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Ökumenisches Heiligenlexikon

Karl I. der Große

Gedenktag katholisch: 28. Januar
Hochfest in der Stadt Aachen
in Aachen: Übertragung der Gebeine: 27. Juli

Gedenktag evangelisch: 28. Januar

Name bedeutet: der Tüchtige (althochdt.)

Kaiser des Frankenreiches
* 2. April 747 (?)
† 28. Januar 814 in Aachen in Nordrhein-Westfalen

Kartenskizze

Karl übernahm nach dem Tod seines Vaters Pippin des Kleinen, im Jahr 768 Titel und Regierung als König der Franken gemeinsam mit seinem Bruder Karlmann und nach dessen Tod 771 die Alleinherrschaft. Sein Reich vergrößerte er durch die Machtübernahme in der Lombardei 774, in Bayern und Sachsen. Er nahm den aus Rom geflohenen Papst Leo III. bei sich auf, bestätigte dem Papst die Herrschaft über den Kirchenstaat und wurde am 25. Dezember 800 in Rom durch Papst Leo zum Kaiser gekrönt.

Karls Bedeutung liegt weniger in seinem frommen Leben, als in seiner politischen und geschichtlichen Wirksamkeit. Sein Eheleben entsprach den lockeren Gepflogenheiten des fränkischen Adels mehr als den Normen christlicher Lehre; sein brutaler, 30 Jahre lang währender Feldzug gegen die Sachsen verdient nur mit Mühe den Titel Missionierung oder Christianisierung. Seine Bemühungen um Ordnung und Frieden im Reich begründeten das Staatskirchentum. Die Bildung förderte er mit Hilfe der von ihm gegründeten kirchlichen Schulen, das Verhalten der Menschen wollte er durch Intensivierung der Seelsorge bessern; damit der KlerusEin Kleriker ist in der orthodoxen, katholischen, anglikanischen und altkatholischen Kirche ein geweihter Amtsträger, der eine der drei Stufen des Weihesakraments - Diakon, Priester oder Bischof - empfangen hat. Im Unterschied zu den Klerikern bezeichnet man die anderen Gläubigen als Laien. Angehörige von Ordensgemeinschaften gelten, wenn sie nicht zu Priestern geweiht sind, als Laien und in der Orthodoxie als eigener geistlicher Stand. In den protestantischen Kirchen gibt es keine Unterscheidung von Klerus und Laien. in den Pfarreien seinen Lebensunterhalt bestreiten konnte, wurde der Pfarrzehnte eingeführt. Mit seiner Politik legte er die Fundamente des christlichen Abendlandes, auf denen noch heute aufgebaut werden kann. Seine Politik hat der Kirche und damit auch dem Glauben in Europa bleibenden Raum verschafft.

„Triclinium-Mosaik”, mit dem Leo III. im Lateranspalast kurz nach seiner Rückkehr aus Paderborn seine Sicht der Machtaufteilung deutlich machen ließ. Vatikanische Museen in Rom

Triclinium-Mosaik, mit dem Leo III. im Lateranspalast kurz nach seiner Rückkehr aus Paderborn seine Sicht der Machtaufteilung deutlich machen ließ: Papst und Kaiser erhalten aus der Hand von Petrus die Symbole ihrer je eigenen Herrschaft: Fahne und Pallium. Beide knien auf gleicher Ebene zu Füßen Petri, der Papst allerdings rechts. Vatikanische Museen in Rom

Karl und die an seinem Hof versammelten Gelehrten - darunter Alkuin - betrieben die Kultivierung der rückständigen Landesteile im Norden und Osten des Reiches, ließen Kirchen und Klöster bauen und holten Reliquien ins Land. Karl wandelte den eher lockernen Lebensstil seiner jungen Jahre und kümmerte sich persönlich um die Ausbreitung des Glaubens, um Fragen der Liturgie, verfügte die Einführung von Glocken. Karls Strenge und Sanftmütigkeit standen in eigenartigem Zusammenhang, seine Sinnenfreudigkeit wird oft beschrieben. Auf Karls Initiative geht die Einführung der nach ihm benannten karolingischen Minuskel zurück, einer vereinfachten Schreibweise der lateinischen Buchstaben, die Grundlage unserer heutigen Schrift ist.

