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Bartolomé Esteban Murillo: Bonaventura (links) und Erzbischof Leander
von Sevilla, 1665 / 1666, im Museo de Ballas Artes in Sevilla

Giovanni di Fidanza wurde als Sohn eines Arztes geboren. Die Ăśberlieferung
erzählt, dass das schwer kranke Kind geheilt wurde, nachdem seine Mutter ihn zu
Franziskus von Assisi
gebracht und der ihn gesegnet hatte. Als Franziskus 1226 im Sterben lag,
besuchte ihn die Mutter mit dem gesunden Kind abermals, Franziskus rief ĂĽber dem
Kind aus: oh buona ventura
, oh gute FĂĽgung
, was später zum Ordensnamen von
Johannes wurde.
1236 ging Johannes an die Universität von Paris,
wo er bis 1242 zunächst die allgemeinen Wissenschaften studierte. 1243 - nach
anderen Quellen schon vor Beginn seines Studiums - trat er unter dem Namen Bonaventura
dem Franziskaner-Minoritenorden
bei, setzte seine Studien nun in der Theologie - auch bei Alexander von Hales -
fort bis zum Jahr 1254. 1256 promovierte Bonaventura in Philosophie und Theologie.
1257 wurde er zusammen mit Thomas
von Aquin Professor der Theologie am Pariser Institut fĂĽr arme
Theologiestudenten, aus der sich die berühmte Universität Sorbonne
entwickelte.
Bonaventura wurde in den 1252 aufgebrochenen Streit zwischen der sogenannten
Professorenpartei
der Pariser
Universität und den Mendikantenorden
, den Bettelorden, hineingezogen und wurde
neben seinem Mitbruder Johannes Pecham und Thomas
von Aquin der bedeutendste Verteidiger der neuen Orden. Ursache der
Auseinandersetzung war die Neuartigkeit der Bettelorden: Bis ins 13. Jahrhundert
kannte die abendländische Kirche auf der einen Seite die von ihrer Dotation
lebenden Seelsorger, auf der anderen Mönchsorden, in denen der einzelne
besitzlos lebte, aber durch sein Kloster abgesichert war. Die neuen Orden waren
aber auch als Gemeinschaft nicht durch Besitz gesichert, sondern auf die Almosen
der Bevölkerung angewiesen. Sie praktizierten eine nicht am Pfarrprinzip
orientierte Seelsorge, sondern waren überregional organisiert und stärkten so
die päpstliche Zentralgewalt gegenüber den Ortsbischöfen. An der Pariser
Universität beanspruchten diese Mendikanten nun auch Magisterstellen; die
Professorenpartei argumentierte, dass die Lebensform der Mendikanten sich zu
Unrecht auf das Evangelium berufe.
Francisco de Herrera der Ältere: Bonaventura tritt in den Franziskanerorden
ein, 1628, im Museo del Prado in Madrid

Bonaventura hielt dagegen: 1. Gott lenke die Kirchengeschichte so, dass jeder
Herausforderung einer neuen Epoche eine neue Antwort entspricht: die Bettelorden
seien die Antwort auf die Gefahr des Reichtums, die die Wirtschaftsentwicklung
damals mit sich brachte. 2. Die Glieder am Leib Christi ergänzen sich; deshalb
dĂĽrfen die Bettelorden ihre Mitchristen materiell belasten, da sie ihnen in
ihrer Seelsorge auch viel geben. 3. Armut, das Verlassen der Sicherheit der
Ständeordnung, ist der eigentliche Erscheinungsort Gottes; der Mensch soll arm
sein, damit er von Gottes Reichtum erfĂĽllt werde. Ein Erfolg der Mendikanten in
der ersten Phase des Streites war 1255 die Bulle von Papst Alexander IV. Quasi
lignum vitae
, durch die ihnen LehrstĂĽhle an der Pariser
Universität zugesprochen wurden. Während dieser Zeit schrieb Bonaventura seinen
Sentenzenkommentar
und beschäftigte sich, wie auch Thomas
von Aquin, mit der Aufnahme aristotelischen Gedankengutes in die theologische
Tradition des Augustinus. Bonaventuras
Kommentar der Sentenzen des gilt als die reichhaltigste und bedeutendste Auslegung
der Theologie der Kirchenväter im Mittelalter.
Als Bonaventura Magister der Universität Pisa war, habe ihn Thomas von Aquin besucht und gefragt, wo seine Bibliothek sei, aus der er sich so große Kenntnisse und Beredsamkeit erworben habe. Bonaventura zog einen Vorhang zurück und deutete auf den gekreuzigten Christus. Seine demütige Bescheidenheit veranlasste ihn lange Zeit, keine Kommunion zu nehmen, bis sie ihm angeblich von einem Engel gereicht wurde.
Francesco Solimena: Bonaventura erhält von Maria
das Leichenbanner, 1710, in der Kathedrale in Caserta
in Italien 
Nachdem Bonaventura 1257 seinem langjährigen Freund und Förderer, dem
Ordensgeneral Johannes
von Parma in CittĂ
della Pieve bei Perugia wegen dessen Sympathie zu den Vorstellungen von
Joachim von Fiore den Prozess gemacht
und seine Verurteilung bewirkt hatte, wurde Bonaventura als dessen Nachfolger
zum Ordensgeneral der Franziskaner
gewählt; er leitete den Orden von Paris
aus. Die Auseinandersetzung um den Joachimismus
begleitete ihn weiter;
Joachim von Fiore hatte viele Anhänger im Franziskanerorden, da viele in
Franziskus den von Joachim
prophezeiten Künder des neuen, vom Heiligen Geist geprägten Zeitalters sah.
In der Auseinandersetzung mit dem Joachimismus lehnte Bonaventura die Lehre
eines dritten Zeitalters des Heiligen Geistes
ab, da Christus
die ErfĂĽllung der Zeit gebracht habe; er griff aber den Gedanken einer
Periodisierung der Geschichte auf.
Die aufgebrochene innere Spaltung des Franziskanerordens,
bedingt durch die Frage, wie streng der Orden die von Franziskus
geforderte Verpflichtung zur Armut befolgen mĂĽsse, konnte Bonaventura ĂĽberwinden
durch Generalstatuten, die die Franziskusregel auf die veränderten
Zeitverhältnisse hin aktualisierten. Ähnlich wichtig waren die zwei von ihm
verfassten Lebensgeschichten des Franziskus, die er schrieb, um die Differenzen
im Verständnis der Botschaft von Franziskus auszugleichen. Es gelang Bonaventura,
den durch Streitigkeiten zerrissenen Orden vor dem Zerfall zu bewahren, was ihm
den Ruf eines zweiten Stifters des Franziskanerordens
eintrug. Auch die
EinfĂĽhrung des Ave Maria zur Vesper wird ihm zugeschrieben.
Denkmal, 1897, in Bagnoregio
![]()
Der Ehrentitel Doctor devotus
kennzeichnet Bonaventuras aufopferungsvolle
Arbeit fĂĽr den Orden; seine groĂźe Bedeutung
als Theologe zeigt der Ehrentitel Doctor seraphicus
. Wie Albertus
Magnus und Thomas von Aquin
suchte auch er Vernunft und Glauben miteinander in Einklang zu bringen. Er
akzeptierte den größten Teil der aristotelischen Philosophie, lehnte
aber deren Metaphysik als unzulänglich ab, da sich Aristoteles nicht vom Licht
des christlichen Glaubens leiten lieĂź. Die Lehre von der Erleuchtung des
menschlichen Geistes durch das Göttliche übernahm Bonaventura von Augustinus.
Bonaventuras Werk Reise des Geistes zu Gott
von 1259 sowie seine kurzen
mystischen Abhandlungen spiegeln seine Beschäftigung mit den Möglichkeiten der
Seele wider, Gott zu erkennen und mit ihm eins zu werden. Dreh- und Angelpunkt
seines Denkens und Glaubens war die Bibel als Quelle der Gotteserkenntnis, ein
Garten, in dem wir Nahrung finden
, das Herz Gottes
, Mund, Zunge und Griffel
Gottes
. Seiner Meinung nach solle man aber nicht zu viel philosophisches
Wasser in den Wein der Heiligen Schrift gieĂźen
. Papst Leo XIII. nannte
Bonaventura FĂĽrst aller Mystiker
.
Francisco de Zurbarán: Der nach seinem Tod aufgebahrte Bonaventura, 1629, Musée
du Louvre in Paris

