der Theologe
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El Greco: Johannes, der Evangelist, um 1600, Museo del Prado in Madrid

Johannes war der Sohn des Zebedäus und der Salome,
Bruder von Jakobus dem Älteren,
von Beruf Fischer mit offenbar energischem Charakter, der ihm von Jesus
den Beinamen Donnersohn
einbrachte (Markusevangelium 3, 17). Johannes
wurde als vierter - nach Petrus,
Andreas und seinem Bruder zum Jünger
Jesu berufen (Markusevangelium 1, 19). Er war mit diesen - ohne Andreas -
besonders im Markusevangelium dem inneren Kreis um Jesus zugehörig: Schon
bei der Auferweckung der Tochter des Jairus waren sie dabei (Markusevangelium 5,
37), dann bei der Verklärung Jesu
(Markusevangelium 9, 2), bei Jesu verzweifelten Gebet am Ölberg in der Nacht zum
Karfreitag
(Markusevangelium 14, 33). Nach dem Zeugnis des Johannes-Evangeliums war er der
einzige Jünger unter dem Kreuz, wo Jesus ihn als seinen Lieblingsjünger
bezeichnete (Johannesevangelium 19, 26). Mit Petrus war er auch der erste, der
nach der Nachricht der Frauen zum leeren Grab Jesu eilte (Johannesevangelium 20,
1 - 9).
Veit Stoß (um 1445 - 1533): Statue auf dem Hochaltar der Marienkirche in Krakau

Zusammen mit seinem Bruder Jakobus
bat Johannes Jesus, dass wir einer zu deiner
Rechten und einer zu deiner Linken sitzen werden in deiner Herrlichkeit
, was
Jesus zurückwies und ihnen Leidensbereitschaft abverlangte, die anderen Jünger
aber zu Unmut veranlasste (Markusevangelium 10, 35 - 41). Beim Abendmahl am
Gründonnerstag
lag Johannes Jesus in seinem Schoß
(Johannesevangelium 13, 23). Ihm vertraute
der sterbende Jesus seine Mutter an
(Johannesevangelium 19, 25f). Als erster der Jünger wurde er Zeuge des leeren
Grabes (Johannesevangelium 20, 4f) am Ostermorgen,
als erster erkannte er den Auferstandenen bei dessen Erscheinung am See Gennesaret
- dem heutigen Jam
Kinneret - (Johannesevangelium 21, 7).
In der Frühphase der Urgemeinde in Jerusalem
war Johannes zusammen mit Petrus die
prägende Gestalt. Beide bewirkten nach Pfingsten
die erste Heilung, die eines Gelähmten im Tempel (Apostelgeschichte 3, 1 - 11),
traten öffentlich predigend im Tempel auf und brachten damit die Autoritäten
gegen sich auf (Apostelgeschichte 4, 1f, 13), beide widersprachen unerschrocken
(Apostelgeschichte 4, 19). Beide genossen das Vertrauen der Urgemeinde so, dass
sie zur Stärkung der ersten außerhalb Jerusalems entstandenen Gemeinde in Samaria
- dem heutigen as-Samarah
- ausgesandt wurden (Apostelgeschichte 8, 14). Paulus
zählte Johannes, seinen Bruder Jakobus
und Petrus zu den Säulen
der Urgemeinde (Galaterbrief 2, 9).
Unklar bleibt, ob der Sohn des Zebedäus Johannes und der Lieblingsjünger
Johannes tatsächlich ein und dieselbe Person waren; außer der Namensgleichheit
gibt auch das Johannesevangelium dafür keinen zwingenden Hinweis.
Die Überlieferung setzt den Jünger Johannes gleich mit dem Evangelisten
Johannes, der wohl in Ephesus
- den heutigen Ruinen bei Selçuk - wirkte, wo im Kreis der Schüler des Apostels
Johannes das nach ihm benannte Evangelium und die drei ihm zugeschriebenen Briefe
entstanden. Schon Papias von
Hierapolis aber unterschied den Jünger von einem Presbyter Johannes
. *
Die Forschung kann heute den Verfasser des Evangeliums und der Briefe
nicht als den Jünger, den der Herr
liebhatte
, anerkennen. Die Verfasserangabe Johannes
im Evangelium
(1, 15) findet sich erst in späten Quellenschriften, im ersten der Briefe
fehlt sie ganz, im zweiten und dritten Brief bezeichnet sich der Verfasser
nur als Ältester
. Die Wissenschft unterscheidet auch den Knecht
Johannes
(Offenbarung 1, 1) als selbstgenannten Autor der Apokalypse von dem,
der sich als Verfasser des Evangeliums nennt (Johannesevangelium 21, 24). Alle
nach Johannes benannten Schriften im Neuen Testament gehen aber auf dieselbe
frühchristliche Denkschule zurück, die sich offenbar (Johannesevangelium 19,
35) auf einen Augenzeugen des Kreuzestodes Jesu berufen kann.
Holzschnitt von Albrecht Dürer:
Johannes in den Wolken, umgeben von 24 Ältesten, 1497 - 98, Staatliche
Kunsthalle in Karlsruhe

