Gedenktag evangelisch: 22. September
Name bedeutet: J: Gott ist gnädig (hebr.)
P: der Fels (griech.)
Johann Peter Hebel war der Sohn von Dienstboten, die im Sommer in Basel,
im Winter in Hausen
im Wiesental in Baden-Württemberg, der Heimat der Mutter, arbeiteten. Schon früh
verlor Johann Peter den Vater, mit 13 Jahren die Mutter, deren Tod er neben ihr auf
einem Ochsenkarren erlebte, der sie zum erwarteten Sterben in ihr Heimatdorf bringen
sollte. Sie hat mich beten gelehrt
und auf Gott vertrauen
. Der frühe
Verlust der Eltern ist wohl ein Schlüssel für Hebels lebenslange Suche nach Heimat,
die er immer neu thematisiert. Durch die Erfahrung, bald in einem einsamen Dorf, bald
in den vornehmen Häusern einer berühmten Stadt
daheim zu sein, habe ich frühe
gelernt, arm zu sein und reich zu sein
, schrieb er 1820.
Hebel erhielt eine gute Ausbildung, konnte ab 1778 Theologie in Erlangen studieren und arbeitete ab 1780 als Hauslehrer, ab 1783 als Lehrer in Lörrach. 1791 wurde er Lehrer am Gymnasium in Karlsruhe, 1798 Professor für Hebräisch Griechisch, Latein und Naturwissenschaften an der dortigen Hochschule. Er verehrte Martin Luther wegen seiner Sprache und Unabhängigkeit, aber er erkannte auch die befreiende Gabe menschlicher Vernunft. So machte er sich eigene, unkonventionelle Gedanken über die Auferstehung Christi, über Ethik und Moral und das Schicksal der Juden, deren Fremdheit er liebte.
In den Jahren 1799 bis 1802 schrieb Hebel mundartliche Alemannische Gedichte
, in
denen er seine Sehnsucht nach der südbadischen ländlichen Heimat zum Ausdruck
brachte und die er 1803 anonym veröffentlichte. Dem alemannischen Dialekt
verhalf er damit zu literarischem Ruhm, 1820 erschien schon die fünfte Auflage.
1805 wurde er zum Kirchenrat ernannt, 1808 wurde er zum Direktor seiner Schule berufen,
ab diesem Jahr war er Herausgeber des Rheinländischen Hausfreundes
, einer
Zeitschrift mit volkstümlichen Kurz- und Kalendergeschichten. Ihre Leichtigkeit und
sanfte Ironie lassen aufatmen und beschreiben die Dinge des Alltags, bei denen es
eben nicht um Letztes, sondern Vorläufiges gehe. Die scheinnbare Allmacht der
Gegenwart wird relativiert und mit Humor gewürzt. Im prallen Leben der Alltaggeschichten
wird das Wirken Gottes als Schöpfer und Bewahrer des Lebens sichtbar, der den
Menschen nahe ist und sich nicht rein intellektuell erschließt: Unser dermaliger
philosophischer Gott steht, fürchte ich, auf einem schwachen Grund ... und seine
Verehrer ... beten eine Definition an, und zwar eine selbstgemachte. Ihr Gott
bleibt ewig ein Abstraktum und wird nie concret.
Im Alltag, im Kleinen und
Unscheinbaren soll Gott entdeckt werden.
1811 erschien die Sammlung der von Hebel selbst verfassten Beiträge im
Schatzkästlein des rheinischen
Hausfreundes
, einer in ihrem Humor bei treffsicherem Ausdruck einzigartigen und
zur Erneuerung der deutschen Sprache Wesentliches beitragenden Schrift. Material
für seine Erzählungen und seine Lyrik sammelte er beim Besuch einfacher Menschen
in ihren Häusern - daher der Titel der Geschichten; deren vielfältigen Erlebnisse
und Erfahrungen, dazu Berichte aus aller Welt in den Zeitungen verwandte er,
um anderen die Vielfalt der Welt nahezubringen, die in alledem unter Gottes Güte
steht. Seine Erzählungen strahlen epische Weisheit und politische Klugheit aus,
stellen das Leben des einzelnen eingebettet in die große Geschichte der Welt und
die noch größere der Natur unter der barmherzigen Hand Gottes vor. Dabei erheben
seine Geschichten nie den moralischen Zeigefinger, sondern laden ein zum Nachdenken
und werben um Einverständnis.
Mit Unverhofftes Wiedersehen
schrieb Hebel die schönste Geschichte der
Welt
- in diesem Urteil waren sich Franz Kafka und Ernst Bloch einig: eine
Auferstehungserzählung, in der eine alte Frau ihren 50 Jahre zuvor bei einem
Unglück verschütteten Verlobten wiederfindet.
1814 wurde Hebel Mitglied der Schul- und Kirchenleitung in Baden, 1819
Prälat und damit oberster Leiter der badischen Landeskirche, damit zugleich
auch Mitglied der 1., der Stände-Kammer des Badischen Landtags. 1821 wurde er für seine
Verdienst um die Union der reformierten und der lutherischen Kirche in Baden
zum Ehrendoktor der Theologischen Fakultät Heidelberg
ernannt. 1824 erschienen von ihm nacherzählte Biblische Geschichten
, erst
posthum ein von ihm verfasster Katechismus.
Ernst Bloch gab 1965 Hebels Kalendergeschichten neu heraus, nachdem er sich schon 1926 in einer Monografie mit Hebel befasst hatte.
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon
Selbiges Häuslein kauf ich alsdann, Stuttgarter Zeitung 10. Mai 2010