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Lukas Cranach der Ältere:
Johannes Bugenhagen im Alter von 42 Jahren
, 1532, im Besitz des Kirchenkreises
Alt-Hamburg ![]()
Johannes Bugenhagen - sein Beinamen Dr. Pomeranus leitete sich von seiner
Heimat in Pommern ab - studierte ab 1502 in Greifswald,
verließ die Universität aber schon nach zwei Jahren und wurde Leiter der
Lateinschule in Treptow an der Rega - dem heutigen Trzebiatów
-, was ihm hohes Ansehen einbrachte. In intensiven Studien befasste er sich mit
humanistischer Literatur und Erasmus von Rotterdam, der Heiligen Schrift und den
Lehren der Kirchenväter. Zurück zu
den Quellen
, das Programm des Erasmus, wurde ihm zur Leitschnur; deshalb
wirkte er auch mit an einem Lehrbuch der lateinischen Sprache.
1509 wurde er zum Priester geweiht, obwohl er nie Theologie studiert hatte.
Zusätzlich zu seiner Aufgabe als Schulleiter übernahm er 1517 ein Lektorat im
Praemonstratenserkloster Belbuck
bei Treptow, las über die Psalmen und das Matthäusevangelium, zu dessen
Passionsgeschichte er eine Art Konkordan mit Kommentaren aus Zitaten der
Kirchenväter verfasste. 1518 - oder 1519 - am Gedenktag der Apostel Petrus
und Paulus kritisierte er den
Lebensstil vieler KlerikerEin Kleriker ist in der orthodoxen, katholischen, anglikanischen und altkatholischen Kirche ein geweihter Amtsträger, der eine der drei Stufen des Weihesakraments - Diakon, Priester oder Bischof - empfangen hat.
Im Unterschied zu den Klerikern bezeichnet man die anderen Gläubigen als Laien. Angehörige von Ordensgemeinschaften gelten, wenn sie nicht zu Priestern geweiht sind, als Laien und in der Orthodoxie als eigener geistlicher Stand. In den protestantischen Kirchen gibt es keine Unterscheidung von Klerus und Laien.
und hielt ihnen die Apostel als Vorbilder der
Barmherzigkeit vor. Auf einer Forschungsreise durch Pommern sammelte er Urkunden und
Chroniken, die er zu dem Geschichtswerk Pomerania
verarbeitete, das er 1518
Herzog Bogislav X. überreichte.
Lukas Cranach der Ältere: Johannes
Bugenhagen nimmt die Beichte ab, Altar der Stadtkirche in Wittenberg.
Bugenhagen hat zwei riesige Schlüssel, mit dem einen schließt er dem
Reuigen das Heil auf, mit dem anderen versperrt er es dem Unwürdigen,
der sich zornig und mit gebunden Händen abwendet. ![]()
Martin Luthers 1520
erschienene antirömische Schrift Von der babylonischen Gefangenschaft der
Kirche
erzürnte Bugenhagen zunächst, führte dann aber zu seinem Anschluss an
die Reformation und 1521 zur Übersiedlung nach Wittenberg,
wo er trotz seines Alters mit dem Studium der Theologie begann; noch im selben
Jahr wurde er auf Bitten von Philipp
Melanchton zum Lehrer an der Hochschule mit einem Kolleg über die Auslegung
der Psalmen - 1524 erschien sie als Buch und begründete seinen Ruf als Exeget.
Schon drei Jahre vor Luther heiratete er 1522 Walburga Rörer und wurde so zum
Begründer des evangelischen Pfarrhauses: ab 1523 wirkte er als Wittenberger
Stadtpfarrer und persönlicher Seelsorger Luthers, 1525 hielt er dessen Trauung
mit Katharina von Bora.
In einem gedruckt weit verbreiteten Brief an den Breslauer
Pfarrer Johann Heß griff er das symbolische Verständnis des Abendmahls bei
Huldreich Zwingli an und
eröffnete damit den Abendmahlsstreit unter den Reformatoren. Gemeinsam mit
Philipp Melanchton war ihm
die Umsetzung der reformatorischen Erkenntnisse ins Alltagsleben der Glaubenden
zentrales Anliegen; hierzu verfasste er seine wohl wichtigste Schrift Von dem
Christlichen glauben vnd rechten guten wercken
, die 1526 erschien. An
der Wittenberger Universität hielt er weiter theologische Vorlesungen und wurde
1533 Professor. Seit 1532 war er auch Superintendent, Luther
bezeichnete ihn als Bischof der Reformation
. Er half Luther 1539 bis 1541
bei der Revision seiner Übersetzung der Bibel, die er selbst unter dem Titel
Det Nye Testament
ins Niederdeutsche
übertrug. 1539 wurde er Generalsuperintendent des sächsischen Kurkreises. Nach
dem Tod Luthers hielt er die Leichenpredigt und sorgte er sich um dessen Witwe
Katharina und ihre Kinder.
Sein überragendes Organisationstalent ließ Johannes Bugenhagen
Kirchenordnungen für Norddeutschland und Skandinavien verfassen; die für
Braunschweig
von 1528 erlangte dann überregionale Bedeutung, weil Bugenhagen nach ihrem
Vorbild viele weitere Kirchenordnungen verfasste, so 1529 für Hamburg,
1531 für Lübeck,
1545 / 35 für Pommern, 1542 für Schleswig
und Holstein,
1543 für Braunschweig-Wolfenbüttel
und 1544 für Hildesheim.
Diese Kirchenordnungen machten ihn zum Reformator des Nordens
. In ihnen wurden
nicht nur die Gottesdienstordnung, sondern auch das Schulwesen - das für Bugenhagen
eine aus der Kindertaufe folgende Notwendigkeit war - und soziale Fragen geregelt.
Auch für andere Kirchenordnungen wurden die Bugenhagensche zum Vorbild. In Dänemark
reformierte er 1537 die Kirche und die Universität Kopenhagen,
die neue Kirchenordnung von 1539 ist noch heute die Grundlage der dänischen
Verfassung.
Nach dem Schmalkaldischen Krieg fiel Wittenberg an Sachsen, das mit Kaiser Karl V. verbunden war und gegen Johann Friedrich gewonnen hatte; Bugenhagen - ebenso wie Melanchton - arrangierte sich mit dem neuen Landesherrn, was ihm von manchen den Vorwurf einbrachte, die Reformation zu verraten.
Google
hat das Buch von Karl August Traugott Vogt u.a: Leben und ausgewählte Schriften
der Väter und Begründer der lutherischen Kirche. IV. Theil. Johannes Bugenhagen
,
veröffentlicht 1867, digitalisiert. Sie finden es bei uns als pdf-Datei.
Biographisch- Bibliographisches Kirchenlexikon
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