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Ivan Ilyitsch Sergiev entstammte einer alten Priesterfamilie. 1845 bis 1851
besuchte er das Geistliche Seminar in Archangelsk
und konnte dann bis 1855 an der Geistlichen Akademie St.
Petersburg auf Staatskosten weiter studieren. Nach seiner EheschlieĂźung wurde
er 1855 zum Priester geweiht und trug nun den geistlichen Namen Ioann. Gleich
nach Antritt seines Dienstes in Kronstadt
begann er mit dem Besuchsdienst in den Elendsvierteln der Stadt. 1882 konnte
er sein Haus der Arbeitsliebe
eröffnen, das Arbeitsplätze und Versorgung
vermittelte. 1888 wurde ein Nachtasyl erbaut, 1891 eine Pilgerherberge. Mit der
Zeit wurde das Haus der Arbeitsliebe
durch ein Waisenhaus, eine
Kindertagesstätte, ein Armenhaus für Frauen, einen Volksspeiseraum und eine
Verteilstelle für Bekleidung ergänzt. Bald offenbarte sich seine Gabe der
Wundertätigkeit: Heilungen ereigneten sich bei persönlichen Besuchen, in Volksmengen
und auch über räumliche Distanz hinweg auf Bitten in Briefen und Telegrammen.
Auch Moslems und Juden wurden geheilt.
Ioanns Haus der Arbeitsliebe
in Kronstadt

Ioanns Bekanntheitsgrad reichte bald schon ĂĽber die Landesgrenzen hinaus,
Menschen aus allen Teilen der russischen Monarchie pilgerten zu ihm nach Kronstadt,
täglich kamen Tausende, noch mehr Leute schrieben ihm, so dass die lokale Post
eine eigene Abteilung für seine Korrespondenz eröffnen musste. Sein Ruf brachte
ihm auch beachtliche Summen an Spenden ein, die Rede ist von einer Million Rubel
im Jahr, für die damalige Zeit eine schier unvorstellbare Summe. Ioann verköstigte
täglich Tausende Bedürftige, errichtete in Kronstadt 1882 das erste russische Haus
der Arbeitsliebe
; im Lauf der Zeit wurde das Haus der Arbeitsliebe
durch
ein Waisenhaus, eine Kindertagesstätte, ein Armenhaus für Frauen, einen Volksspeiseraum
und eine Verteilstelle für Bekleidung ergänzt. In den Werkstätten für Männer und
Frauen arbeiteten im Lauf eines Jahres 25.000 Menschen, die Schule betreute 300
Kinder. 1888 eröffnete ein Nachtasyl, 1891 eine Pilgerherberge. In seinem Heimatdorf
Sura
grĂĽndete er ein Frauenkloster und lieĂź eine Kirche aus Stein errichten, in St.
Petersburg stiftete er das Frauenkloster an der Karpovka, einem Seitenarm
der Neva.
Ab 1888 führte Ioann eine ausgedehnte Reisetätigkeit durch das ganze russische Kaiserreich, eigene Schiffe und Sonderwagen standen ihm dafür zur Verfügung. In Charkov - dem heutigen Charkiw in der Ukraine - fanden sich 1890 über 60.000 Menschen auf dem Domplatz ein, um am Gebet mit Ioann teilzunehmen. Wenn er mit dem Schiff fuhr, versammelten sich Gläubige an den Ufern, oft kniend. Die Wertschätzung für ihn reichte bis in höchste Kreise: Zar Alexander III. starb 1894 in seinen Armen. Um die vielen Gläubigen nicht zu enttäuschen, führte er die Allgemeinbeichte im Gottesdienst ein, anders waren die Massen nicht zu bewältigen; die tägliche Feier der Liturgie dauerte dennoch Stunden. Ioann wurde zum Erzpriester mit dem Recht, eine Mitra zu tragen, und zum Mitglied des Heiligsten Sinods ernannt.
Ioann war Mitglied des rechtsradikalen Russischen Volksbundes
, enthielt
sich jedoch politischer Stellungnahme. Die Sektenbildung der Ioannity
, die vom
Haus der Arbeitsliebe
ausging und in Ioann den neuen Christus
sah, setzte ihm zu. Sein Geburtshaus wurde zur Wallfahrtsstätte
orthodoxer Christen ohnegleichen, er wurde als Hirte aller Russen
verehrt.
In einem geistlichen Tagebuch schrieb Ioann seine Gedanken auf, er nannte sie ein
Geschenk des alles erleuchtenden Geistes Gottes. Dieses Buch erschien 1893 unter dem Titel
Mein Leben in Christus
in drei Bänden mit insgesamt über 1000 Seiten, es wurde
teilweise auch ins Deutsche ĂĽbersetzt. Seine umfangreiche Erbauungsliteratur umfasst v.a.
Predigten.
Ioanns Begräbnis in St.
Petersburg 
An Ioanns Begräbnis nahmen Zehntausende teil, es wurde gehalten vom St. Petersburger Metropoliten Antonij Vadkovskij in Begleitung von Bischöfen und Priestern. Soldaten standen auf dem ganzen Weg Spalier. Am seinem Grab ereignen sich bis heute Wunder. In der Zeit des Kommunismus fanden die gläubigen Menschen in seinem Vorbild Stärkung für ihr Standhalten im Glauben und in der Frömmigkeit.
1989 wurde das von ihm gegrĂĽndete Nonnenkloster in St. Petersburg wieder besiedelt, dort ist er bestattet, heute lebt dort wieder eine blĂĽhende Gemeinschaft. In Hamburg wurde 2001 eine Russischen-Orthodoxe Gemeinde des Moskauer Patriarchats gegrĂĽndet, die sich seit 2004 in einer als lutherische Kirche gebauten und nun dem Heiligen Johannes von Kronstadt gewidmeten Kirche versammelt.
Kanonisation:
Nach einem langwierigen Entscheidungsprozess wurde Ioann 1990 vom Moskauer
Patriarchat der Russischen Orthodoxen
Kirche heiliggesprochen. Schon 1964 war er von der Russischen
Orthodoxen Kirche im Ausland in den Heiligenkalender aufgenommen worden.
Die
Kirche des Heiligen Johannes von Kronstadt in Hamburg bietet auf ihrer Homepage
eine
ausfĂĽhrliche Biografie.
ĂĽbersetzt von Andrej Schabelnikow
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon