Ökumenisches Heiligenlexikon

Johannes Bugenhagen (Dr. Pomeranus)

Gedenktag evangelisch: 20. April
Name bedeutet: Gott ist gnädig (hebr.)
Reformator
* 24. Juni 1485 in Wollin, dem heutigen Wolin in Polen
† 20. April 1558 in Wittenberg in Sachsen-Anhalt
Kartenskizze Kartenskizze

Johannes Bugenhagen - sein Beinamen Dr. Pomeranus leitete sich von seiner Heimat in Pommern ab - studierte ab 1502 in Greifswald, verließ die Universität aber schon nach zwei Jahren und wurde Leiter der Lateinschule in Treptow an der Rega - dem heutigen Trzebiatów -, was ihm hohes Ansehen einbrachte. In intensiven Studien befasste er sich mit humanistischer Literatur und Erasmus von Rotterdam, der Heiligen Schrift und den Lehren der Kirchenväter. Zurück zu den Quellen, das Programm des Erasmus, wurde ihm zur Leitschnur; deshalb wirkte er auch mit an einem Lehrbuch der lateinischen Sprache. 1509 wurde er zum Priester geweiht, obwohl er nie Theologie studiert hatte.

Zusätzlich zu seiner Aufgabe als Schulleiter übernahm er 1517 ein Lektorat im Praemonstratenserkloster Belbuck bei Treptow, las über die Psalmen und das Matthäus­evangelium, zu dessen Passionsgeschichte er eine Art Konkordan mit Kommentaren aus Zitaten der Kirchenväter verfasste. 1518 - oder 1519 - am Gedenktag der Apostel Petrus und Paulus kritisierte er den Lebensstil vieler KlerikerEin Kleriker ist in der orthodoxen, katholischen, anglikanischen und altkatholischen Kirche ein geweihter Amtsträger, der eine der drei Stufen des Weihesakraments - Diakon, Priester oder Bischof - empfangen hat. Im Unterschied zu den Klerikern bezeichnet man die anderen Gläubigen als Laien. Angehörige von Ordensgemeinschaften gelten, wenn sie nicht zu Priestern geweiht sind, als Laien und in der Orthodoxie als eigener geistlicher Stand. In den protestantischen Kirchen gibt es keine Unterscheidung von Klerus und Laien. und hielt ihnen die Apostel als Vorbilder der Barmherzigkeit vor. Auf einer Forschungsreise durch Pommern sammelte er Urkunden und Chroniken, die er zu dem Geschichtswerk Pomerania verarbeitete, das er 1518 Herzog Bogislav X. überreichte.

Lukas Cranach der Ältere Johannes Bugenhagen nimmt die Beichte ab, Altar der Stadtkirche in Wittenberg

Lukas Cranach der Ältere: Johannes Bugenhagen nimmt die Beichte ab, Altar der Stadtkirche in Wittenberg. Bugenhagen hat zwei riesige Schlüssel, mit dem einen schließt er dem Reuigen das Heil auf, mit dem anderen versperrt er es dem Unwürdigen, der sich zornig und mit gebunden Händen abwendet.   

Martin Luthers 1520 erschienene antirömische Schrift Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche erzürnte Bugenhagen zunächst, führte dann aber zu seinem Anschluss an die Reformation und 1521 zur Übersiedlung nach Wittenberg, wo er trotz seines Alters mit dem Studium der Theologie begann; noch im selben Jahr wurde er auf Bitten von Philipp Melanchton zum Lehrer an der Hochschule mit einem Kolleg über die Auslegung der Psalmen - 1524 erschien sie als Buch und begründete seinen Ruf als Exeget. Schon drei Jahre vor Luther heiratete er 1522 Walburga Rörer und wurde so zum Begründer des evangelischen Pfarrhauses: ab 1523 wirkte er als Wittenberger Stadtpfarrer und persönlicher Seelsorger Luthers, 1525 hielt er dessen Trauung mit Katharina von Bora.

In einem gedruckt weit verbreiteten Brief an den Breslauer Pfarrer Johann Heß griff er das symbolische Verständnis des Abendmahls bei Huldreich Zwingli an und eröffnete damit den Abendmahlsstreit unter den Reformatoren. Gemeinsam mit Philipp Melanchton war ihm die Umsetzung der reformatorischen Erkenntnisse ins Alltagsleben der Glaubenden zentrales Anliegen; hierzu verfasste er seine wohl wichtigste Schrift Von dem Christlichen glauben vnd rechten guten wercken, die 1526 erschien. An der Wittenberger Universität hielt er weiter theologische Vorlesungen und wurde 1533 Professor. Seit 1532 war er auch Superintendent, Luther bezeichnete ihn als Bischof der Reformation. Er half Luther 1539 bis 1541 bei der Revision seiner Übersetzung der Bibel, die er selbst unter dem Titel Det Nye Testament ins Niederdeutsche übertrug. 1539 wurde er Generalsuperintendent des sächsischen Kurkreises. Nach dem Tod Luthers hielt er die Leichenpredigt und sorgte er sich um dessen Witwe Katharina und ihre Kinder.

Johannes Bugenhagen

Johannes Bugenhagen   

Sein überragendes Organisationstalent ließ Johannes Bugenhagen Kirchenordnungen für Norddeutschland und Skandinavien verfassen; die für Braunschweig von 1528 erlangte dann überregionale Bedeutung, weil Bugenhagen nach ihrem Vorbild viele weitere Kirchenordnungen verfasste, so 1529 für Hamburg, 1531 für Lübeck, 1545 / 35 für Pommern, 1542 für Schleswig und Holstein, 1543 für Braunschweig-Wolfenbüttel und 1544 für Hildesheim. Diese Kirchenordnungen machten ihn zum Reformator des Nordens. In ihnen wurden nicht nur die Gottes­dienst­ordnung, sondern auch das Schulwesen - das für Bugenhagen eine aus der Kindertaufe folgende Notwendigkeit war - und soziale Fragen geregelt. Auch für andere Kir­chen­ordnungen wurden die Bugenhagensche zum Vorbild. In Dänemark reformierte er 1537 die Kirche und die Universität Kopenhagen, die neue Kirchenordnung von 1539 ist noch heute die Grundlage der dänischen Verfassung.

Nach dem Schmalkaldischen Krieg fiel Wittenberg an Sachsen, das mit Kaiser Karl V. verbunden war und gegen Johann Friedrich gewonnen hatte; Bugenhagen - ebenso wie Melanchton - arrangierte sich mit dem neuen Landesherrn, was ihm von manchen den Vorwurf einbrachte, die Reformation zu verraten.

Google hat das Buch von Karl August Traugott Vogt u.a: Leben und ausgewählte Schriften der Väter und Begründer der lutherischen Kirche. IV. Theil. Johannes Bugenhagen, veröffentlicht 1867, digitalisiert. Sie finden es bei uns als pdf-Datei.

Biographisch- Bibliographisches Kirchenlexikon





Quellen:
• dtv-Lexikon, Bd. 3, München 1980
• Volker Gummelt: Der Reformator des Nordens. Deutsches Pfarrerblatt 4/2008
• Anneliese Bieber-Wallmann: Makel des Verrats. zeitzeichen 4/2008



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