Ausführlich erzählt die Legenda Aurea von Johannes' Wirksamkeit in Kleinasien, wo er im Artemis-Tempel in Ephesus nicht opfern wollte. Aristodemus, der Oberpriester des Tempels, wollte nach Unruhen - die Goldschmiede fürchteten Verluste beim Verkauf ihrer Diana-Amulette - Johannes veranlassen, doch zu opfern, andernfalls müsse er das Gift zu trinken, an dem zwei Verbrecher vor seinen Augen schon gestorben waren. Johannes schlug das Kreuz über dem Kelch, das Gift entwich als Schlange, er trank ohne zu sterben, warf seinen Mantel auf die Verbrecher und diese erwachten zum Leben, worauf Aristodemus sich bekehrte.
Johannes wurde dann nach den legendarischen Berichten im Jahr 95 - es war die
Zeit Verfolgung unter Kaiser Domitian - doch noch ergriffen und nach Rom
gebracht. An der Porta
Latina soll er das Martyrium im Ölkessel erlitten haben, aber das Öl
verwandelte sich in ein erfrischendes Bad, er entstieg unversehrt und wurde
auf die Insel Patmos
verbannt, wo er demnach das Buch der Offenbarung
schrieb. Nach dem Tod
Domitians konnte er nach Ephesus,
zurückkehren, wo er mit großen Ehren empfangen wurde und sein Evangelium schrieb
Er erweckte die ihm entgegen getragene, soeben verstorbenen == Drusiana.
Nach seiner letzten Predigt unter dem Motto Kindlein, liebet euch
untereinander
stieg Johannes vor aller Augen in das neben dem Altar
vorbereitete Grab und starb in großer Lichterscheinung; noch aus dem Grab
segnete er seine Diakone.
Ältestes Zeugnis der Verehrung Johannes' ist die um 200 über seinem Grab in Ephesus errichtete und ihm geweihte Kirche, die Mitte des 6. Jajhrhunderts durch Kaiser Justinian I. zur Basilika ausgebaut wurde. Die Verehrung verbreitete sich im Westen v.a. nach dem Konzil von Ephesus. Papst Hilarius weihte ihm ein Oratorium in der Taufkapelle des Lateranspalastes; zusammen mit Johannes dem Täufer wurde ihm im 6. Jahrhundert die Basilika S. Giovanni in Laterano geweiht. Johannes' Tunika wurde dort lange Zeit unter dem Papstaltar verehrt. Papst Hadrian weihte Ende des 8. Jahrhunderts die Kirche S. Giovanni an der Porta Latina. Im deutschen Sprachraum wuchs die Verehrung erst später, gefördert durch die Legenden um Johannes.
Reste der Johannes-Basilika in Ephesus - den heutigen Ruinen bei Selçuk
Das Gedenken Johannes' in der Woche des Christfestes bezeugte schon Gregor von Nyssa 379. Ein Kalender der Syrisch-Orthodoxen Kirche aus dem 4. Jahrhundert nennt den Gedenktag für Johannes am 27. Dezember, zusammen mit Jakobus; das Lektionar der Armenischen Kirche in Jerusalem aus dem 5. Jahrhundert nannte den 29. Dezember. In der ambrosianischen Liturgie wurde Johannes ab dem 5. Jahrhundert am 27. Dezember verehrt, Jakobus am 29. Nach dem Martyrologium des Hieronymus wurde Johannes' und Jakobus' im 5. Jahrhundert zusammen am 27. Dezember gedacht. Um 780 wurde das Gedächtnis der Johannes geweihten Kirche an der Porta Latina am 6. Mai begangen - dieser Tag wurde erst 1960 aus dem Kalender gestrichen.
Wegen seiner hohen Theologie
, wird er mit einem Adler dargestellt. Die
Schlange im Kelch deutet auf den Versuch, Johannes zu vergiften. Als
Begräbnisort wird der Burghügel von Ephesus
- den heutigen Ruinen bei Selçuk - genannt. Auf der Insel Patmos
wird die Apokalypse-Grotte
am Hügel zwischen dem Johannes-Kloster und dem Ort
Patmos gezeigt, wo er angeblich das letzte Buch des Neuen Testaments verfasste.
Das große nach ihm benannte Kloster wurde 1088 gegründet, die meisten Teile
stammen jedoch aus dem 17. Jahrhundert. Es birgt Reliquien,
seltene Handschriften, Kirchenschätze und Ikonen von unschätzbarem Wert.
Johannes-Kloster auf Patmos
Am Johannestag wird der nach ihm benannte Wein, die Johannesminne
, geweiht;
ihn reicht der Priester der Gemeinde, die mit ihm die Liebe Johannes' kosten
darf und damit vor Krankheiten und Gefahren geschützt wird.
Attribute:
Adler, Kelch mit Schlange, Ölkessel
Patron
der Bildhauer, Maler, Buchdrucker, Papierfabrikanten, Papiermacher, Buchbinder,
Buchhändler, Schriftsteller, Schreiber, Beamten, Notare, Theologen, Winzer,
Metzger, Sattler, Glaser, Spiegelmacher, Graveure, Kerzenzieher und Korbmacher;
der Freundschaft; bei Brandwunden; für gute Ernte; gegen Hagel, Vergiftungen,
Brandwunden, Fußleiden und Epilepsie
Bauernregel:
Hat der Evangelist Johannes Eis, / dann macht es auch der Täufer heiß.
* Papias'
Schüler Irenäus von Lyon allerdings
sah als Verfasser von Evangleium, 1. und 2. Brief sowie der Offenbarung den Jünger
Jesu
, der in Ephesus
lebte.
Catholic Encyclopedia
Catholic Encyclopedia: Evangelium
Catholic Encyclopedia: Briefe
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon