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Johannes trat um 1315 in Straßburg ins Dominikanerkloster ein und studierte dann Logik, Naturwissenschaften und Theologie, wohl in Köln bei Meister Eckhard. Er wandte er sich den Mystikern zu. Nach Straßburg zurückgekehrt, war er als Prediger und Seelsorger in Frauenklöstern bzw. Gemeinschaften von Beginen tätig, er lehrte in der Sprache des Volkes ein prakisches Christentum in tätiger Liebe. Er selbst erlitt schwere Anfechtungen und körperliche Leiden.
1339 wurden die Dominkaner aus Straßburg
vertrieben, da sie sich im Streit zwischen Papst Johannes XXII. und Kaiser
Ludwig von Bayern auf die Seite des Papstes gestellt hatten; Tauler kam mit
seinem Konvent nach Basel. Dort kam er in Kontakt zu den Gottesfreunden
, einer
Selbstbezeichnung frommer Kreise im Umfeld der Mystik des 14. Jahrhunderts, die
auch bei Laien verbreitet war; eine Repräsentantin war Margarete
Ebner, mit der er in Briefkontakt stand. Noch im selben Jahr reiste Tauler
nach Köln,
der letzten Wirkungsstätte von Meister
Eckhard, und befasste sich intensiv mit den Ansichten des Mystikers. Nach
zehn Jahren konnte Tauler nach Straßburg
zurückkehren.
In einigen Predigen berief Tauler sich ausdrücklich auf Meister
Eckhard, obwohl einige von dessen Anschauungen vom Papst als häretisch
verurteilt worden waren. Mit Eckhard teilte Tauler die Auffassung, dass es in
der menschlichen Seele einen innersten Kern gibt, der eine besondere Nähe zu
Gott hat, beinahe selbst schon göttlich ist; Tauler nannte ihn den Grund
.
Dieses tiefste Seelenzentrum strebt zu einer Vereinigung mit Gott, der Unio
mystica
, welche schon im diesseitigen Leben möglich ist. Der spirituelle Weg,
den ein Mensch gehen muss, um diese Vereinigung
zu erleben, ist das wichtigste
Thema der Predigten Taulers. Der Gottsucher kann dieses Ziel erreichen auf dem
Weg der inneren Abkehr von allem Weltlichen. So kann die menschliche Seele leer
werden, so dass sie von Gottes Gegenwart ganz erfüllt wird.
Tauler kritisierte veräußerlichte Frömmigkeitspraktiken sowie die in seiner Zeit verbreiteten harten körperlichen Bußübungen. Nach ihm kommt es in erster Linie auf die innere Einstellung des Gläubigen an, während der Äußere Vollzug von religiösen Handlungen sekundär ist. Weitere Themen waren die tätige Nächstenliebe sowie die Berufsarbeit der Laien, die von ihm besonders hoch bewertet wurden.
Systematische Schriften sind von Tauler nicht bekannt. Er wirkte vor allem durch seine Predigten - 84 sind überliefert, davon sind 80 authentisch. Seine Mystik war weniger spekulativ als vielmehr an den religiösen Ansprüchen des Alltags orientiert. Heilsgeschichte, Kirche und Bibel traten gegenüber der unmittelbaren Begegnung zwischen Gott und der gläubigen Seele eher in den Hintergrund.
Martin Luther schätzte Taulers Theologie sehr. Im 16. Jahrhundert war Taulers Werk in der katholischen Kirche deshalb in den Verdacht der Häresie und auf den Index der verbotenen Bücher gekommen, wurde aber bald darauf wieder auch zustimmend rezipiert. Mitte des 16. Jahrhunderts gab es gegenreformatorisch gesinnte Taulerausgaben, besorgt durch Petrus Canisius und den Kartäuser Surius.
Johannes Tauler: Es kommt ein Schiff geladen
Die Religion in Geschichte und Gegenwart (RGG³)
Biographisch- Bibliographisches Kirchenlexikon
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