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Papst Johannes Paul II. im Heiligen Jahr 2000
Karol Wojtyla wuchs in einem tiefgläubigen Elternhaus auf. Mit neun Jahren verlor er seine Mutter; drei Jahre später starb auch der Ältere Bruder Edmund. Um der Deportation zur Zwangsarbeit nach Deutschland zu entgehen, arbeitete er ab 1940 in einem Steinbruch, gleichzeitig studierte er Theologie im Untergrund; geprägt wurde sein Leben also vom Überlebenskampf, den die polnische Kirche erst gegen die NS-Ideologie, dann gegen die kommunistische Herrschaft führen musste. Woityla wurde 1946 zum Priester geweiht, er studierte wieder, nun für zwei Jahre in Rom, promovierte 1948 in Rom und im selben Jahr über ein moraltheologisches Thema in Kraków und übernahm dort 1948 seine erste Pfarrstelle. Ab 1953 war er Professor für Moraltheologie, 1958 wurde er zum Bischof von Kraków geweiht 1960 erschien seine Doktorarbeit. 1963 nahm er zeitweise am 2. Vatikanischen Konzil teil, 1964 wurde er zum Erzbischof und 1967 zum Kardinal erhoben. Schon damals habe er intensive Verbindungen zum mächtigen und finanzstarken Opus Dei gehabt.
Als Johannes Paul II. wurde er am 16. Oktober 1978 als erster Pole überhaupt und als erster Nicht-Italiener seit 1523 zum Papst gewählt. Im Mai 1981 wurde er bei einem Attentat auf dem Petersplatz lebensgefährlich verletzt; dem türkischen Attentäter Ali Aga verzieh er später, über die Auftraggeber des Anschlags kursieren bis heute allerlei Spekulationen. 1982 entging er bei einer Wallfahrt in Portugal dem Attentat eines fanatisch-konservativen Katholiken.
Johannes Paul II. unternahm in seiner Amtszeit 103 Auslandsreisen in 130 Staaten, davon drei nach Deutschland in den Jahren 1980, 1987 und 1996; beim letzten Besuch in Deutschland bekannte er, dass das Verhalten der damaligen katholischen Kirche die Reformation mit verursacht habe; Hoffnungen, er werde die Exkommunikation von Martin Luther aufheben, wurden aber nicht erfüllt. Erstmals im Juni 1979 und zum neunten Mal im Jahr 2002 unternahm Johannes Paul II. Reisen in sein Heimatland Polen; zweifellos hat sein Wirken entscheidend dazu beigetragen, die kommunistische Herrschaft in Polen und im gesamten Ostblock zu beenden. Die gewichtige politische Rolle von Johannes Paul II. zeigt sich auch in der Tatsache, dass 1978, zu Beginn seines Pontifikats, der Heilige Stuhl diplomatische Beziehungen mit 85 Ländern hatte, im Jahr 2005 aber zu 174 Ländern.
Nachdem 1998 erstmals durch die katholische Kirche eine Mitschuld von
Christen am Holocoust anerkannt wurde, unternahm Johannes Paul II. anlässlich
des Heiligen Jahres
2000 eine Reise ins Heilige Land und betete an der
Klagemauer in Jerusalem.
2001 besuchte er das orthodoxe Griechenland, in Damaskus
in Syrien besuchte er als erster Papst eine Moschee.
Bilder und Originaltöne von Johannes Paul II. enthält dieses mit Musik unterlegte Video
Johannes Paul II. gab 14 Enzykliken heraus, darunter 1980 die Sozialenzyklika
Dives in Misericordia
, Über das göttliche Erbarmen
, mit deulicher Kritik am
Kapitalismus, 1993 die Moralenzyklika Veritatis Splendor
, (Jesus Christus,)
das wahre Licht
, mit klaren konservativen Ansichten, 1995 Evangelium Vitae
,
Das Evangelium des Lebens
, mit der erneuten Verurteilung jeglicher künstlicher
Empfängnisverhütung sowie im Kapitel 56 der Kritik an der Verhängung der
Todesstrafe, was Johannes Paul II. auch gerade gegenüber der nordamerikanischen
Öffentlichkeit häufig wiederholt hat. 2003 folgte Ecclesia de Eucharistia
,
Kirche der EucharistieEucharistie - von griechisch ευχαριστειν, "Dank sagen" - vergegenwärtigt das heilvolle Sterben Jesu Christi.
