Ökumenisches Heiligenlexikon

Johannes Chrysostomus

Gedenktag katholisch: 13. September
     gebotener Gedenktag
     nicht gebotener Gedenktag im Bistum Feldkirch, Graz-Seckau und München-Freising
     gebotener Gedenktag im Bistum Passau, Salzburg und Innsbruck: 11. September
     Todestag: 14. September
     Tag seiner Verbannung: 13. November
Gedenktag evangelisch: 13. September
                                                  27. Januar (LCMS)
Gedenktag anglikanisch: 13. September
Gedenktag orthodox: 13. November
                                            30. Januar
     Übertragung der Reliquien im Jahr 438: 27. Januar
     Todestag: 14. September
Gedenktag armenisch: 13. November
     (Tag seiner Verbannung)
                                               27. Oktober
     Todestag: 14. September
     Rückführung der Gebeine: 27. Januar
     liturgische Feier am 6. Samstag nach dem Kreuzerhöhungssonntag
       und am 7. Samstag (oft vorverlegt auf Donnerstag) nach dem Kreuzerhöhungssonntag
Gedenktag koptisch: 13. November
     (Tag seiner Verbannung)
     Übertragung der Gebeine vom Todesort Kaumana (Koma) nach Konstantinopel: 13. September
     dto. im Jahr 347: 7. Mai *
Name bedeutet: Gott ist gnädig (hebr.)
Patriarch von Konstantinopel, Kirchenvater
* 354 (der 344 ?) in Antiochia, heute Antakya in der Türkei
† 14. September 407 in Pityus in Kolchis, heute Sochumi in Georgien
Kartenskizze
Kartenskizze

Johannes wurde in einer wohlhabenden Familie geboren. Sein Vater war früh gestorben, dennoch sorgte seine Mutter Anthusa für eine gediegene Ausbildung, auch im christlichen Glaubensleben. Er studierte Redekunst bei dem griechischen Rhetoriker Libanius und begann eine Laufbahn als Anwalt. 367 wurde er getauft, anschließend studierte er an der berühmten theologischen Schule von Antiochia vor allem Bibelauslegung. Seine Vorbilder wurden Flavian und == Diodorus, dessen Asketenschule sich Johannes anschließt. Ab 372 lebte er dann für sechs Jahre als Mönch und Einsiedler ein asketisches Lebens in der Einsamkeit; während dieser Zeit lernte er die Testamente Christi ganz auswendig. Als er durch seine strenge Askese erkrankte, kehrte er 378 nach Antiochia zurück, wo er 381 von Meletios zum Diakon und 386 von Meletios' Nachfolger, Bischof Flavian I., zum Priester geweiht wurde.

Berühmt wurde Johannes durch sein Redetalent. Er wirkte als begnadeter Prediger an der Patriarchalkirche von Antiochia. Sein Ernst und die lebensnahe Art zu predigen brachten ihm den Ruf ein, einer der größten Redner der frühen Kirchengeschichte zu sein; daher sein Beiname Chrysostomus, Goldmund. Predigen macht mich gesund, schrieb er selbst. Seine Predigten sind v.a. exegetische Homilien über alt- und neutestamentliche Texte mit Auslegung auf die Lebenspraxis der Menschen - darunter 90 Homilien zum Matthäusevangelium, die Burgundio von Pisa Ende des 12. Jahrhunderts für Papst Eugen III. übersetzte, 88 zum Johannesevangelium, 55 über die Apostelgeschichte, dazu viele zu den Briefen des Paulus, allein 32 über den Römerbrief. Überliefert sind auch 21 Säulenreden, die Johannes 387 zur Beruhigung nach einem Aufstand wegen einer Steuererhöhung in Antiochia hielt, und acht Predigten aus dem Jahr 386 gegen jene Christen, die sich von jüdischen Festen und Bräuchen beeindruckt zeigten; diese wurden später auch für antisemitische Polemik missbraucht. Insgesamt sind über 700 sicher von ihm stammende Predigten überliefert. Johannes verstand seine Predigten als Lebenshilfe, ganz an der Bibel orientiert. Seine Ethik ist nicht moralisierend, sondern diakonisch motiviert; Diakonie war ihm das galubwürdigste Zeichen der Christengemeinde. ** Die Fülle an Beispielen, Bildern und Anspielungen zu aktuellen Fragen begeisterte die Leute, die oft spontan applaudierten.

