Gedenktag evangelisch: 2. Juni
Name bedeutet: J: Gott ist gnädig (hebr.)
F: der Friedensreiche (althochdt.)
Friedrich Oberlin, geprägt von der Frömmigkeit der Herrnhuter Gemeinschaft
des Grafen
Zinzendorf, verschreib als 20-jähriger Theologiestudent auf's Feierlichste
alles, was ich bin und habe: die Kräfte meiner Seele, die Glieder meines
Körpers, meine Vermögen, meine Zeit
Gott. Nach dem Theologiestudium
in Straßburg
war er ab 1762 zunächst als Hauslehrer bei einem Straßburger Chirurgen tätig, wo er
sich auch medizinische Kenntnisse aneignen konnte. 1767 wurde er auf eigenen
Wunsch Pfarrer in Waldersbach
im Steintal, einer der Ärmsten und verwahrlosesten Gemeinden des Elsass. Hier
wirkte er als Seelsorger, aber auch als Bauer, Arzt und Apotheker. Zunächst
öffnete er durch den Straßenbau die unwegsame Gegend für den Handel, wobei er
auch selbst Hacke und Schaufel in die Hand nahm. Dann beschaffte er geeignetes
Saatgut und richtete in seinem Pfarrgarten eine Pflanzschule mit Obstbäumen ein;
er regte an, dass jeder seiner Konfirmanden bei der Konfirmation zwei Obstbäume
pflanzen solle. Für die Bauern besorgte er Zuchtvieh, bessere Ackergeräte und
gründete eine Viehleihkasse. 1769 ließ er ein Schulhaus bauen und führte die
Schulpflicht ein. Ab 1770 gründete er - noch vor Pestalozzi, mit dem er in
Briefkontakt stand - gemeinsam mit seiner Frau eine erste Kleinkinderschule. Für
Mädchen wurde eine Stickereischule eröffnet, Frauen konnten in seiner Gemeinde
mit dem Diakonenamt betraut werden - und wurden so Vorläufer für das spätere
Berufsbild der Diakonisse.
Oberlin initiierte die Gründung von bäuerlichen Genossenschaften und sorgte ab 1773 für den Aufbau von Baumwollspinnerei-Betrieben im Steintal. 1813 konnte er den Schweizer Fabrikanten Legrand dazu gewinnen, eine Seidenbandfabrik im Steintal anzusiedeln. Damit konnte er die Not so nachhaltig lindern, dass die Bevölkerung auf das Zehnfache anwuchs und noch Mittel für andere gemeinnützige Werke abgeben konnte.
1789 begrüßte Oberlin den Ausbruch der französischen Revolution zunächst als
den Anbruch des Reiches Gottes
, obwohl er wegen seiner Gottesdienste
kurzfristig in Haft geriet. 1819 wurde er von König Ludwig XVIII. zum Ritter der
französischen Ehrenlegion ernannt. Auf Oberlins Grabstein steht: Er war 59
Jahre lang der Vater des Steintals
.
John
W. Kurtz verfasste die Biografie Johann
Friedrich Oberlin. Sein Leben und Wirken
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon