 1476 in Neapel in Italien

Kartenskizze Kartenskizze Kartenskizze

Jakob trat 1416 in Assisi dem Franziskanerorden bei und wurde Schüler von Bernhardin von Siena. Ab 1426 an wirkte er als Volksprediger in der Toskana, in Umbrien und in den Marken. Er gründete mehrere Darlehenskassen gegen den Wucher, sogenannte Montes Pietatis. In Cardagnano bei Sarnano fällte er zwei alte Eichen und ersetzte deren Verehrung in heidnischen Kulten durch den Kult der Madonna der Eichen und eine zu ihr bis heute praktizierte Wallfahrt.

Im damals ungarischen Nagyvárad - dem heutigen Oradea in Rumänien -, wohin er 1436 kam, fällte er eine mit heidnischen Kulten verehrte Eiche. 1437 wurde er Inquisitor und Ordenskommissar in Ungarn und Böhmen, wo er energisch gegen die Hussiten auftrat. Papst Calistus III. erteilte ihm 1455 den Auftrag, die Einheit des Franziskanerordens wieder herzustellen, der sich in Observanten und Minoriten gespalten hatte; diese Bemühungen blieben erfolglos.

1462 sagte Jakob in seiner Osterpredigt, Christi am Kreuz vergossenes und auf die Erde hinabgefallenes Blut sei am Auferstehungstag nicht wieder mit seinem Leib vereinigt worden. Diese Aussage stieß bei dem Dominikaner == Jakob von Brescia auf heftige Opposition, noch am selben Tag wurde sie von den Dominikanern für häretisch erklärt. Beide Orden beschuldigten sich gegenseitig der Ketzerei, auch das Volk ergriff Partei. Papst Pius II. versuchte zu Weihnachten 1463, die Steitfrage in einer Disputation zu klären, die Entscheidung wurde jedoch aus politischen Gründen aufgeschoben.

Jakobs Brief an Johannes von Capestrano, im Museo Libreria di San Giacomo della Marca in Monteprandone

Jakobs Brief an Johannes von Capestrano, im Museo Libreria di San Giacomo della Marca in Monteprandone

Im Franziskanerkonvent seines Heimatortes Monteprandone richtete Jakob eine reich ausgestattete Bibliothek ein, von der 61 Bücher heute noch im zivilen Museum der Stadt erhalten sind, darunter ein Originalbrief an seinen Freund Johannes von Capestrano. Die Kirche des von Jakob nahe Montepradone 1449 gegründeten Klosters, dessen Kirche er der Santa Maria delle Grazie weihte, bewahrt Reliquien von beiden Heiligen; jene von Jakob ruhten bis zum Jahr 2001 in Neapel. 1543 wurde auf Kosten der Einwohnerschaft eine Jakob geweihte Kapelle angebaut; die ganze Kirche ist heute als Santuario für ihn ausgestattet, auch der Konvent trägt seinen Namen. Das kleine Haus, in dem Jakob geboren wurde, hat die Stadt 1926 - zum 200. Jubiläum seiner Heiligsprechung - als Gedenkstätte hergerichtet.

Kanonisation: Jakob wurde 1726 unter Papst Benedikt XIII. heiliggesprochen.
Attribute: Abendmahlskelch, aus dem eine Schlange entweicht

Martyrologium Romanum Flori-Legium

Die Orte, in denen Jakob predigte:
... in seiner Heimatprovinz Marken
... im übrigen Italien
... in Osteuropa und in Nahost

Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon

Santuario und Franziskanerkloster San Giacomo della Marche bei Monteprandone

Santuario und Franziskanerkloster San Giacomo della Marche bei Monteprandone

Ölgemälde, 18. Jahrhundert, im Franziskanerkloster San Giacomo della Marche bei Monteprandone

Ölgemälde, 18. Jahrhundert, im Franziskanerkloster San Giacomo della Marche bei Monteprandone


Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Hiltgard L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Reclam, Ditzingen 1984
• http://www.bautz.de/bbkl/j/Jacobus_ma.shtml
• Voce del Santario S. Giacomo della Marca - S. Maria delle Grazie 8 / 2010
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl. Bd. 5. Herder, Freiburg im Breisgau 1996
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