Johannes verfasste in dieser Zeit auch verschiedene Abhandlungen, v.a. über das Mönchtum, so An den gefallenen Theodor und Gegen die Feinde des Mönchtums. Die Reformschrift Über das Priestertum wurde schon 392 von Hieronymus gerühmt; in ihr zeichnete Johannes ein Idealbild des Priesters, das jahrhundertlang fortwirkte. Über die Jungfräulichkeit und An eine junge Witwe zeigen sein seelsorgerliches Wirken, Über Hoffahrt und Kindererziehung sein pädagogisches. Weniger bedeutsam sind - zeitbedingt - die theologischen Lehrschriften; nachdem die Kontroversen über die Dreieinigekit auf dem 1. Konzil von Konstantinopel 381 beigelegt und die über die Natur Christi erst später stärker wurden - bis zum Konzil von Chalkedon 451 -, beschäftigt sich Johannes weniger mit Dogmatik als mit Seelsorge und Gemeindeaufbau.

Im Jahr 397 wurde Johannes ob seiner Berühmheit vom Kaiser des Oströmischen Reiches, Flavius Arcadius nach Konstantinopel - dem heutigen Ístanbul - entführt und 398 durch Patriarch Theophilos von Alexandria - seinen ärgsten Rivalen - , zum Patriarchen von Konstantinopel geweiht. Er rief KlerikerEin Kleriker ist in der orthodoxen, katholischen, anglikanischen und altkatholischen Kirche ein geweihter Amtsträger, der eine der drei Stufen des Weihesakraments - Diakon, Priester oder Bischof - empfangen hat. Im Unterschied zu den Klerikern bezeichnet man die anderen Gläubigen als Laien. Angehörige von Ordensgemeinschaften gelten, wenn sie nicht zu Priestern geweiht sind, als Laien und in der Orthodoxie als eigener geistlicher Stand. In den protestantischen Kirchen gibt es keine Unterscheidung von Klerus und Laien., Mönche, Jungfrauen und Witwen zu untadeliger Lebensführung und alle Christen zu maßvollem Lebensstil auf. Er gründete Hospize für Arme, Fremde und Kranke, unterstützte die verarmte Bevölkerung, sorgte für Seelsorge unter den Soldaten und betätigte sich mit seinem Redetalent in der Mission. 400 erwirkte er die Ablösung von acht Bischöfen, die sich der Simonie schuldig gemacht hatten.

Johannes' Kritik am Luxusleben der Reichen und am kaiserlichen Hof brachten ihn in Konflikt mit Kaiserin Eudoxia. Als er im Jahr 402 Mönche, die als Anhänger von Origines aus Ägypten vertrieben worden waren, in Konstantinopel aufnahm, sah Patriarch Theophilos von Alexandria einen Vorwand, der ihm den Sturz Johannes' ermöglichte: auf der Eichensynode in Chalkedon - heute der Stadtteil Kadiköy in Ístanbul - im Jahr 403 wurde Johannes in Abwesenheit verurteilt, abgesetzt und schließlich 404 vom Kaiser in die Verbannung nach Kukusus im damaligen Armenien - dem heutigen Göksun in der Türkei - geschickt.

Nachdem die Kaiserin eine Fehlgeburt erlitten hatte, wurde Johannes zurückgerufen, weil sie sich ihr Handeln als Grund des Schicksalsschlages erklärte; nach ihrer Genesung schickte sie Johannes aber bald schon wieder in die Verbannung, diesmal weit weg in die Einsamkeit des Taurusgebirges, nach Pityus in Kolchis - dem heutigen Sochumi in Georgien, um die Verbindung mit seinen Anhängern in Konstantinopel endgültig zu unterbinden. Hier versuchte er die benachbarten Perser zum Christentum zu bekehren, bis er den Strapazen der Reise erlag.

Die letzten Worte des geplagten und verfolgten Mannes lauteten der Überlieferung nach: Verherrlicht sei Gott für alles. Amen.

Um 408 verfasste Bischof Palladius zur Verteidigung seines verstorbenen Freundes den Dialog zur Lebensgeschichte des Heiligen Johannes Chrysostomos. Johannes' Anhänger, die Johanniten, weigerten sich, seine Nachfolger anzuerkennen. Sie lenkten erst ein, als der oströmische Kaiser Theodosius II. im Jahr 438 den Leichnam des Heiligen nach Konstantinopel zurückholen und ihn feierlich beisetzen ließ. Während des 4. Kreuzzuges wurden nach der Eroberung Konstantinopels 1204 Reliquien nach Rom gebracht, sie ruhten dann in der Chorkapelle des Petersdoms, bis Papst Johannes Paul II. sie im Jahr 2004 dem orthodoxen Patriarchen von Konstantinopel zurückgab.

