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Giuseppe Maria Crespi: Die Königin von Böhmen
beichtet Johannes von Nepomuk, 1743, in der Pinakothek in Turin

Johannes aus Pomuk, ne Pomuk
- der Ort trägt heute seinen Namen -,
wurde nach seinem Studium in Prag
1369 kaiserlicher Notar in der erzbischöflichen Gerichts-Kanzlei in
Prag, 1380 wurde er zum Priester geweiht und Pfarrer Pfarrer an der
Kirche St. Gallus in Prag, wo er sich besonders um deutschstämmige Kaufleute
kümmerte. 1381 legte er sein juritisches Bakkalaureat ab, studierte dann
kanonischens Recht in Padua
und wurde darin 1387 zum Doktor promovert. Schon zuvor Kanoniker
an St. Ägidius in Prag, wurde er 1389 Generalvikar des Erzbischofs von Prag.
1390 wechselte er in die Pfarrei Saaz / Žatek
und ins Kanokiat an Vyšehrad in Prag. Sein energisches Auftreten für die
Rechte der Kirche gegenüber dem König und seine Predigten machten ihn beim Volk
berühmt und dem König lästig, die Auseinandersetzungen mit Wenzel IV., dem König
von Böhmen
und Deutschland und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, nahmen zu.
Die Überlieferung berichtet, dass die Königin Johannes zu ihrem Beichtvater wählte. Wenzel wollte nun Johannes zwingen, das Beichtgeheimnis zu brechen, aber der weigerte sich, wurde deshalb gefoltert und in die Moldau geworfen. Durch ein Wunder - nach der einen Version trocknete die Moldau aus, so dass man seine Leiche fand, nach einer anderen Version hatte die Königin eine Erscheinung von fünf Sternen, die den Fundort offenbarten - wurde der Tote geborgen und beigesetzt. Eine Marmorplatte an der Karlsbrücke zeigt heute den angeblichen Fundort.
Cosmas Damian Asam: Johannes kniend vor dem Gnadenbild der Madonna
von Altbunzlau / Stará Boleslav,
die Lichter ihres Strahlenkranzes auf ihn niedersendet. Diese Sternenspende
weist
ebenso wie die Schweigegesten der Engel auf das bevorstehende Martyrium des Heiligen hin.
1737, in der Johannes geweihten Kapelle in der Stadtpfarrkirche in Messkirch

Historisch richtiger ist, dass Johannes in den Auseinandersetzungen zwischen König Wenzel und dem Prager Erzbischof Jenzenstein sein Schicksal erlitt. Der Erzbischof widerstand dem Plan des Königs, ein westböhmisches Bistum zu gründen und dafür das Vermögen des Klosters Kladrau / Kladruby zu verwenden, indem er einen neuen Abt für das Kloster ernannte, was Johannes als Generalvikar bestätigte. Darauf wurden der Erzbischof, Johannes und drei weitere Beamte verhaftet. Der Erzbischof konnte fliehen, Johannes wurde gefoltert, vom König selbst mit Pechfackeln gebrannt, durch die Straßen geschleift und dann in der Moldau ertränkt.
Johannes' Leichnam wurde um 1400 in den Veitsdom in Prag überführt. Bald wurde er als Märtyrer verehrt; schon die Lebensgeschichte von Erzbischof von Jenzenstein bezeichnete ihn Anfang des 15. Jahrhunderts als Märtyrer. In der Überlieferung wurde er zunehmend das ideale Gegenbild zum tyrannischen Herrscher Wenzel. Die Geschichte vom schweigsamen Beichtvater der Königin berichtet erstmals Thomas Ebendorfer in seiner Kaiserchronik um 1450, danach der Prager Pavel ŽÃdek in seinem Fürstenspiegel von 1471. Danach wurde diese Legende immer weiter verbrietet, so von Johannes' Nachfolger als Generalvikar, Georg Barthold von Breitenberg, der um 1600 Johannes als Heiligen bezeichnete. 1670 wurde von Bohuslav BalbÃn seine Lebensgeschichte verfasst, sie bildete den Grundstein für die patroitische Verehrung als böhmischer Heiliger und die Verehrung im Habsburger Kaiserreich und in Deutschland.
Bronzeguss von Wolfgang Hieronymus Heroldt nach einem Tonmodell des Wiener Bildhauers Matthias Rauchmüller und einem Holzmodell des Prager Meisters Johann Brokoff, 1683: Statue auf der Karlsbrücke in Prag, die älteste der dortigen Statuen
1719 fand man bei der Öffnung des Grabes Gebeine
und Zunge unversehrt. Johannes' Sein Denkmal auf der Prager
Karlsbrücke, das 1693 errichtet wurde, machte ihn zu einem der wichtigsten
Brückenheiligen. Seit seiner Kanonisierung 1729 erlangte Johannes weitere
Popularität, er wurde geradezu zum Staatsheiligen
des Habsburger Reichs.
Der Kult wurde mit aller Kraft forciert, auch um dadurch die Erinnerung an den
unliebsamen böhmischen Nationalheiligen
Jan
Hus zu verdrängen. Die nationaltschechische Bewegung des 19. und 20.
Jahrhunderts lehnte Johannes gerade deshalb ab.
1731 bekam der Messkircher Fürst zu Fürstenberg vom Prager Erzbischof Reliquien von Johannes geschenkt; die hierfür erbaute Nepomuk-Kapelle wurde zum Ausgangspunkt der Verehrung in ganz Schwaben.
Kanonisation:
Johannes wurde 1721 selig- und 1729 von Papst Benedikt XIII. heiliggesprochen.
Attribute:
auf Brücken, Finger auf Mund, Kruzifix, Sternenkranz
Patron
von Böhmen,
der Stadt Salzburg;
der Beichtväter, Priester, Schiffer, Flößer, Müller; der Brücken; des
Beichtgeheimnisses; gegen Wassergefahren; bei Zungenleiden; für Verschwiegenheit
Bauernregeln:
Heiliger Sankt Nepomuk / treib' uns die Wassergüss' zurück.
Der Nepomuk uns das Wasser macht, / dass uns ein gutes Frühjahr lacht.
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon