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Hans Baldung Grien: Kopf des Johannes, 1516, in der National Gallery of Art in
Washington
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Johannes war Sohn der Elisabeth und des Zacharias, er wurde nach der Überlieferung ein halbes Jahr vor Jesus geboren. Der schon alte Priester Zacharias, dessen Ehe lange kinderlos war, opferte im Tempel und erhielt durch den Erzengel Gabriel die Verheißung, dass ihm ein Sohn geboren werde. Zacharias zweifelte, bat um ein Zeichen und wurde vom Engel mit Stummheit geschlagen. Die dann tatsächlich in hohem Alter schwanger gewordene Elisabeth wurde in der Schwangerschaft von Maria besucht, die bei ihr blieb bis zur Geburt des Johannes. Elisabeth, nach der Geburt über die Namensgebung befragt, wusste aus ihrer Eingebung, dass der Knabe entgegen der Familientradition Johannes heißen sollte; gleichzeitig schrieb Zacharias den Namen auf eine Wachstafel, erhielt nun seine Sprache zurück und brach in den im Lukasevangelium (1, 67 - 79) überlieferten Lobgesang aus.
Leonardo da Vinci: Johannes, 1513 - 16, Musée du Louvre in Paris
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Johannes trat erstmals im Herbst des Jahres 28 öffentlich als Bußprediger auf,
darüber berichtet auch der römische Geschichtsschreiber Flavius Josephus. Er
lebte als Asket in der Wüste, wo er mit rauhem Kamelhaar bekleidet, von
Heuschrecken und wildem Honig ernährt
(Markusevangelium 1, 6;
Matthäusevangelium 3, 4) geschildert wird, was an Elia
erinnert. Er verkündete am Jordan
das Kommen des von den Juden ersehnten Messias,
vollzog zur Vorbereitung hierauf die Bußtaufe mit Wasser als Symbol für die
Rettung im kommenden Weltgericht und versammelte eine Schar von Anhängern um
sich. Dabei wurde er vom Fürsten Herodes bespitzelt, vorbeugend von Soldaten
umgeben und von den Pharisäern
zur Rede gestellt, ob er der Messias sei (Lukasevangelium 3, 1 - 20).
Die christliche Kirche sieht in ihm den letzten großen Propheten der biblischen
Tradition.
Johannes taufte Jesus im
Jordan,
wahrscheinlich an der heute Qasr
el Jahud genannten Stelle auf der Ostseite des Flusses nahe des Toten Meeres.
Dabei wurde die besondere Sendung Jesu und seine Göttlichkeit zum ersten Mal
öffentlich offenbar: Aus dem Himmel erscholl eine Stimme: 'Du bist mein
geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.'
(Lukasevangelium 3, 24)
Dietrich Bouts, der Jüngere: Johannes in der Landschaft, um 1470, Alte
Pinakothek in München
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Von König Herodes Antipas wurde Johannes dann gefangen genommen, weil der ihm die unrechtmäßige Verbindung mit seiner Schwägerin Herodias öffentlich vorgehalten hatte. Die hasserfüllte Herodias bewegte ihre Tochter Salome, als diese dem von ihrem Tanz entzückten Vater einen Wunsch Äußern durfte, Johannes' Haupt zu fordern. Er wurde enthauptet, Salome brachte ihrer Mutter das Haupt auf einer Schale (Markusevangelium 6, 14 - 29).
Nach syrischen Legenden begruben Andreas und Johannes den Leichnam in Samaria - dem heutigen Shomron /Sabastiyah -, dieses Grab wurde von Hieronymus bestätigt. Im 4. Jahrhindert wurde dort eine Kirche errichtet, deren Reste 1931 ausgegraben wurden. Die Städte Konstantinopel - das heutige Ístanbul -, Damaskus und Emesa - das heutige Hims in Syrien - behaupteten, das Haupt des Johannes zu besitzen; Überlieferungen berichten die Verbrennung der Gebeine durch die Ungläubigen in Sebaste - dem heutigen Sivas in der Türkei -, wobei aber Reliquien gerettet werden konnten.
In Ein
Kerem, das Johannes Geburtsort gewesen sei, steht am angeblichen Platz
seiner Geburt die Kirche des Heiligen Johannes
und am Ort der vorherigen
Begegnung mit seiner Mutter
die Kirche der Heimsuchung
. Qumran
am Toten Meer, berühmt durch die dort aufgefundenen Schriftrollen, das Kloster
der jüdischen Sekte der Essener, war der Ort, von dem aus Johannes wohl sein
Wirken begann. Unweit, wenige Kilometer nördlich vom Zufluss des Jordans ins
Tote Meer wird in Kasr-el-Yahud
die Stelle gezeigt, an der Johannes gepredigt und getauft habe und wo demnach
auch die Taufe Jesu erfolgte.
Reliquien von Johannes werden auch im Kloster Abu Makar in Ägypten verwahrt.
In der Legenda Aurea wird
Johannes auch als Engel bezeichnet, nach Maleachi 3, 1: Siehe, ich sende meinen
Engel vor mir her
; in der östlichen Tradition wird er deshalb meist mit großen
Flügeln dargestellt. Als Mittler im Jüngsten Gericht ist sein Platz traditionell
zur Linken Christi.
Der Täufer erhielt seinen Festtag in Rom
sechs Monate vor dem Geburtsfest Jesu.