Johannes verstand es, die Theologie seiner Zeit verständlich auszudrücken, als Seelsorger wollte er damit zur christlichen Vollkommenheit führen. Sie ist für ihn bestimmt von Glaube und Liebe nach dem Vorbild Christi, der Glaubende zeigt seine Liebe zu ihm, indem er sich in Fürsorge für seine Mitmenschen müht; die Gesellschaft müsse nach der Botschaft Christi geordnet sein. Sein Dialog Über das Priestertum zeigt die Größe und Verantwortung des priesterlichen Dienstes auf, die Unterweisung Über Hoffart und Kindererziehung gibt pädagogische Ratschläge; andere Schriften wie Gegen die Widersacher des Mönchslebens verteidigen und fördern die Askese und empfehlen das ehelose und jungfräuliche Leben, so die Werke Von der Jungfräulichkeit und An die jungen Witwen. Aus der Verbannungszeit sind mehr als 200 Briefe erhalten, die die Strapazen, die inneren Kämpfe und die Einsamkeit Johannes' aufzeigen, aber auch seine ungebrochenen missionarischen Eifer belegen. Darunter sind auch 17 tröstende Briefe an die vornehme Witwe und Diakonissin Olympia, sie sind Beispiel der klugen Seelsorge.

Im Mittelalter haben sich zahlreiche Legenden um den von der Madonna geküssten Goldmund gebildet: die Madonna forderte ihn zum Kuss auf, ein goldener Schein umspielte danach seinen bislang zum Reden ungeschickten Mund und ließ ihn zum berühmten Prediger werden. Der früh für hohe Ämter Vorgesehene floh in die Einsamkeit und wurde ein seiner Sünden bewusster Büßer, an dem sich schließlich nach zahlreichen Wundern alle Voraussagen erfüllten.

Johannes Chrysostomus wird als einer der vier großen griechischen Kirchenväter verehrt, in der katholischen Kirche zählt er seit 1568 zu den Kirchenlehrern. Die Übersetzung seiner Werke ins Lateinische begann um 415/420 durch die Arbeit des Anianus von Celeda, der damit den Pelagianismus verteidigen wollte. Der Umfang unechten Materials ist sehr hoch; das bedeutendste dieser Werke ist ein Kommentar zum Matthäus-Evangelium, vefasst von einem Anhänger des Arianismus, wohl in Italien um das Jahr 600. Die Würdigung als Chrysostomos wurde erstmals im 6. Jahrhundert gebraucht. 1908 wurde Johannes von Papst Pius X. zum Patron der Prediger ernannt. Die nach ihm benannte Liturgie, die Normalordnung des Gottesdienstes in den Orthodoxen Kirchen, stammt nicht von Johannes; wahrscheinlich gehen Gebete zur Gabenbereitung und einige der zentralen Priestergebete auf ihn zurück.

Attribute: Bienenkorb, mit Engel
Patron der Beter, Prediger und Redner; bei Epilepsie

* Tatsächlich fand die Übertragung unter Kaiser Theodosius II. in der 1. Hälfte des 5. Jahrhunderts statt.

** Diese Wertschätzung der Diakonie ging in der Orthodoxen Kirche seitdem weithin vorloren.

Osterpredigt von Johannes Chrysostomus

Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon

Catholic Encyclopedia

Werke von Johannes Chrysostomus auf Deutsch gibt es in der Bibliothek der Kirchenväter der Université Fribourg.

Die Hintergründe der Rückgabe der Reliquien an den orthodoxen Patriarchen von Konstantinopel und die Meinungsverschiedenheiten schildert Paul Kreiner in seinem Zeitungsartikel Disput um heilige Gebeine.

Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon


Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Hiltgard L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Reclam, Ditzingen 1984
• Microsoft Encarta 98 Enzyklopädie
• Charlotte Bretscher-Gisinger, Thomas Meier (Hg.): Lexikon des Mittelalters. CD-ROM-Ausgabe. J.B. Metzler, Stuttgart/Weimar 2000
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl. Bd. 5. Herder, Freiburg im Breisgau 1996
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