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Johannes' entstammte der einflussreichen, vornehmen Familie Manṣūr, die üblicherweise Ämter im staatlichen Finanzsektor innehatte. Johannes' Großvater war Stadtpräfekt von Damaskus und übergab 635 die Stadt den Arabern, Johannes' Vater war Finanzminister bei Kalif Mu'awija I. Johannes war Spielgefährte des Sohnes des Kalifen und erhielt eine standesgemäß gute Ausbildung als Schriftsteller und Dichter. Mit dem Regierungsantritt des neuen Kalifen Abd el Malek 685 brach für die Christen eine Zeit der Diskriminierung und Entfernung aus ihren Ämtern an. Die Legende berichtet, dass ihm auf Befehl des Kalifen wegen angeblichem Landesverrat die Hand abgschlagen wurde, diese aber durch die Gottesmutter wieder angefügt wurde.
Zusammen mit seinem Stiefbruder Cosmas zog Johannes sich noch vor 700
ins Kloster Mār
Saba bei Jerusalem zurück, wohin ihm sein Ruf als Dichter und Gelehrter
schon vorausgeeilt war. Dort erhielt er seine theologische Ausbildung durch
Patriarch Johannes V. von Jerusalem,
der Johannes auch - gegen seinen Willen - zum Priester weihte und dem er
dann oft als Berater zur Seite stand, v.a. im Bilderstreit
um die
Frage der Verehrung von Ikonen. Auch
im Dienst anderer Bischöfe war Johannes tätig, viele seiner Werke resultierten
aus solchen Aufgaben. In Jerusalem war er immer wieder als Prediger tätig.
Johannes erwarb sich bei der Nachwelt einen Namen als Gelehrter, Theologe,
Prediger und Dichter, besonders seine Gedichte und seine Werke der
Kirchenmusik werden noch heute beachtet. Sein großes Redetalent brachte ihm
den Beinamen Χρυσορρόας
, goldener Strom
, ein, wie Theophanes
bezeugt. Er verfasste eines der ersten Standardwerke der ostkirchlichen
Theologie, die Πέγε Γνοσέως
, Quelle der Erkenntnis
. Dieser
Text besteht aus den philosophischen Kapiteln der Dialektik
über
die Erkenntnisse der heidnischen Philosophen, dem Buch über die
Irrlehren
mit der Darstellung von 100 Häresien seiner Zeit sowie
der Darstellung des orthodoxen Glaubens
mit 100 Kapiteln über
grundlegende Lehren des Christentums wie Gott und Schöpfung, Lehe vom
Menschen, über Christus
und Maria, Heiligen- und
Ikonenverehrung. Dieser dritte und
wichtigste Abschnitt lieferte eine vollständige Dogmatik, welche die Lehren
der altgriechischen Kirchenväter und
die Ergebnisse der SynodenSynode (altgriech. für „Zusammenkunft”) bezeichnet eine Versammlung in kirchlichen Angelegenheiten.
In der alten Kirche wurden „Konzil” und „Synode” synonym gebraucht. In der römisch-katholischen Kirche sind Synoden Bischofsversammlungen zu bestimmten Themen, aber mit geringerem Rang als Konzile. In evangelischen Kirchen werden nur die altkirchlichen Versammlungen als Konzile, die neuzeitlichen Versammlungen als Synode bezeichnet.
des 4. bis 7. Jahrhunderts zusammenfasst. Einige nannten ihn deshalb den
Thomas von Aquin des
Ostens
.
Im Bilderstreit stand Johannes entschieden auf der Seite der Befürworter der
Ikonographie; für die Entwicklung der Theologie der Ikonen,
die für die Orthodoxie kennzeichnend werden sollte, gab Johanne' Schrift
Drei Reden an die Schmäher der heiligen Ikonen
die entscheidenden
Impulse. Demgemäß bekämpfte er auch die Edikte des byzantinischen Kaisers
Leo III., der sich gegen die Verehrung von Statuen und bildlichen
Darstellungen aussprach.
Zu Fragen von Ethik und Askese verfasste Johannes die Schrift Über das
fasten
und die Sacra parallela
, heilige Begleitung
. Eine
Auslegung der Briefe von Paulus ist
das einzige exegetische Werk. Bedeutsam sind seine Heiligengeschichten über
Barbara, Johannes
„Chrysostomus”, die Leidensgeschichte des == Artemius und der Roman über
Barlaam und Josaphat.
Schließlich sind auch einige seiner Predigten überliefert.
Johannes kann als konsequenter Vertreter der Lehren des Konzils
von Chalkedon, als treuer Interpret der Kirchenväter
und somit als maßgeblicher Interpret der orthodoxen Lehre gelten. Im
Westen wurden seine Werke nur zögernd aufgenommen, bis Petrus Lombardus'
Trinitätslehre auf dem 4.
Konzil im Lateran das verständnis öffnete. Johannes Πέγε Γνοσέως
,
Quelle der Erkenntnis
wurde übersetzt, als Sententiae Damasceni
,
Damaszenische Lehrsätze
verbreitet und ab 1507 oft gedruckt. Großen
Einfluss hatte das Werk von Johannes im slawischen Raum bis in die Neuzeit.
In hohem Alter hat Johannes nach eigenen Angaben seine Schriften noch einmal redigiert. Er starb angeblich im Alter von 104 Jahren.
Auf der bilderfeindlichen Synode in Hiereia - heute der Stadtteil Kadıköy
in Istanbul - im Jahr 754 wurde Johannes als verstorben bezeichnet und
ob seiner Positition im Streit um die Ikonen
verurteilt; Kaiser Konstantin habe dabei mit einem Wortspiel aus seinem
Namen ihn als Bastard
bezeichnet. Johannes wurde aber schon beim 2.
Konzil von Nicäa rehabilitiert.
Johannes' Verehrung ist schon in den ältesten Verzeichnissen belegt. Bis ins 12. Jahrhundert wurden seine Gebeine im Kloster Mār Saba aufbewahrt, dann wurden sie offenbar ins Kecharitomene-Kloster nach Konstantinopel - dem heutigen Ístanbul - überführt.
Kanonisation:
Papst Leo XIII ernannte Johannes 1890 zum Kirchenlehrer
und Patron der Theologiestudenten des Ostens.
Attribute:
oft mit Turban wegen seiner orientalischen Herkunft
Patron
der Apotheker, Ikonenmaler, Theologiestudenten
Martyrologium Romanum Flori-Legium
Die
Genaue
Darlegung des orthodoxen Glaubens auf Deutsch gibt es in der Bibliothek der
Kirchenväter der Université Fribourg.
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon