Ökumenisches Heiligenlexikon

Judas ThaddÀus
auch: LebbÀus
hebrÀischer Name: Taddaj
armenischer Name: Andaraos, Addai

Gedenktag katholisch: 28. Oktober
     Fest, bedacht im EucharistischenDie Eucharistie - von griechisch „ΔυχαρÎčστΔÎčΜ, Dank sagen” - vergegenwĂ€rtigt das heilvolle Sterben Jesu Christi. Die Römisch-Katholische, die Orthodoxe und die Anglikanische Kirche nennen diese Mahlfeier im Anschluss an 1. Korintherbrief 11, 24 Eucharistie, die Evangelischen Kirchen sprechen von „Abendmahl” im Anschluss an Markusevangelium 14, 17 und 1. Korintherbrief 11, 23. Hochgebet I
     und im AmbrosianischenDie Ambrosianische Liturgie entstand im 8. Jahrhundert unter orientalischem Einfluss, sie wird auf Ambrosius von Mailand zurĂŒckgefĂŒhrt, von dem wohl die meisten Texte auch stammen. Sie wird v.a. in der Kirchenprovinz Mailand und im Bistum Lugano benutzt. Karl BorromĂ€us förderte diese Sonderform, im Mittelalter wurde aus ihr auch die Gleichwertigkeit des MailĂ€nder Erzbistums gegenĂŒber Rom abgeleitet. Hochgebet I
Gedenktag evangelisch: 28. Oktober
Gedenktag anglikanisch: 28. Oktober
Gedenktag orthodox: 21. August
                                            4. Januar
Gedenktag armenisch: 10. Februar
     Todestag
                                               9. April, 22. Dezember
     liturgische Feier am Samstag nach dem 1. Adventssonntag
     und am Samstag nach dem VerklĂ€rungssonntag
Gedenktag koptisch: 26. Juni
     Übertragung der Reliquien von Syrien nach Konstantinopel
       unter Kaiser Konstantin: 23. Juli
Gedenktag armenisch: 22. Dezember
Name bedeutet: J: Gott sei Dank (hebr. - griech.)
T: der Beherzte, Mutige (aramÀisch)
Apostel, MĂ€rtyrer
† 44 (?) in Babylon, heute Han-al-Mahawil im Irak (?)
Kartenskizze

Kartenskizze


Kartenskizze

Werkstatt von Simone Martini, wohl um 1320, National Gallery of Art in Washington

Werkstatt von Simone Martini, wohl um 1320, National Gallery of Art in Washington   

Judas war der Sohn eines Jakobus (Lukasevangelium 6, 16) und einer der JĂŒnger Jesu; er ist nicht zu verwechseln mit Judas, genannt Ischariot, der Jesus verraten hat, wie das Johannesevangelium (14, 22) ausdrĂŒcklich betont. Judas wird dort als einziges Mal im Neuen Testament handelnd erwĂ€hnt mit der Frage, warum Jesus seine Abschiedsrede exklusiv den JĂŒngern und nicht der ganzen Welt offenbare. In der Apostelliste der Apostelgeschichte (1, 13) wird er als Judas, in den Apostellisten des Markus- (3, 18) und des MathhĂ€usevangeliums (10, 3) wird ein ThaddĂ€us genannt, jeweils an der 10. oder 11. Stelle neben Simon dem Zeloten.

Einige alte Bibelhandschriften nennen ThaddÀus LebbÀus oder Judas Zelotes

Die alte Kirche sah in Judas und ThaddĂ€us seit Origines dieselbe Person. Die Tradition sieht ihn meist zusammen mit Simon und nannte die beiden BrĂŒder von Jakobus dem JĂŒngeren, also Söhne des AlphĂ€us und der Maria des Kleophas. Der ihm immer wieder zugeschriebene Brief des Judas im Neuen Testament, der letzte der sogenannten katholischen Briefe, stammt sicher nicht von ihm, denn dessen Verfasser nennt sich selbst Bruder des Jakobus.

Nach einer erstmals von Eusebius von CĂ€sarea bezeugten Legende, die um 400 zur Doctrina Addaei erweitert und dann auch in die Legenda Aurea aufgenommen und auch in der Armenischen Kirche ĂŒberliefert wurde, schickte der Apostel Thomas ThaddĂ€us nach der Himmelfahrt Christi unter dem Namen Addai zum König von Edessa - dem heutigen Sanlıurfa -, Abgar V. Ukkama von OsroĂ«ne, geschickt; der König wollte ein Bild des Herrn malen lassen, weil Christus ihn geheilt hatte, wobei der Maler dann aber von solchem Glanz geblendet wurde, dass er nicht weitermalen konnte, und Gott selbst das Bild vollendete.

Nach anderen Überlieferungen wirkte ThaddĂ€us zusammen mit Simon Zelotes in Syrien und Mesopotamien, dann in Persien, wo beide dem Feldhauptmann des Königs von Babylon - dem heutigen Han-al-Mahawil -, Baradach, Sieg und Frieden prophezeiten, was tatsĂ€chlich gleich am nĂ€chsten Tag Wirklichkeit wurde. Als Götter in Menschengestalt zu König Xerxes gefĂŒhrt, tauften sie ihn, den ganzen Hofstaat und viele Tausende im Land. Wiederholt zum Vernichten der feindlichen Gewalten aufgefordert, wiederholten sie ihr stĂ€ndiges Wort: Nicht zu töten, sondern lebendig zu machen sind wir gekommen. Nach zahlreichen Wundertaten, mit denen sie die Machtlosigkeit der Zauberer bewiesen und die Abgötter stĂŒrzten, organisierten die Zauberer im Lande einen Aufstand der Priester, die beide Apostel erstachen, nach anderen Legenden enthaupteten, nach wieder anderer Version ThaddĂ€us mit einer Keule und Simon mit einer SĂ€ge zu Tode martern ließen. Ein gewaltiges Unwetter erschlug daraufhin Priester und Zauberer. Der König ließ die Leichen der beiden Heiligen suchen, bestatten und eine große Kirche darĂŒber bauen.

Buchmalerei, 1493, Hartmann Schedels NĂŒrnberger Weltchronik

Buchmalerei, 1493, Hartmann Schedels NĂŒrnberger Weltchronik   

Nach der armenischen Tradition missionierte Judas ThaddÀus zusammen mit BartholomÀus in Armenien. Nach diesem Martyrium des heiligen ThaddÀus erlitt er unter einem König namens Sanatruk den Tod um Jesu Christi willen.

Angeblich mĂŒndlich von ThaddĂ€us ĂŒberbrachte Jesus-Worte gebrauchte man in Syrien und Ägypten noch lange als Unheil abwehrendes Schutzmittel.

In der katholischen Kirche wurde das heutige Fest zuerst in Gallien begangen und kam von dort in den römischen Kalender; schon das Martyrologium des Hieronymus kannte ihn. Judas ThaddĂ€us war ein in der katholischen VolksĂŒberlieferung lange vergessener Apostel, er wurde erst Ende des 18. Jahrhunderts wieder entdeckt und seitdem als Helfer in verzweifelten Situationen und bei schweren Anliegen angerufen. Reliquien werden vor allem im Petersdom in Rom verehrt.

Attribute: Buch, Keule, Hellebarde
Patron von Goslar; in schweren Nöten und Anliegen, in verzweifelten Situationen
Bauernregeln: Wenn Simon und Judas vorbei, / so rĂŒckt der Winter herbei.
Simon und Juda, die zwei, / fĂŒhren oft Schnee herbei.
Simon und JudÀ, / hÀngen an die Stauden Schnee.
Ist's an Judas hell und klar / gibt's Regen erst ab CĂ€cilia.
Simon und Judas / fegen das Laub in die Gass.
Bevor dich Simon - Judas schaut, / pflanze BĂ€ume, schneide Kraut.
Schneid das Kraut, / bevor es Juda klaut.
Es sitzen auch die heiligen Herrn, / am warmen Ofen gern.


Quellen:
‱ Hiltgard L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Reclam, Ditzingen 1984
‱ Karl MĂŒhlek. In: Friedrich-Wilhelm Bautz †, Traugott Bautz (Hg.): Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon, Bd. III, Herzberg 1992
‱ Christoph Schmitt. . In: Friedrich-Wilhelm Bautz †, Traugott Bautz (Hg.): Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon, Bd. XI, Herzberg 1996
‱ http://www.bauernregeln.net/oktober.html
‱ Lexikon fĂŒr Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl. Bd. 5. Herder, Freiburg im Breisgau 1996
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