Die Römisch-Katholische, die Orthodoxe und die Anglikanische Kirche nennen die Mahlfeier im Anschluss an 1. Kor 11, 24 Eucharistie, die Evangelischen Kirchen sprechen von "Abendmahl" im Anschluss an Mark 14, 17 und 1. Kor 11, 23.
mit der Bekräftigung des Verbotes, zusammen mit
Christen anderer Konfessionen das Abendmahl zu feiern und der Erklärung, es sei
Pflicht jedes Katholiken, abweichende Praxis sofort und direkt nach Rom zu
melden. Eine dem Vernehmen nach geplante Sozialenzyklika zur Nächstenliebe
konnte er nicht mehr verfassen; aber immer wieder hat er deutlich gegen Reichtum
und die Mächtigen Stellung genommen; sein Kampf gegen die Sirenengesänge des
Marktes war oft grimmiger, als es der gegen den Kommunismus je war.
1994 lehnte Johannes Paul im apostolischen Schreiben Ordinatio Sacerdotalis
die Frauenordination für alle Zeiten ab. Auf der Weltbevölkerungskonferenz in
Kairo
trat der Vatikan als einziger Staat gegen Geburtenkontrolle ein.
1999 wurde Abtreibung - selbst im Falle vorangegangener Vergewaltigung - verurteilt, nach
langer Auseinandersetzung musste die deutsche katholische Kirche aus dem
staatlich geförderten Beratungssystem für Schwangerschaftskonflikte aussteigen.
Im Heiligen Jahr 2000 legt Johannes Paul ein Schuldbekenntnis für Verfehlungen
der Kirchenmitglieder in der Geschichte ab. 2003 kritisierte er heftig die Pläne
der USA zum Krieg gegen den Irak.
Johannes Paul II. sprach insgesamt 1268 Menschen selig und 483 heilig - das sind mehr Kanonisierungen als in den fast 400 Jahren seit 1588, der Einführung des heute gültigen Verfahrens. 1992 erregte die schnelle Seligsprechung von Josemaria Escrivá de Balaguer, dem Gründer des militanten Laienordens Opus Dei, Aufsehen und erntete heftige Kritik. Mit der gleichzeitigen Seligsprechung der Päpste Johannes XXIII. und Pius IX. machte er im Jahr 2000 unmissverständlich klar, dass für ihn die Beschlüsse des 2. Vatikanischen Konzils nur auf der Grundlage der Entscheidungen des 1. Vatikanischen Konzils interpretiert werden dürfen, darunter vor allem auch dessen Aussagen über die Unfehlbarkeit des Papstes.
Seit 2002 verschlechterte sich der Gesundheitszustand von Johannes Paul II.
sichtlich, er stellte aber wiederholt klar, dass er auch im Leiden an seiner
Aufgabe festhalte, um damit ein Zeichen zu setzen, und dass ein Amtsverzicht -
wie es ihn nur einmal in der Geschichte der Päpste gab durch Papst Cölestin V.
- für ihn nicht in Frage komme. Er starb in der Osterwoche 2005, nachdem er am
Osterfest den traditionallen Segen nur
noch stumm erteilen konnte, an mehrfachem Organversagen; nach Angaben von
Kurienkardinal Javier Lozano Barragán, dem Gesundheitsminister
des Vatikan,
hatte er lebensverlängernde Maßnahmen abgelehnt.
Johannes Paul wurde weltweit - auch von Angehörigen anderer Religionen und
Konfessionen - als Jahrhundertpapst
, Friedensapostel
und glaubwürdiger Zeuge
des Evangeliums gewürdigt. Mit 26 Amtsjahren hat er länger regiert als alle
seine Vorgänger mit Ausnahme von Pius IX.
- länger auch als Petrus, dem in den
traditionellen Listen 25 Amtsjahre zugeschrieben werden. Gewiss war er ein ganz
großer Mensch: nicht weil er sich dazu gemacht hat, sondern weil er demütig war.
Wie ein Vermächtnis liest sich Johannes Pauls Botschaft an den Weltjugendtag
in Köln,
an dem er im August 2005 teilnehmen wollte - zur Jugend hatte er immer einen
besonderen Draht und sie zu ihm: Stark ist der Drang, an falsche Mythen des
Erfolgs und der Macht zu glauben; es ist gefährlich, verschwommenen Auffassungen
des Heiligen anzuhängen, die Gott unter der Gestalt der kosmischen Energie
darstellen, oder in anderen Formen, die nicht mit der katholischen Lehre
übereinstimmen.
Kanonisation:
Santo subito
, Heiligsprechung sofort
, forderten viele Teilnehmer bei der
Bestattung von Johannes Paul II. am 8. April 2005. Am 13. Mai, genau fünf Wochen
danach, hat sein Nachfolger, Papst Benedikt XVI., die Einleitung des Verfahrens
zur Seligsprechung bekannt gegeben. Eigentlich darf ein Seligsprechungsverfahren
erst fünf Jahre nach dem Tod des Betreffenden eingeleitet werden; Johannes Paul
II. hatte aber diese Bestimmung auch schon bei der Seligsprechung von Mutter
Teresa übergangen.
Ausführliche
Informationen
über Johannes Paul II. und sein Wirken hält die Homepage des Vatikans in
verschiedenen Sprachen bereit.
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