Ökumenisches Heiligenlexikon

Johann Ludwig Schneller

Gedenktag evangelisch: 19. Oktober
Name bedeutet: J: Gott ist gnädig (hebr.)
L: berühmter Krieger (althochdt.)
Missionar, Pädagoge
* 15. Januar 1820 in Erpfingen auf der Schwäbischen Alb in Baden-Württemberg
† 18. Oktober 1896 in Jerusalem in Israel
Kartenskizze





Kartenskizze

1847 wurde der Lehrer Johann Ludwig Schneller von == Friedrich Spittler zum Leiter der Missionsschule in Chrischona in Bettingen bei Basel berufen, um 1855 wurde ihm die Leitung des Brüderhauses in Jerusalem übertragen. 1860 war im Libanon zwischen maronitischen Christen und den Drusen - einer aus dem Islam hervor gegangenen Gruppe - Bürgerkrieg ausgebrochen, viele Kinder verloren ihre Eltern; Schneller reiste ins Kriegsgebiet und holte sechs verwaiste Knaben in sein Haus nach Jerusalem. Schon im ersten Jahr stieg die Zahl der betreuten Waisen auf 41 Kinder.

Schneller errichtete in diesem Waisenhaus Werkstätten mit Lehrlingsausbildung nach deutschem Muster, eine Druckerei, eine Ziegelei, eine Töpferei und landwirtschaftliche Betriebe zur Ausbildung von Bauern. Grundlage der strengen Erziehung war der Lehrplan der württembergischen Volksschulen; neben Arabisch lernten die Schüler Deutsch, Kernfach war der Religionsunterricht. 1880 wurden schon 130 Mädchen und Jungen betreut. Ab 1888 wurden in einem Seminar arabische Lehrer und Hilfspastoren ausgebildet. Um 1900 war das Gebiet des Syrischen Waisenhauses größer als das der damaligen Altstadt von Jerusalem.

Johann-Ludwig Schneller (vorn Mitte) mit seiner Familie in Jerusalem

Johann-Ludwig Schneller (vorn Mitte) mit seiner Familie in Jerusalem   

Nach Schnellers Tod führte sein Sohn Theodor die Arbeit weiter, in den 20-er Jahren konnte eine Zweigstelle in Nazaret aufgemacht werden. Nach der Errichtung des Staates Israel wurde sämtlicher Besitz als Teil der Reparationen Deutschlands für den neuen Staat enteignet, das Werk wurde in Khirbêt Qanafâr bei Zahlé im Libanon durch Hermann Schneller und in Amman in Jordanien durch Ernst Schneller - beide Enkel des Gründers - neu aufgebaut, jeweils rund 200 Kinder werden dort heute betreut und ausgebildet.

Träger dieser Arbeit sind heute protestantische Kirchen vor Ort, unterstützt vom Evangelischen Verein für die Schneller-Schulen mit Sitz in Stuttgart.

Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon





Quellen:


W3C