Werkstatt von Simone Martini, wohl um 1320, National Gallery of Art in
Washington

Judas war der Sohn eines Jakobus (Lukasevangelium 6, 16) und einer der JĂŒnger Jesu; er ist nicht zu verwechseln mit Judas, genannt Ischariot, der Jesus verraten hat, wie das Johannesevangelium (14, 22) ausdrĂŒcklich betont. Judas wird dort als einziges Mal im Neuen Testament handelnd erwĂ€hnt mit der Frage, warum Jesus seine Abschiedsrede exklusiv den JĂŒngern und nicht der ganzen Welt offenbare. In der Apostelliste der Apostelgeschichte (1, 13) wird er als Judas, in den Apostellisten des Markus- (3, 18) und des MathhĂ€usevangeliums (10, 3) wird ein ThaddĂ€us genannt, jeweils an der 10. oder 11. Stelle neben Simon dem Zeloten.
Einige alte Bibelhandschriften nennen ThaddÀus LebbÀus
oder
Judas Zelotes
Die alte Kirche sah in Judas und ThaddÀus seit Origines
dieselbe Person. Die Tradition sieht ihn meist zusammen mit Simon
und nannte die beiden BrĂŒder von Jakobus
dem JĂŒngeren, also Söhne des AlphĂ€us und der Maria
des Kleophas. Der ihm immer wieder zugeschriebene Brief des Judas
im Neuen Testament, der letzte der sogenannten katholischen Briefe, stammt
sicher nicht von ihm, denn dessen Verfasser nennt sich selbst Bruder des
Jakobus
.
Nach einer erstmals von Eusebius
von CĂ€sarea bezeugten Legende, die um 400 zur Doctrina Addaei
erweitert und dann auch in die Legenda
Aurea aufgenommen und auch in der Armenischen
Kirche ĂŒberliefert wurde, schickte der Apostel Thomas
ThaddÀus nach der Himmelfahrt
Christi unter dem Namen Addai zum König von Edessa - dem heutigen Sanlıurfa
-, Abgar V. Ukkama von Osroëne, geschickt; der König wollte ein Bild des
Herrn malen lassen, weil
Christus ihn geheilt hatte, wobei der Maler dann aber von solchem Glanz
geblendet wurde, dass er nicht weitermalen konnte, und Gott selbst das Bild
vollendete.
Nach anderen Ăberlieferungen wirkte ThaddĂ€us zusammen mit Simon
Zelotes in Syrien und Mesopotamien, dann in Persien, wo beide dem
Feldhauptmann des Königs von Babylon - dem heutigen Han-al-Mahawil
-, Baradach, Sieg und Frieden prophezeiten, was tatsÀchlich gleich am nÀchsten
Tag Wirklichkeit wurde. Als Götter in Menschengestalt zu König Xerxes gefĂŒhrt,
tauften sie ihn, den ganzen Hofstaat und viele Tausende im Land. Wiederholt zum
Vernichten der feindlichen Gewalten aufgefordert, wiederholten sie ihr stÀndiges
Wort: Nicht zu töten, sondern lebendig zu machen sind wir gekommen.
Nach
zahlreichen Wundertaten, mit denen sie die Machtlosigkeit der Zauberer bewiesen
und die Abgötter stĂŒrzten, organisierten die Zauberer im Lande einen Aufstand
der Priester, die beide Apostel erstachen, nach anderen Legenden enthaupteten,
nach wieder anderer Version ThaddÀus mit einer Keule und Simon mit einer SÀge zu
Tode martern lieĂen. Ein gewaltiges Unwetter erschlug daraufhin Priester und
Zauberer. Der König lieà die Leichen der beiden Heiligen suchen, bestatten und
eine groĂe Kirche darĂŒber bauen.
Buchmalerei, 1493, Hartmann Schedels NĂŒrnberger
Weltchronik 
Nach der armenischen Tradition missionierte Judas ThaddÀus zusammen mit
BartholomÀus in Armenien. Nach
diesem Martyrium des heiligen ThaddÀus
erlitt er unter einem König namens
Sanatruk den Tod um Jesu Christi willen.
Angeblich mĂŒndlich von ThaddĂ€us ĂŒberbrachte Jesus-Worte gebrauchte man in Syrien und Ăgypten noch lange als Unheil abwehrendes Schutzmittel.
In der katholischen Kirche wurde das heutige Fest zuerst in Gallien begangen und kam von dort in den römischen Kalender; schon das Martyrologium des Hieronymus kannte ihn. Judas ThaddĂ€us war ein in der katholischen VolksĂŒberlieferung lange vergessener Apostel, er wurde erst Ende des 18. Jahrhunderts wieder entdeckt und seitdem als Helfer in verzweifelten Situationen und bei schweren Anliegen angerufen. Reliquien werden vor allem im Petersdom in Rom verehrt.
Attribute:
Buch, Keule, Hellebarde
Patron
von Goslar;
in schweren Nöten und Anliegen, in verzweifelten Situationen
Bauernregeln:
Wenn Simon und Judas vorbei,
/ so rĂŒckt der Winter herbei.
Simon und Juda, die zwei, /
fĂŒhren oft Schnee herbei.
Simon und JudÀ, /
hÀngen an die Stauden Schnee.
Ist's an Judas hell und klar / gibt's Regen erst ab CĂ€cilia.
Simon und Judas /
fegen das Laub in die Gass.
Bevor dich Simon -
Judas schaut, / pflanze BĂ€ume, schneide Kraut.
Schneid das Kraut, / bevor es Juda klaut.
Es sitzen auch die heiligen Herrn, / am warmen Ofen gern.