Ökumenisches Heiligenlexikon

Kanut (Knud) IV. von Dänemark

Gedenktag katholisch: 10. Juli
     nicht gebotener Gedenktag im deutschen Sprachgebiet
     Diözesankalender Hamburg und Osnabrück
     in Odense: Übertragung der Gebeine: 19. April
     in Schleswig und Skandinavien: Übertragung der Gebeine: 25. Juni
Name bedeutet: der Adelige / der Freie (dänisch - althochdt.)
König von Dänemark, Märtyrer
* um 1040 in Dänemark
† 10. Juli 1086 in Odense auf Fünen in Dänemark


Kartenskizze

Kartenskizze

Fresko in der Stehags-Kirche in Skåne, wohl aus den Jahren 1182 - 1202

Fresko in der Stehags-Kirche in Skåne, wohl aus den Jahren 1182 - 1202   

Kanut, der dritte von dreizehn Söhnen des dänischen Königs Sven II. Estridsen, wurde nach dem Tod seines Bruders Harald Hen um 1080 König. Im selben Jahr heiratete er die fünfzehnjährige Adela, Tochter des Grafen Robert I. von Flandern; aus dieser Ehe ging der Sohn Karl der Gute hervor.

Kanut hatte schon als Prinz im Namen des Vaters erfolgreich Außen- und Machtpolitik getrieben und die Kreuzzüge gegen die heidnischen Wenden und im Baltikum geleitet, außerdem 1069 den dänischen Englandzug seines Onkels begleitet. Gleichzeitig war er von christlich-humanistischem Geist durchdrungen. Nach seinem Regierungsantritt brachte er Kurland - das heutige Kurzeme - und Livland unter seine Herrschaft und führte dort das Christentum ein. Als König förderte er die Kirche durch großzügige Schenkungen, besonders an das spätere Erzbistum Lund, wo er 1085 den Bau einer Kathedrale ermöglichte, sowie an Roskilde und Dalby. Er unterstellte die Bischöfe direkt seiner Herrschaft und förderte den Klerus, reformierte das Sklavenrecht, beendete das Faustrecht und erließ Vorschriften zur Einhaltung der Fastenzeiten. Sein Versuch, mit dem Zehnten eine Art Kirchensteuer einzuführen, um der Kirche finanzielle Unabhängigkeit zu garantieren, scheiterte am Widerstand des Adels. Insgesamt vollzog er den Übergang von der germanischen Kirche zu einer im Sinne von Papst Gregor VII. reformierten Kirche.

Ein von Kanut geplanter Feldzug gegen Wilhelm den Eroberer zur Eroberung Englands scheiterte 1085 an der unsicheren Lage im Süden von Dänemark, die ihn zwang, nach Schleswig zu fahren. Gegen Kanut brach 1086 eine Revolte aus, weil das Volk unter der Steuerlast litt, er musste den Norden von Jütland verlassen und sich nach Fünen absetzen. In Odense wurde er zusammen mit seinem Bruder und siebzehn Gefährten umzingelt und starb, von einem Speer getroffen, auf den Stufen des Altars der Kirche des heiligen Alban, dessen Reliquien Kanut selbst aus England mitgebracht hatte.

Die infolge einer Agrarkrise ausgebrochene Not in den Jahren nach 1090 wurde als Strafe für den Mord gedeutet; 1095 nahm der Odenser Domklerus die Erhebung der Gebeine von Kanut vor, 1100 fand ihre feierliche Überführung im Dom in Odense statt, der jetzt die evangelische Knudskathedrale ist. Die um 1124 verfasste Passio S. Canuti, der Bericht über sein Leben und Leiden, stellt den Beginn der dänischen Literatur dar. Seine Verehrung war im späten Mittelalter sehr verbreitet. Zusammen mit Olaf von Norwegen und Erik von Schweden war er einer der großen Könige und Missionare Nordeuropas. Seine Ehefrau == Adela von Flandern, sein Sohn Karl I. von Flandern der Gute und sein Neffe Knud Lavard wurden ebenfalls heiliggesprochen.

Kanuts Person ist in der Geschichtswissenschaft umstritten: Die einen sehen ihn als Gewaltherrscher, dessen Tyrannei von der kirchlichen Überlieferung verschleiert worden sei, andere heben seine Leistungen hervor.

König Knut ordente an, dass Weihnachtszeit 20 Tage lang dauert, also erst am 13. Januar endet. In Skandinavien wird bis heute praktiziert, dass am 13. Januar, der deshalb Knuts-Tag genannt wird, die Christbäume abgeleert, aus den Wohnungen befördert und oft gemeinsam verbrannt werden. Der Brauch wurde vom schwedischen Möbelkonzern IKEA in der Werbung benützt und hat sich nun auch in Norddeutschland verbreitet.

Kanonisation: Kanut wurde - wohl 1099 - auf Gesuch seines Bruders Erik Ejegod, des zweiten Nachfolgers auf dem Thron, von Papst Paschalis II. heiliggesprochen.
Attribute: Lanze oder Pfeile
Patron von Dänemark

Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon

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Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Hiltgard L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Reclam, Ditzingen 1984
• http://www.newadvent.org/cathen/03306c.htm
• Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken (Hg.): Heilige in Nordeuropa. Paderborn 2000
• Charlotte Bretscher-Gisinger, Thomas Meier (Hg.): Lexikon des Mittelalters. CD-ROM-Ausgabe J.B. Metzler, Stuttgart/Weimar 2000
• http://www.donaukurier.de/lokales/schrobenhausen/leserbriefe/art75665,2236976


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