Auch Augustinus kannte für Afrika
dieses Datum. Neben Jesus und Maria ist
Johannes der einzige, dessen Geburtstag gefeiert wird, woran seine
besondere heilsgeschichtliche Bedeutung deutlich wird. Sein Hinweisen auf den
Erlöser ist wohl der Grund, warum sich das alte keltische Sonnenwendfest, der
Tag des Sieges der Sonne und des Lichtes über Dunkelheit und Tod, als
Johannistag geeignet erwies, um christlich überformt zu werden. Johannes- oder
Sonnwendfeuer werden weithin an diesem Tag abgebrannt; seit dem 10. Jahrhundert
war es üblich, dazu geweihten Wein zu trinken. Mancherorts werden Brunnen und
Quellen besonders geschmückt. Ein Feuersegen
findet sich im deutschen
Benediktionale der katholischen Kirche. Dem Johanniskraut, das um diese
Jahreszeit blüht, schrieb man Abwehreigenschaften gegen Geister und Teufel zu.
Daneben wird in der katholischen Kirche
• am 24. Februar bzw. 11. März der Tag der Auffindung seines Kopfes,
• am 29. August der Gedenktag
der Enthauptung und
• am 24. September der Gedenktag der Empfängnis durch Elisabeth
gefeiert;
• in Amiens
wird auch der 17. Dezember als Tag der Ankunft seines Gesichtes gefeiert.
In der orthodoxen Kirche wird
• am 7. Januar der Gedenktag
der Übertragung der Hand des Johannes nach Konstantinopel - dem heutigen Ístanbul
-,
• ebenfalls am 24. Februar der Gedenktag der ersten Auffindung seines Kopfes im 4.
Jahrhundert und der zweiten Auffindung des Kopfes im Jahr 452,
• am 25. Mai der Gedenktag der dritten Auffindung seines Kopfes um das Jahr 850,
• am 29. August der Gedenktag
der Enthauptung und
• am 23. September das Fest seiner Empfängnis durch Elisabeth
begangen.
In der armenischen Kirche sind
• 11. August und 29. Oktober weitere Gedenktage; außerdem wird
• am 7. Januar Johannes als Zeuge der Epiphanie gefeiert,
• am 24. Februar der Auffindung seines Kopfes gedacht; die liturgische Feier
dieses Tages ist am 3. Donnerstag nach dem Assumptionssonntag
• am 24. Juni der Geburtstag bei den Franken - d.h. den lateinischen Christen - und bei den
Griechen - d.h. den orthodoxen Christen - mitbedacht,
• am 29. August der Gedenktag
der Enthauptung begangen,
• am 23. September und am 10. Oktober die Empfängnis durch Elisabeth
gefeiert und
• am 16. Oktober der Übertragung der Reliquien von Cäsarea
nach Armenien gedacht; die liturgische Feier dieses Tages ist am 2. Donnerstag nach
Pfingsten.
Attribute:
Fellgewand, Spruchband Ecce Agnus Dei
, Lamm, Kreuzstab
Patron
von Jordanien, Malta, Burgund,
und der Provence,
von Florenz,
Amiens
und Québec;
der Schneider, Weber, Gerber, Kürschner, Färber, Sattler, Gastwirte, Winzer,
Fassbinder, Zimmerleute, Architekten, Maurer, Steinmetze, Schornsteinfeger,
Schmiede, Hirten, Bauern, Sänger, Tänzer, Musiker, Kinoinhaber; der Lämmer,
Schafe und Haustiere; der Weinstöcke; gegen Alkoholismus, Kopfschmerzen,
Schwindel, Angstzustände, Fallsucht, Epilepsie, Krämpfe, Heiserkeit,
Kinderkrankheiten, Tanzwut, Furcht und Hagel; des Bistums Gurk-Klagenfurt
Ruinen der Kreuzfahrerkirche in Samaria - dem heute Shomron / Sabastiyah
- aus dem 12. Jahrhundert und Grabkapelle des Johannes, hinten das Minarett der
Johannesmoschee aus dem ehemaligen Chor der Kirche. Von der byzantinischen
Grabkirche für Johannes aus dem 4. Jahrhundert sind nur noch wenige Steine an
der (auf dem Bild nicht sichtbaren) Nordmauer erhalten. ![]()
Bauernregeln:
Vor dem Johannistag / man Gerst und Hafer nicht loben mag.
Vor Johanni bitt' um Regen, / hernach kommt er ungelegen.
Bis zu Johanni kann's mal regnen, / danach kommt er ungelegen.
Regnet's am Johannistag, / regnet es noch vierzehn Tag.
Regen am Johannistag, / nasse Ernt' man erwarten mag.
Sankt Johannis Regengüsse, / verderben uns die besten Nüsse.
Johanni trocken und warm, / macht den Bauern nicht arm.
Wie's Wetter am Johanni war, / so bleibt's wohl 40 Tage gar.
Wenn die Johanniswürmer glänzen, / darfst Du richten Deine Sensen.
Glüh'n Johanniswürmchen helle, / schöner Juni ist zur Stelle.
Der Kuckuck kündet teure Zeit, / wenn er nach Johanni schreit.
Vor dem Johannistag, / keine Gerste man loben mag.
An Sankt Johanni Abend, leg die Zwiebel in ihr kühles Beet.
Am Sankt Johannistag hat der Teufel keine Macht.
Biographisch- Bibliographisches Kirchenlexikon