Die geschichtliche Bedeutung seiner überragenden Persönlichkeit spiegelt sich in Legenden und späteren Darstellungen, die Karl als Mann von riesigem Wuchs und mit übernatürlichen Kräften darstellen. Legenden berichten von Beichte und Sündenvergebung durch das von einem Engel gereichte Spruchband; von seiner Weihe und der Übergabe von Reliquien, so der Dornenkrone Christi, durch den Kaiser von Byzanz - dem heutigen Ístanbul; der verloren geglaubte Handschuh mit den Blumen vom Kreuzholz erreichte den Wegreitenden mit einem Sonnenstrahl; er beweinte in einer Kapelle Eingeschlossene und sein Gebet befreite sie; er sah ausreitenden Rittern nach, schaute ihren Tod voraus und musste festgehalten werden, damit er sie nicht zurückrief; er wurde von Jakobus dem Älteren im Traum zur Hilfe gegen die Mauren aufgefordert, rief dann Jakobus um Hilfe an und die Mauern von Pamplona stürzten in sich zusammen.

Sarkophag, den Karl für seine Bestattung aus Rom nach Aachen bringen ließ. Die römische Arbeit aus dem 3. Jahrhundert stellt den Proserpina-Mythos dar, der von den Franken im Sinne der Auferstehung Jesu gedeutet wurde

Sarkophag, den Karl für seine Bestattung aus Rom nach Aachen bringen ließ. Die römische Arbeit aus dem 3. Jahrhundert stellt den Proserpina-Mythos dar, der von den Franken im Sinne der Auferstehung Jesu gedeutet wurde

Karl beendete sein tatenreiches Leben in Aachen, wo er 814 in seiner Pfalzkapelle, dem heutigen Aachener Münster, in einem römischen Marmorsarkophag beigesetzt wurde. Verehrung zollte ihm schon Kaiser Otto III. mit der legendären Gruftöffnung. 1215 wurden seine Gebeine durch Kaiser Friedrich II. in den von Aachener Goldschmieden gefertigten prachtvollen Karlsschrein umgebettet.

Kanonisation: Auf Kaiser Friedrich Barbarossas Veranlassung erfolgte 1165 die Heiligsprechung Karls durch Rainald von Dassel, den Erzbischof von Köln unter Billigung von Gegenpapst Paschalis III., aber gegen den Willen von Papst Alexander III. Seit 1176 wird die Verehrung als Seliger geduldet: sie ist offiziell gestattet, nicht anerkannt, er ist deshalb nicht im Martyrologium Romanum verzeichnet.
Patron von Aachen; der Lehrer, Handelsmakler und Zinngießer

Reliquiar, das die Schädeldecke von Karl dem Großen enthält, in der Schatzkammer des Aachener Doms

Reliquiar, das die Schädeldecke von Karl dem Großen enthält, in der Schatzkammer des Aachener Doms

Catholic Encyclopedia
Catholic Encyclopedia: Karl und die Kirchenmusik

Eine gut gemachte Homepage über Karl den Großen mit ausführlichen Informationen zur Zeit- und Vorgeschichte des Reiches von Karl, zur Person und seiner Bedeutung und mit einer Reihe schöner Abbildungen betreibt Christian Ilaender bei der Universität Paderborn.

Schriften von Karl und seine Lebensgeschichte gibt es online zu lesen in den Documenta Catholica Omnia.





Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Hiltgard L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Reclam, Ditzingen 1984
• Evang. Gemeindeblatt für Württemberg, 52-53/2000
• http://www.vl-museen.de/aus-rez/pahlke99-1.htm
• http://kaiser-karl-der-grosse-1672.gemaelde-webkatalog.de/
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl. Bd. 5. Herder, Freiburg im Breisgau 1996
• Christian Lohmer. In: Friedrich-Wilhelm Bautz †, Traugott Bautz (Hg.): Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. III, Herzberg 1992