Nach langer Sedisvakanz wurde 1271 auf Bonaventuras Vorschlag Gregor X. zum Papst gewählt. Dieser ernannte ihn 1273 zum Kardinal und Bischof von Albano. Boten des Papstes, die ihm den Kardinalshut überbringen sollten, trafen ihn angeblich im Kloster Mugello bei Florenz beim Geschirrspülen im Garten; er bat sie, den Kardinalshut an einem Baum aufzuhängen, bis er seine Arbeit vollendet habe. Bonaventura arbeitete nun mit an der Vorbereitung des 2. Konzils von Lyon, das den Bruch mit der Ostkirche kitten sollte. Die Legende berichtet, wie Bonaventura vom Papst zusammen mit anderen Bischöfen zum griechischen Kaiser geschickt wurde, um diesen zum lateinischen Ritus zurückzuführen. Bonaventura leitete das Konzil von Lyon vom Beginn im Mai 1274 bis zu seinem Tod im Juli; tatsächlich gelang die Wiederherstellung der Gemeinschaft mit der Ostkirche für einige Zeit.
Armreliquie in der Nikolaus-Basilika
in Bagnoregio ![]()
Bonaventura starb noch vor Beendigung des Konzils in Lyon und wurde in der dortigen Franziskanerkirche begraben, die heute seinen Namen trägt. Seine Reliquien wurden in dieser Kirche aufbewahrt, sind aber teilweise bei einem Brand zerstört worden, teilweise verschollen. Die Nikolaus-Basilika seiner Heimatstadt Bagnoregio erhielt zuvor noch eine Armreliquie.
Papst Leo XIII. wĂĽrdigte Bonaventura als den FĂĽrsten unter den Mystikern
.
Papst Benedikt XVI. sagte 2010 ĂĽber Bonaventura, der Thema seiner Doktorarbeit
war, in einer Katechese: Er lebte im 13.
Jahrhundert, einem Zeitalter, in dem der christliche Glaube zutiefst in die Kultur und
Gesellschaft Europas eingedrungen war und so im Bereich der Literatur, der Kunst, der
Philosophie und Theologie unvergängliche Werke inspirierte. Unter den christlichen
Gestalten, die zum Zustandekommen dieser Harmonie zwischen Glaube und Kultur beigetragen
haben, tritt eben Bonaventura hervor, ein Mann des Handelns und der Kontemplation von
großer Frömmigkeit und Klugheit in der Leitung
.
Kanonisation:
Papst Sixtus IV. hat Bonaventura 1482 heiliggesprochen, 1588 ernannte ihn Papst
Sixtus V. zum Kirchenlehrer mit dem
Titel Doctor Seraphicus
, engelsähnlicher Kirchenlehrer
.
Attribute:
Kreuz, Hostie reichender Engel, Kardinalshut am Baum
Patron
von Lyon;
der Theologen, Kinder, Arbeiter, Lastenträger und Seifenfabrikanten
Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon